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06.02.2004

16:01 Uhr

„Ich war glücklich, Pionierin mit rotem Halstuch zu sein“

Aschenputtel singt

VonGabriele Luster (Handelsblatt)

Es ist ein modernes Märchen: Anna Netrebko ist der Shootingstar am Opernhimmel.

Coole Teenager vergessen Shakira und Anastacia. Überzeugte Opernmuffel gieren nach einer Opernkarte. Pop-gestählte Radio-Moderatoren tauschen Champions-League-Spiel gegen ein „Traviata“-Ticket. Gestandene Anwälte träumen davon, ihr Manager zu sein, und stets nörgelnde Kritiker schwärmen von einer neuen Callas: München ist infiziert von Anna Netrebko – dem Shootingstar am internationalen Opernhimmel, seit er im Sommer 2002 am Salzburger Festspielfirmament aufging.

Damals war die Russin 30 Jahre alt, und im Westen kannte sie keiner. Doch das änderte sich rasch. Anna Netrebko sang eine der haarigsten Mozart-Partien – die von Don Giovanni verführte Donna Anna – mit atemberaubender Bravour und Makellosigkeit. Sofort akzeptierte der rigorose Nikolaus Harnoncourt als Dirigent des Festspiel-„Don-Giovanni“ die Unbekannte von der Newa.

Und auch wenn sie im Gespräch heute verrät, dass „auf den Proben mit Regisseur Martin Kusej Krieg herrschte“, konnte er sich für seine unkonventionelle Inszenierung keine mädchenhaftere, stimmigere und schönere Anna wünschen. Ihr Debüt wurde zum Triumph.

Plötzlich rissen sich alle um sie: Opernhäuser, Plattenindustrie, Presse und natürlich die Fans. Sie kürten sie zur Diva, die in heißen Videoclips die Konkurrenz das Fürchten lehrt. Obwohl sich Puristen entsetzt abwenden – das Hinschauen lohnt sich, wenn die dunkeläugige Schönheit, aufgebrezelt wie ein Popstar, singend tanzt und sich lasziv räkelt.

Anna Netrebko erzählt, dass Produzent Bernhard Fleischer in Salzburg die Idee hatte, sie so in Szene zu setzen, und Hollywood-Regisseur Vincent Petterson, der schon Pop-Idole wie Madonna und Michael Jackson in Clips bannte, diese Ideen umsetzte. Warum nicht, meint die Klassik-Diva: „Das ist doch kein Crossover, sondern ein moderner Zugang zur Oper, der junge Leute anspricht. Als ich 13 war, mochte ich klassische Musik auch nicht.“

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