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10.02.2015

15:51 Uhr

Helge Achenbach

Verkauf der Insolvenzkunst stößt auf Probleme

Im Prozess gegen Helge Achenbach versucht ein Insolvenzverwalter, das komplizierte Firmengeflecht des angeklagten Kunstberaters mit weiteren Anwälten zu ordnen. Ebenso kompliziert ist der Verkauf seiner Kunstsammlung.

Helge Achenbach im Landgericht in Essen. Der Betrugsprozess wurde am Dienstag fortgesetzt. dpa

Düsseldorfer Kunstberater

Helge Achenbach im Landgericht in Essen. Der Betrugsprozess wurde am Dienstag fortgesetzt.

EssenDer Erlös aus dem Verkauf der Kunstobjekte aus der Insolvenzmasse des angeklagten Kunstberaters Helge Achenbach dürfte niedriger ausfallen als bisher geschätzt. Auf mehrere Hundert der insgesamt rund 2000 Kunstwerke in den Firmenlagern Achenbachs meldeten Dritte Ansprüche an, wie Insolvenzverwalter Marc d'Avoine am Dienstag im Betrugsprozess gegen Achenbach am Essener Landgericht aussagte.

Allein eines der strittigen Objekte könnte den bisher auf knapp sieben Millionen Euro geschätzten Verkaufserlös um eine Million Euro schmälern. Die Objekte sollen von Juni bis November in London, Köln und Düsseldorf versteigert werden. Zuvor werde geprüft, welche Objekte nicht Achenbach gehörten.

Allein der Familie des 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht, die das Strafverfahren in Gang gebracht hatte, soll Achenbach rund 19 Millionen Euro Schadenersatz zahlen. Das hatte das Landgericht Düsseldorf in einem Zivilprozess entschieden. Die Staatsanwaltschaft wirft Achenbach vor, Albrecht beim Verkauf von Kunst und Oldtimern um rund 23 Millionen Euro betrogen zu haben. Achenbach hatte die Vorwürfe ungerechtfertigter Preisaufschläge in einigen Fällen zugegeben.

Die Firmengruppe Achenbachs rutschte nach Darstellung d'Avoines vor dessen Festnahme im Juni 2014 in einen Liquiditätsengpass. Besonders die Monkey's-Restaurantgruppe habe Verluste eingefahren, die dann vor allem von der Achenbach Kunstberatung GmbH ausgeglichen worden seien.

Die Umsätze aus Kunstberatung und -handel der Achenbach-Gruppe seien von 16 Millionen Euro im Jahr 2010 auf 7,3 Millionen im Jahr 2013 gesunken. Die angespannte Liquiditätslage der Restaurants habe auf andere Gesellschaften Achenbachs übergegriffen.

Kunstberater Achenbach: Millionengeschäfte mit dem Aldi-Erben

Helge Achenbach

Der Düsseldorfer Kunsthändler ist seit Jahrzehnten in der Kunstszene tätig. Er gilt als Erfinder der Kunstberatung.

Geburtsdatum

17. April 1952

Achenbach Art Consulting

Achenbach besitzt seine eigene Kunstberatung. Die Achenbach Art Consulting existiert seit knapp 40 Jahren und arbeitete bereits mit renommierten Künstlern wie Gerhard Richter, Jörg Immendorff oder Andreas Gursky zusammen.

Betrugsvorwürfe

Im Juni 2014 wurden Betrugsvorwürfe gegen den Kunstberater bekannt. Babette Albrecht, Witwe des verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht, soll Anzeige gegen Achenbach erstattet haben. Der Grund: „verdeckte Preisaufschläge“. Auch Christian Boehringer von dem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim soll zu den Opfern Achenbachs zählen.

Sündenfall (1)

Achenbach verkaufte Bilder von Oskar Kokoschka. Dieser war ein österreichischer Maler, Grafiker und Schriftsteller des Expressionismus und der Wiener Moderne. Er wurde 1886 geboren und starb 1980.

Sündenfall (2)

Achenbach verkaufte Bilder von Ernst Ludwig Kirchner. Dieser war ein deutscher Maler und Grafiker und wird zu den wichtigsten Vertretern des Expressionismus gezählt. Er lebte von 1880 bis 1938.

Geschäftspartner

Achenbach machte Geschäfte mit Berthold Albrecht. Der Manager war einer von zwei Söhnen des Aldi-Nord Gründers Theo Albrecht. Berthold Albrecht lebte von 1954 bis 2012.

Geschäftsvolumen

Berthold Albrecht hat in nur drei Jahren mithilfe von Achenbach Kunstwerke und Oldtimer im Wert von rund 120 Millionen Euro erstanden.

Schaden

Die Staatsanwaltschaft geht im Zusammenhang mit den Albrecht-Geschäft Achenbachs von Betrug aus und hat einen Schaden von rund 23 Millionen Euro errechnet.

D'Avoine machte deutlich, wie kompliziert es sei, das Firmengeflecht Achenbachs und die zahlreichen Quersubventionierungen zu ordnen. So habe etwa Achenbachs Kunstberatung mit Oldtimern gehandelt, obwohl das gar nicht in ihrer Satzung gestanden habe. Die Kunstberatung habe anteilig Personalkosten der Monkey's getragen, während die Restaurants wiederum Provisionen für Autovermittlungen kassiert hätten.

„Das ist derart komplex, dass ein einzelner das gar nicht stemmen kann“, sagte d'Avoine. Er habe deshalb einen Wirtschaftsprüfer damit beauftragt, alle Salden zu prüfen. Außerdem unterstützten ihn drei weitere Anwälte. Es gebe zudem mindestens zwei Gläubiger, deren massive Millionen-Forderungen gegen Achenbach er bestreite.

Von Rücknahmegarantien, die Achenbach Albrecht und anderen Kunden gegeben haben will, habe er nur vom Hörensagen erfahren, sagte d'Avoine. In den Rückstellungsposten der Firmenbilanzen seien solche Garantien nicht ausdrücklich vermerkt. Achenbach hatte seine Preisaufschläge für Albrecht unter anderem mit mündlich zusagten Rücknahmeverpflichtungen begründet.

Von

dpa

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