Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.10.2015

15:46 Uhr

Herbstauktionen London

Der Markt läuft sich warm

VonMatthias Thibaut

Parallel zu den Frieze-Messen sind in London die Auktionen für Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst angelaufen. Phillips und Sotheby's fahren trotz eines insgesamt eher durchschnittlichen Angebots ordentliche Ergebnisse ein. Kunstkäufer zeigen sich unberührt von Ängsten um die Weltwirtschaft. Besonders gut läuft es für die italienische Nachkriegsavantgarde.

Lucio Fontanas gewalttätig durchbrochene Leinwand „Fine di Dio“ gehörte 1963 zur Avantgarde. Das mannshohe Werk erzielte knapp 16 Millionen Pfund (21,6 Millionen Euro) und etablierte damit einen neuen Auktionsrekord für den Wegbereiter des italienischen „Spazialismo“. Quelle: Sotheby's / VG Bild-Kunst Bonn 2015 Sotheby's

Vorstoß in die dritte Dimension

Lucio Fontanas gewalttätig durchbrochene Leinwand „Fine di Dio“ gehörte 1963 zur Avantgarde. Das mannshohe Werk erzielte knapp 16 Millionen Pfund (21,6 Millionen Euro) und etablierte damit einen neuen Auktionsrekord für den Wegbereiter des italienischen „Spazialismo“. Quelle: Sotheby's / VG Bild-Kunst Bonn 2015

LondonStabile Auktionsergebnisse und gute erste Verkaufsergebnisse von den Messen „Frieze“ und „Frieze Masters“ zeigen, dass der Kunstmarkt von Ängsten um die Weltwirtschaft und den sommerlichen Turbulenzen an den Aktienmärkten unberührt bleibt. Die Woche war insofern eine glänzende Aufwärmübung für die New Yorker Auktionen Anfang November, wenn die wirklich hochkarätige Kunst versteigert wird.

Phillips eröffnete die Serie der Londoner Abendauktionen am Mittwoch mit einem ungewöhnlichen „White Glove“Sale“, wie Auktionen heißen, bei denen jedes Los verkauft werden kann. „Wir hatten vor der Auktion etwas Sorge“, so Phillips Chef Ed Dolman, „aber es gab keinerlei Grund dafür“. Gestützt wurde die Phillipsauktion allerdings durch Garantieabkommen, die den Absatz von 22 der 36 ausgerufenen Lose sicherten, darunter alle 18 Lose der Nachlasssammlung des kalifornischen Botox-Pioniers Frederick Brandt.

Toplos wurde ein spätes, blutrotes Kringelbild von Cy Twombly für knapp 8 Millionen Pfund. Das war zwar weniger als die hohe Schätzung, aber mehr als das Bild 2011 im gleichen Hause gekostet hatte. Einen strahlenden Rekordpreis gab es für das Großformat „Constitution IV“ von Mark Bradford, für das die Händlerin Daniella Luxembourg die Schätzung mit 3,8 Millionen Pfund fast verdoppelte.

Überangebot während der Frieze

Sotheby’s nahm am Donnerstagabend in einer Mammutauktion 77 Millionen Pfund ein, das zweithöchste Ergebnis einer Frieze-Woche. Eine etwas höhere Rückgangsrate in der Allgemeinauktion – 28 Prozent der Lose – reflektiert das Überangebot der Messewoche und die über 100 oft durchschnittlichen Lose in der Abendauktion, nicht eine Schwäche des Marktes.

Glänzend verkauft wurde eine Flut von italienischer Kunst. Das schwarze, eiförmige Ölgemälde „Fine di Dio“ von Lucio Fontana erzielte mit knapp 16 Millionen Pfund (21,6 Millionen Euro) einen neuen Auktionsrekord für den Wegbereiter des italienischen „Spazialismo“ und die italienische Nachkriegskunst überhaupt. Sotheby’s hatte das Werk mit 15 bis 20 Millionen Pfund weit über dem bisherigen Auktionshöchstpreis angesetzt. Auch hier war der Verkauf an einen Telefonbieter in der letzten Woche noch durch eine Garantie abgesichert worden.

Rekordpreise für Fontana und Genzken

Italienisches war Trumpf. In Sotheby’s Abendauktion wurden zwölf Fontanas angeboten, von denen zehn verkauft wurden, Fontana allein steuerte 23 Millionen Pfund, fast ein Drittel an dem Gesamtergebnis bei. Starke Preise wurden auch für Arbeiten von Alberto Burri geboten. Er profitiert nun von einer Retrospektive im New Yorker Guggenheim Museum. Sein „Bianco Plastica 1“ überstieg die Schätzung mit 2,6 Millionen Pfund durch den Kunsthändler David Nahmad.

Zu den wegbereitenden Rekordpreisen des Abends gehörte auch eine Betonskulptur aus der „Fenster“-Serie von Isa Genzken, Gerhard Richters Ex-Frau. Die Kunst der Berlinerin gilt als unterbewertet; ihre Fenster (und Türen) in Beton der frühen 1990er-Jahre sind selten zu haben. Die niedrige Schätzung von 100.000 bis 150.000 Pfund verführte mehr als ein halbes Dutzend Bieter, der Endpreis von 677.000 Pfund entsprach etwa dem Niveau einer im Sommer auf der Art Basel verkauften Tür-Skulptur.

Fortsetzung folgt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×