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18.02.2011

09:55 Uhr

Hongkong

Guy Ullens lässt chinesische Kunst versteigern

VonMatthias Thibaut

Zwei hochrangige, von Europäern aufgebaute China-Sammlungen dürften den expandierenden Chinamarkt weiter befeuern. Der belgische Pioniersammler Guy Ullens lässt Teile seiner Kunstsammlung bei Sotheby’s in Hongkong versteigern. Zweiter Höhepunkt wird die von Schweizern aufgebaute Keramiksammlung „Meiyintang“ sein.

Das leicht unheimliche Bild aus der "X?"-Serie, hier No. 3, stammt aus der angesehenen Sammlung von Guy und Myriam Ullens. Sein Marktwert wird zurückhaltend auf umgerechnet 190.00 bis 320.000 US-Dollar geschätzt. Quelle: Sotheby's

Das leicht unheimliche Bild aus der "X?"-Serie, hier No. 3, stammt aus der angesehenen Sammlung von Guy und Myriam Ullens. Sein Marktwert wird zurückhaltend auf umgerechnet 190.00 bis 320.000 US-Dollar geschätzt.

LondonSotheby’s Frühjahrsauktionen in Hongkong dürften die aufregendsten seit langem werden im aufstrebenden, drittwichtigsten Auktionszentrum der Welt nach New York und London. Gleich zwei sehr profilierte Sammlungen stehen zum Verkauf: eine mit chinesischer Avantgarde-Kunst, eine mit herausragender chinesischer Keramik, beide von Europäern aufgebaut.

Aus der belgischen Sammlung von Baron Guy Ullens und seiner Frau Myriam steht die Kunst der chinesischen Avantgarde zum Verkauf im unaufhaltsam expandierenden Chinamarkt. Die Abendauktion mit 106 Meisterwerken soll am 3. April 13 bis 17 Millionen US-Dollar bringen – angeführt von einem rekordverdächtigen, frühen, aber untypischen Triptychon von Zhang Xiaogang mit einer Schätzung von 3,2 bis 3,8 Millionen US-Dollar. Zhang Xiaogang ist in der Auktionswelt vor allem durch seine schier endlose „Bloodline“-Serie bekannt. Das Ullens-Angebot ist typisch für die Sammler der ersten Stunde, die Kunst in China kauften, als sich nur westliche Sammler mit Chinaverbindungen dafür interessierten. Ullens stammt aus einer belgischen Diplomatenfamilie, sein Onkel war Botschafter und sein Vater Diplomat in China. Nun geht der Warenstrom in die andere Richtung.

Chinas Geschichte im Spiegel der Kunst

Westlichen Sammlern sind die chinesische Kunst inzwischen in der Regel zu teuer und ihre Preise zu spekulativ geworden. Chinesen hingegen kaufen sich im großen Stil in ihre eigene, bestens  eingeführte zeitgenössische Kunst ein. Aber Ullens hat nicht die teuersten und gängigsten Arbeiten, die der Markt hätschelt, gekauft. Die Sammlung dokumentiert vielmehr die Geburt der neuen Chinakunst von den frühen achtziger Jahren an.  „Sie visualisiert die Geschichte Chinas durch Kunst“, so Sotheby’s Spezialistin Evelyn Lin. Lin nennt das Angebot „unvergleichlich in Größe, Abwechslungsreichtum und Tiefe“.

Indien im Fokus

Die Ullens Auktion hat zu Spekulationen über die Zukunft des Ullens Centre for Contemporary Art (UCCA) in Beijing geführt. Erst vor zwei Jahren hatte Ullens, Besitzer der Artal Group (Pizza Hut, Neuhaus), in London eine hochwichtige Sammlung von Turner-Aquarellen versteigern lassen, um sein Kunstzentrum zu finanzieren, das auch als Schaustätte westlicher zeitgenössischer Kunst in Beijing dient. Doch die Versteigerung in Hongkong hat nichts mit dem UCCA zu tun. Vielmehr scheint Ullens neue Interessen für indische Kunst zu entfalten und sich sammlerisch umzuorientieren.

Ausstellung abgesagt

Die "mit ausländischen Farben bemalte" Falangcai-Vase mit goldenen Fasanen aus der Qing-Dynastie schätzen Sotheby's Experten auf 23 Mio. US-Dollar. Quelle: Sotheby's

Die "mit ausländischen Farben bemalte" Falangcai-Vase mit goldenen Fasanen aus der Qing-Dynastie schätzen Sotheby's Experten auf 23 Mio. US-Dollar.

Spekulationen um das UCCA halten an, Ullens ist schon in fortgeschrittenem Alter. Er selbst sagte in Interviews, er suche für das Zentrum einen chinesischen Partner, der die Sache einmal ganz übernehmen könne. Vielleicht operiert das Zentrum auch deshalb zurzeit arg zögerlich. Diese Woche sagte das UCCA, offenbar auf politischen Druck, eine lange geplante Retrospektive des regimekritischen Künstlers Ai Wei Wei ab. Man sei zeitlich nicht mit den Vorbereitungen fertig geworden, teilte das Zentrum mit. Ai Wei Wei, der seit längerem wegen seiner offenen Kritik an der chinesischen  Zensur unter Druck von den Behörden steht, wies diese Erklärung als „lächerlich“ zurück.

Die Keramik-Enzyklopädie

Auch die zweite Privatsammlung ist hochkarätig. Bei der Versteigerung traditioneller Keramik wird mit 80 Losen aus der berühmten Sammlung „Meiyintang“ (Hall among the rose beds) eines der bedeutendsten Angebote chinesischer Keramik der letzten Jahre versteigert. Die  Gesamtschätzung für die Auktion am 7. April liegt bei 121 Millionen US-Dollar. Allein das Spitzenlos, eine „Falancai“ („foreign colour“) emaillierte Vase der Qianlong-Ära, hat eine Schätzung von 23 Millionen Dollar. Hinter der Sammlung steht ein Schweizer Sammlerpaar, dass in einer 50-jährigen Sammlertätigkeit eine enzyklopädische Zusammenschau der chinesischen Keramikgeschichte in rund 2000 exquisiten Objekten zusammentrug - unterstützt von führenden Händlern wie Giuseppe Eskenazi aus London und E.T. Chow aus Hongkong.

www.sothebys.com

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