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28.01.2011

00:00 Uhr

Heinz Mack

Am Nullpunkt der Kunst

VonBarbara Kutscher

Heinz Mack hat die Kunst revolutioniert, indem er Bilder ohne Pinsel, nur mit Metallstrukturen schuf. Die Zero-Kunst erlebt seit 2006 durch ausländisches Interesse einen gewaltigen Aufschwung.

Ausschnitt aus Heinz Mack: Grönland, 1976. Quelle: magnum

Ausschnitt aus Heinz Mack: Grönland, 1976.

New YorkFestlich silbrig schimmern Heinz Macks „Lichtreliefs“ von den Wänden der New Yorker Galerie Sperone Westwater. Schon über 50 Jahre alt, wirken sie frisch wie am ersten Tag. Mack (*1931) verwendete damals Metallplatten, -gewebe und Alublech als radikal neue Materialien. Durch Eindrücken, Punzen oder Falten bekamen sie eine dekorative Reliefstruktur, die sich je nach Lichteinfall änderte. „Meine Werke benötigen anstelle der Farben das Licht, um zu leben“, sagt Mack. Der putzmuntere Künstler ist Mitbegründer der Künstlergruppe Zero, die ab 1958 für eine „Stunde null“ in der Kunst eintrat: Bewegung im Raum und Licht sind die neuen, unbelasteten Elemente dieses revolutionären Stils, dem auch Otto Piene und Günther Uecker huldigen.

Unter 35 Werke aus den 60er-Jahren reiht Sperone Westwater Zeichnungen, Stelen aus Plexiglas und kinetische Werke mit Motor. Die Preise reichen von 28 000 Euro für Papierarbeiten bis zu 320 000 Euro für das Alu-Relief „Großes Lichtfeld“ (1963), das einst in einer englischen Bank hing. Auch die winzige, mit glitzernden Gewebespiralen gefüllte Vitrine „Box of Light Spirals“ (1966) ist aus amerikanischem Besitz zurückgekehrt.

Alle Werke gehören Mack und waren, bis auf einige Ausnahmen, nie auf dem Markt. „In den ersten zwei Wochen haben wir schon zwölf Arbeiten verkauft, das meiste an amerikanische Sammler von zeitgenössischer Kunst und Klassischer Moderne“, sagt Galeriedirektor David Leiber. „Wir sehen Interesse auf allen Preisebenen.“

Auch in Deutschland steigen Sammler, angespornt von neuer internationaler Nachfrage, wieder in den Markt ein. Die Verkäufe stimmen Mack auch ein wenig traurig: „Das ist mit das Letzte, was ich aus dieser Zeit besitze,“ sagt er. „Es ist meine Chance, Zero wiederzubeleben.“ Und er hat den richtigen Zeitpunkt erwischt. Kurator Joseph Ketner vom Emerson College in Boston sieht „ein außergewöhnlich stark wachsendes Interesses an Zero hier in den USA“.

Lucio Fontana und Yves Klein fordern mittlerweile zweistellige Millionenbeträge. Über kurz oder lang werden auch die Preise der übrigen Zero-Mitglieder anziehen, daran arbeiten derzeit wichtige Galerien Europas, der USA und Asiens. Angestoßen wurde das Revival 2006 von der Düsseldorfer Ausstellung „Zero. Internationale Künstler-Avantgarde der 50er-/ 60er-Jahre“ im Museum Kunst Palast.

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