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29.01.2014

12:01 Uhr

Henning Mankell

„Meine Angst ist sehr groß“

VonLisa Hegemann

Der schwedische Krimiautor Henning Mankell ist an Krebs erkrankt. Nun muss er sich wie seine Romanfigur Kurt Wallander mit der Angst vor dem Tod beschäftigen. Seine Krankheit will Mankell nun als Instrument einsetzen.

Der schwedische Krimi-Autor Henning Mankell ist an Krebs erkrankt. dpa

Der schwedische Krimi-Autor Henning Mankell ist an Krebs erkrankt.

Vor fünf Jahren, vor der Veröffentlichung seines letzten Wallander-Romans in Deutschland, sagte Henning Mankell einmal: „Angst vor dem Tod hat jeder Mensch, egal ob Mann oder Frau.“ Eigentlich ging es um die Hauptfigur seiner beliebten Krimiserie, um Kurt Wallander. Der Kommissar musste sich bereits seit seinem ersten Buch mit der Angst vor dem Tod auseinandersetzen, im letzten mit seiner Alzheimer-Erkrankung.

Zwar findet Mankell prinzipiell nicht, dass er viel mit seinem Romanhelden gemein hätte. Doch die Angst vor dem Tod dürfte nun ein Bindeglied zwischen den beiden Eigenbrötler sein: Henning Mankell ist an Krebs erkrankt.

In einem Zeitungsbericht machte der schwedische Schriftsteller seine Krankheit öffentlich. In „Göteborgs Posten“ schrieb Mankell, vor zwei Wochen habe man einen Tumor im Hals und einen in der Lunge festgestellt. Auch der restliche Körper könnte betroffen sein, mutmaßen die Ärzte demnach. Eigentlich hatte sich der Autor wegen Verdachts auf einen Bandscheibenvorfall untersuchen lassen. Den Schritt, über seine Krankheit zu schreiben, hat er laut des Artikels sehr bewusst getroffen. Es ginge um den Schmerz und das Leiden, das auch so viele andere Menschen betreffe, so Mankell. Nun will er in gelegentlichen Kolumnen seine Erkrankung thematisieren.

Der schwedische Krimiautor zählt zu den erfolgreichsten Schriftstellern Schwedens. Seine Romane um den Kriminalkommissar Wallander wurden weltweit mehr als 40 Millionen Mal verkauft und mehrmals verfilmt. In Deutschland lief erst Mitte Januar die Verfilmung des letzten Wallander-Romans. Der fiktive Kommissar musste sich in dieser Folge mit seiner Alzheimer-Erkrankung befassen.

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Dass nun auch sein Erfinder erkrankt ist, sich ähnliche Fragen stellen muss wie Wallander, ist eine kuriose Parallele zwischen zwei Figuren, einer realen und einer fiktiven, deren Leben untrennbar miteinander verbunden ist. Dabei sind die beiden an sich sehr unterschiedlich, wie Mankell auch gerne betont. Im Gegensatz zu seinem fiktiven Kommissar bezeichnete sich der Schriftsteller stets als politisch, setzte sich gegen den Vietnamkrieg und die Apartheid in Südafrika ein. Ohnehin macht der Schwede die Probleme in Afrika immer wieder zum Thema – ob in seinen Büchern oder in Interviews.

Im Gegensatz zu Wallander ist Mankell zudem ein Familienmensch. Er ist in dritter Ehe mit Eva Bergman, Tochter des bekannten Regisseurs Ingmar Bergman verheiratet, ist Vater von vier Söhnen und Großvater. Zum Schreiben kam der 1948 in Stockholm geborene Autor schon sehr früh, in seinen Anfängen widmete er sich Theaterstücken, später verfasste er auch Prosa. Sein größter Erfolg wurden seine Wallander-Romane, es sind aber längst nicht seine einzigen. Über das Schreiben sagte er in einem Interview mit der „Zeit“ einmal: „Das, was uns von Tieren unterscheidet, ist ja, dass wir Geschichten erzählen können. Ich kann Ihnen von meinen Ängsten, meinen Träumen und meinen Hoffnungen erzählen. Und Sie können mir von Ihren erzählen.“

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