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16.12.2011

00:00 Uhr

Hauswedell & Nolte

515 Prozent Preissteigerung

VonSabine Spindler

Wenn die Qualität stimmt, sind Graphiksammler durchaus zu hohen Einsätzen bereit. Preissteigerungen über 500 Prozent sind sogar möglich.

Willi Baumeister, Monturi (Auschnitt) kostete 315.000 Euro. Hauswedell & Nolte

Willi Baumeister, Monturi (Auschnitt) kostete 315.000 Euro.

HamburgManchmal ist eine Graphik mehr als nur ein künstlerisches Werk. Manchmal ist sie auch - freiwillig oder nicht - ein Dokument. Wie etwa Rolf Neschs farbige Radierung „Professor Sauerlandt“ von 1930. Was diesem Porträt des einstigen Direktors des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe heute seinen besonderen Kick gibt, ist Ernst Ludwig Kirchners Holzskulptur „Sich abtrocknende Badende“ im Hintergrund der Szenerie. Die Plastik wurde 1936 im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ aus dem Museum entfernt und gilt seitdem als verschollen.

Neschs Radierung gehörte zu den gefragtesten Arbeiten bei der Auktion Moderne Kunst bei Hauswedell & Nolte. Bereits auf 28.000 Euro geschätzt, kam ein norwegischer Sammler erst bei einem Einsatz von 50.400 Euro brutto in den Besitz dieses nuancenreichen Blattes. Dass qualitätvolle Graphik kein Potenzial habe, wird von diesem Fall dementiert. 1985 wurde das Blatt im selben Haus zum Hammerpreis von 13.000 DM zugeschlagen. Das ist eine Preissteigerung von 515 Prozent.
„Doch der Graphikmarkt bleibt diffizil“, äußerte Ernst Nolte gegenüber dem Handelsblatt. „Nur die großartigen, ausgefallenen und seltenen Blätter sind heute wirklich gefragt.“ Dazu zählt der norddeutsche Auktionator auch den Erlös von 199.000 Euro für die große, 1909 mit Vehemenz ausgeführte Zeichnung „Schwangere ins Wasser gehend“ von Käthe Kollwitz. So viel wurde schon lange nicht mehr für ein Werk der bedeutenden sozialkritischen Künstlerin gezahlt. Ein Bietgefecht zwischen einem großen amerikanischen Kollwitz-Sammler, der das Nachsehen hatte, und einem Interessenten aus Süddeutschland führte zur Verdreifachung des Schätzpreises.

Auch Edvard Munchs frühe Graphik und erste farbige Lithographie „Das kranke Kind I“ von 1896 reizte zu hohen Geboten. Bei 113.400 Euro sicherte sich der norwegische Käufer der Nesch-Graphiken auch dieses Blatt. Mit Enttäuschung registrierte Nolte hingegen das Desinteresse an Max Beckmanns Lithografie „Die Nacht“ aus dem Zyklus „Die Hölle“. Bei einer Taxe von 100.000 Euro blieb die graphische Version des berühmten Gemäldes liegen.

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