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02.12.2015

12:43 Uhr

Hauswedell & Nolte

Ernst Nolte schließt sein Auktionshaus

VonChristian Herchenröder

Mit den kommenden Versteigerungen von Moderne und Nachkriegskunst endet die Ära von Hauswedell & Nolte. Vor 88 Jahren begann das Hamburger Unternehmen als Antiquariat mit Verlag. Ein Blick zurück und nach vorn auf das Angebot vom 11. und 12. Dezember 2015.

Otto Modernsohns Ölgemälde "Frühling an der Wümme" wird auf 24.000 Euro geschätzt. Quelle: Hauswedell & Nolte

Klassiker der norddeutschen Moderne

Otto Modernsohns Ölgemälde "Frühling an der Wümme" wird auf 24.000 Euro geschätzt. Quelle: Hauswedell & Nolte

HamburgEs ist der Schwanengesang. Das Hamburger Auktionshaus Hauswedell & Nolte beendet sein 88-jähriges Wirken am 11. und 12. Dezember 2015 mit einer Auktion der klassischen Moderne und der Nachkriegskunst. 1927 von Ernst Hauswedell als Antiquariat mit Verlag gegründet, begann der Aufstieg in der Wirtschaftswunderzeit der 1950er-Jahre. Den Buchauktionen von internationalem Rang, darunter die umfangreiche Bibliothek der Könige von Hannover, folgten bald Auktionen der klassischen Moderne, in denen die Meistergraphik immer eine zentrale Rolle spielte.

Das galt schon für die Käthe Kollwitz-Auktion der Sammlung Salman Schocken im Juni 1967, die der Künstlerin den internationalen Durchbruch bescherte. Das gilt auch für Auktionen der letzten zehn Jahre, in denen Blätter von Kirchner und Munch, aber auch in der Sektion Alte Kunst versteigerte Kupferstiche von Albrecht Dürer Weltmarktpreise erzielten. Auch Millionenzuschläge gab es immer wieder; von dem 1985 für 1,3 Millionen DM versteigerten Lüsterweibchen Tilman Riemenschneiders, das sich jetzt in der Sammlung Würth befindet, bis zu den 1,9 Millionen Euro, die 2007 ein doppelseitig mit Frauenköpfen bemaltes Ölbild von Jawlensky einspielte.

Frei von Rekordsucht

Von norddeutscher Zurückhaltung frei von Hype und Rekordsucht geprägt, verfolgte Ernst Nolte, seit den achtziger Jahren Alleinherrscher im Haus am Pöseldorfer Weg, mit seiner Lebensgefährtin und Mitstreiterin Gabriele Braun sein Ziel, norddeutsche Bastion für Sammler des alten Buchs und der klassischen Moderne mit dem bewährten Schwerpunkt Expressionismus zu sein.

Dass das Material in den letzten Jahren nicht mehr so reichlich floss, dass der stattliche Jahresrhythmus der Versteigerungen durch Teilung in Frühjahrs- und Herbstauktionen verwässert wurde, auch dass ein gemischtes Angebot an Kunst nach 1945 den Mangel an Spitzenlosen zu kaschieren vermochte, mögen die Gründe für schleichenden Materialverlust sein. Auch dass sich kein würdiger Nachfolger gefunden hat, der das Format hatte, das Haus neu aufzustellen, spricht Bände. Es wird eben immer schwerer, gegen die angelsächsische Auktionsübermacht Niveau zu halten.

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