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14.01.2005

07:41 Uhr

Illusionen über große Erlöse darf sich der Verkaufswillige nicht machen

Wie verticke ich meine Uhr?

VonMartin Häussermann (Handelsblatt)

Wenn der Zeitmesser nicht gefällt, geht er zurück zum Händler, kommt in die Versteigerung oder landet im Internet.

Eigentlich war?s ein Missverständnis, wie so oft zwischen zwei Menschen und besonders dann, wenn es eine Überraschung sein soll. Er hatte sich schon lange einen Chronographen gewünscht. Sie wollte ihn genau damit überraschen und kaufte einen - Chronometer. Betretenes Schweigen, als er unter dem Weihnachtsbaum statt der begehrten maskulinen Uhr mit Stoppfunktion diesen besonders genau gehenden Edelticker fand. Und was nun?

Wahrscheinlich ist es schwieriger, eine solche Situation ohne emotionale Störungen zu meistern, als das Problem in der Praxis zu lösen. Das Nächstliegende: Eine neue, ungetragene Uhr tauscht jeder seriöse Fachhändler auch noch einige Tage nach dem Kauf problemlos um.

Und selbst wenn der Beschenkte noch zögert, die Liebste am Fest der Liebe nicht enttäuschen will und sich die Uhr mit gezwungen lächelndem Gesicht umbindet - er wird, wenn er will, das Stück auch später noch wieder los. "Wenn Kunden bei uns gekauft haben, versuchen wir natürlich auch noch nach einigen Jahren, eine individuelle Lösung zu finden", sagt beispielsweise Bernhard Stoll von Juwelier Wempe in Hamburg. Das gilt allerdings nur in Verbindung mit einem Neukauf und hängt maßgeblich von dem Uhrenmodell ab, das in Zahlung gegeben werden soll. Denn: "Wir wollen nicht professionell ins Gebrauchtgeschäft einsteigen. Aber bei Klassikern wie einer Audemars Piguet Royal Oak, einer Rolex Submariner oder einer Patek Philippe, da lässt sich meist etwas machen."

Diese renommierten Marken erfreuen sich auch als Gebrauchte einer großen Nachfrage. Der Stuttgarter Juwelier Ralf Häffner sagt: "Das sind Schnelldreher, für die wir eigentlich immer recht hohe Preise erzielen." Der smarte Schwabe betreibt den Gebrauchtuhrenhandel im großen Stil und international. Er verkauft Uhren in 80 Ländern der Welt. Seine Internetplattform verzeichnet rund 3000 Besucher pro Tag.

"Will der Kunde das Geld gleich haben, so kaufen wir Uhren sofort gegen bar an", verspricht Häffner. Illusionen über große Erlöse darf sich der Verkaufswillige allerdings nicht machen. Gut erhaltene Gebrauchtuhren bringen je nach Zustand bis zu 40 Prozent des Neupreises, ungetragene Uhren bis zu 50 Prozent. "Bei gesuchten Uhren legen wir auch oft noch was drauf", ergänzt Häffner-Geschäftsführer Nicolas Evers. Dazu zählt er besonders die Sportuhren von Rolex.

Mehr rausholen lässt sich meist beim Kommissionsverkauf - so um die zehn Prozent über dem Ankaufspreis sind drin, weil der Juwelier in diesem Fall kein Kapital bindet. Dafür muss der Verkäufer aber auf sein Geld so lange warten, bis die Uhr tatsächlich verkauft ist. Den Preis legt Häffner fest, und der liegt deutlich über dem Kommissionspreis. "Dafür lassen wir die gebrauchten Stücke zu unseren Lasten aufarbeiten und geben auf jede von uns verkaufte Uhr 1 000 Tage Garantie", fügt Evers an. Das schränke seine Handelsspanne doch etwas ein.

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