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27.05.2015

22:43 Uhr

im Kinsky

Erfahrungen mit einem zu hohen Limit

VonOlga Kronsteiner

Das Wiener Auktionshaus „im Kinsky“ setzt mehr als 70 Prozent seiner „Meisterwerke“ ab. Insgesamt setzt das Haus mit Werken vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart 3,6 Millionen Euro um.

Franz West betitelte die Mischtechnik als „Empörung“. Das 1972 entstandene Bild fand für 22.680 Euro in den USA eine neue Heimat. Quelle: im Kinsky

Frühwerk mit Humor

Franz West betitelte die Mischtechnik als „Empörung“. Das 1972 entstandene Bild fand für 22.680 Euro in den USA eine neue Heimat. Quelle: im Kinsky

WienSeit Herbst 2010 veranstaltet „im Kinsky“ unter dem Titel „Meisterwerke“ Auktionen mit an Umfang reduziertem und an Güte orientiertem Angebot. Die für den 12. Mai 2015 anberaumte Versteigerung versammelte 93 Kunstwerke in einer alphabetischen Bandbreite von Christian Ludwig Attersee bis Franz West. Inhaltlich lag der Schwerpunkt auf Arbeiten österreichischer Herkunft, dazu kredenzte man vereinzelt auch solche Köder, die internationale Kaufgelüste wecken sollten. Darunter die aus einer Wiener Privatsammlung stammende Serie früher Mischtechniken von West zum Schätzpreis von je 10.000 bis 20.000 Euro. Sie schildern surreal wie humorvoll scheinbar alltägliche Szenerien. Sporadisch hatte Galerist Philipp Konzett mitgeboten. Er blieb allerdings ebenso auf der Strecke wie andere Konkurrenten. Ein hartnäckiger Telefonbieter behielt bei allen elf Positionen in einer Preisklasse von 20.160 bis 32.760 Euro (inkl. Aufgeld, exkl. Folgerecht) die Oberhand. Für die Summe von 283.500 Euro fand die Tranche nun in Amerika eine neue Heimat.

Höchster Zuschlag für „Fränzi“

Den höchsten Zuschlag des Abends erteilte Geschäftsführer und Auktionator Michael Kovacek jedoch für das den Katalog zierende Titellos der Klassischen Moderne: für Erich Heckels Farbholzschnitt „Fränzi liegend“ aus dem Jahr 1910. Ein österreichischer Auftragskäufer erhielt den Zuschlag bei 315.000 Euro im Bereich des oberen Schätzwertes. Auf den zweiten Platz hievte ein deutscher Privatsammler Friedensreich Hundertwassers „Grüne Steiermark“, als er sich mit 296.000 Euro gegen die Konkurrenz im Saal durchsetzte.

Blick in die Ausstellungsräume des Auktionshauses im Kinsky. Quelle: im Kinsky

Vor der Versteigerung

Blick in die Ausstellungsräume des Auktionshauses im Kinsky. Quelle: im Kinsky

Pierre-Auguste Renoirs auf 150.000 bis 300.000 Euro taxierte kleine „Paysages à Cagnes“ aus der Zeit um 1898 wanderte knapp über dem Limit von 200.000 Euro (netto) für ein Höchstgebot von 220.000 Euro (Kaufpreis: 277.200) übers Telefon nach Tschechien ab.

Zuschlag unter Vorbehalt

Anderem hatten Einlieferer durch teils überhöhte Erwartungen eine vorläufige Hürde namens Limit verpasst. Etwa einer Rarität von Rudolf Hausner aus deutschem Privatbesitz. 1975 hatte Hausner in Carrara nach einem Gipsmodell einen weißen und einen schwarzen Kopf herstellen lassen, die anschließend in Scheiben geschnitten und zu zwei gestreiften Varianten wieder zusammengefügt wurden. Das Pendant des marmornen Adams gastiert derzeit in einer Ausstellung im Museum Würth (Künzelsau, bis 7. Juni). Für die in Wien offerierte Version hatte die Taxe bei 60.000 bis 120.000, das Limit jedoch bei 75.000 Euro gelegen.

Kovacek erteilte einem Onlinebieter bei 60.000 Euro einen „Zuschlag unter Vorbehalt“, der nach Rücksprache mit dem Verkäufer anderntags akzeptiert wurde (Kaufpreis: 75.600 Euro). Dies ist der höchste, je bei einer Auktion für eine Hausner-Skulptur notierte Wert immerhin. Ähnlich verhielt es sich mit einer Steinskulptur von Karl Prantl, deren Schätzpreis bei 100.000 bis 200.000 Euro lag. Sie war bis Anfang Februar in einer Albertina-Ausstellung („Die Sprache der Steine“) zu sehen. Hier lag das Limit mit 160.000 Euro recht weit von den Vorstellungen des einzigen Interessenten im Saal entfernt, der nicht mehr als 120.000 Euro einzusetzen bereit war. Und auch in diesem Fall machte sich die sture Knauserigkeit des potenziellen Käufers letztlich bezahlt, der nun inklusive Aufgeld 151.200 Euro zu berappen hat.

Die im Zuge der 106. Kunstauktion verzeichneten Besitzerwechsel summierten sich am Ende auf ein Total von 3,6 Millionen Euro. Die Verkaufsquote lag über 70 Prozent.

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