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30.06.2017

07:30 Uhr

Impressionismus

Sommer und Sonne

VonSusanne Schreiber

Die Düsseldorfer Galerie Paffrath blättert die stilistische Vielfalt deutscher Impressionisten auf. Ganz nebenbei zeigt sie damit, dass Maler, die in der Kunstgeschichte fest verankert sind, nicht teuer sein müssen.

Susanne Schreiber

DüsseldorfFür Gemälde des französischen Impressionismus müssen Kunstfreunde in Paris oder London oft große Summen einsetzen. Die stimmungsvollen Landschaftsbilder von Camille Pissarro, Alfred Sisley oder Henry Martin sind im günstigsten Fall für Summen ab 200.000 Euro oder Pfund zu haben. Repräsentative Motive mit großer Ausstellungs- und Provenienz-Geschichte landen bei entsprechender Nachfrage bei Christie’s und Sotheby’s aber im Millionen-Bereich. Die meisten Menschen lieben diesen Stil. Das beweisen u.a. die anhaltend hohen Besucherzahlen im Museum Barberini in Potsdam. Seit der Eröffnung im Januar 2017 haben sich 320.000 Besucher die Eröffnungsschau mit Impressionisten aus der Sammlung von Museumsgründer Hasso Plattner und anderen Sammlern angesehen.

Max Uth schuf um 1910 die „Dampferhaltestelle. Wannsee“ in den Maßen 75 x 85 cm. Galerie Paffrath

Hauptrolle für Wasser und Blätter

Max Uth schuf um 1910 die „Dampferhaltestelle. Wannsee“ in den Maßen 75 x 85 cm.

Es muss aber nicht immer hochpreisig sein. Man bleibe beim Impressionismus. Man wechsle nur das Land und schaue nach bei Künstlern, die etwas weniger Aufmerksamkeit bekommen als die Heroen Max Liebermann und Lovis Corinth. Klar, die Deutschen fanden erst spät zum locker aufgetragenen breiten Pinselstrich und zu Alltagsmotiven, deren Reiz im abstrakten Hell-Dunkel-Kontrast liegt. Doch nach der Gründung des Kunstverbands Düsseldorf (1905) und den Sonderbund-Ausstellungen in Düsseldorf (1909 bis 1911) und Köln (1912) ging es los. Da amalgamierten die rheinischen Impressionisten die formalen Kühnheiten ihrer französischen Kollegen. Willy Lucas, Richard Bloos und Max Clarenbach stehen ganz vorn. Natürlich auch die Berliner Max Uth und Paul Paeschke.
„Impressionismus“ hat Hans Paffrath seine stimmungsvolle Sommerausstellung (bis 21. Juli) schlicht genannt. Die meisten Arbeiten stammen aus den Jahren 1900 bis 1914. Eines der zentralen Bilder ist die „Dampferanlegestelle in Wannsee“ von Max Uth. Sie war bereits kurz nach der Eröffnung verkauft. Die Farben des Wassers und der ins Bild hängenden Blätter sind dem Maler viel wichtiger als die titelgebende Haltestelle.

Um 1910 malte Paul Paeschke einen sommerlichen „Berliner Festtag“. Das Leinwandbild misst 50 x 63 cm. Galerie Paffrath

Tanzende Farbflecken

Um 1910 malte Paul Paeschke einen sommerlichen „Berliner Festtag“. Das Leinwandbild misst 50 x 63 cm.

Gleiches gilt für den „Berliner Festtag“ von Paul Paeschke. Da lösen sich die Girlanden und Fahnen, die schattigen Fassaden und die Laubendächer mit dem Grünstreifen zu einem großstädtisch heiteren Geflirre und Geflimmer aus kleinen Flecken Farbe. 12.500 Euro soll das Bild von 1910 kosten.
Die Preise bei Paffrath sind durchaus erschwinglich. Sie reichen von 3.500 für August Deussers „Dünenlandschaft“ bis zu 75.000 Euro für Alexander Koesters „Enten im Wasser unter Laubzweigen“. Wer sich einlässt auf das Kühle verbreitende Bild erkennt, dass die sieben Enten hier nur der Vorwand sind, Wasserreflexe und Bäume dunkel, das Gefieder der Wasservögel umso strahlender erscheinen zu lassen; und mit malerischer Bravour vorzuführen.

Willy Lucas‘ Blick auf Düsseldorfs Prachtstraße, die „Königsallee“ ist mit 38.000 Euro ausgepreist. Und weil Max Clarenbach vor allem wegen seiner mal mehr, mal weniger frostigen Winterbilder gefeiert wird, bricht Hans Paffrath die sommerlichen Wasser- und Alltagsszenen mit eingestreuten Winterbildern von Max Clarenbach und Carl Arp nach dem Motto „Erkenne die Regel und brich sie“. So vermittelt sich die Atmosphäre der Ausstellung gleich doppelt: im fahlen Winterlicht und im überschwänglichen Sommer-Sonnenlicht.
„Impressionismus“ nur bis 21. Juli 2017 in der Galerie Paffrath, Königsallee 46, Düsseldorf

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