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21.05.2015

10:56 Uhr

Impressionisten und Moderne

Schmales Angebot, teuer verkauft

VonBarbara Kutscher

Um die bei Christie’s ausgebotenen Meisterwerke der Moderne entfachen sich heftige Bietgefechte. Für die Sammlung des Bankiers John C. Whitehead interessieren sich vor allem Russen und Asiaten. Sie spielt sehr viel mehr ein als erwartet.

Für Piet Mondrians (1872-1944) "Composition No. III (Composition with Red, Blue, Yellow and Black)" wurde ein Rekordpreis von 50,6 Millionen Dollar bewilligt. Christie's

Minimalismus im Jahr 1929

Für Piet Mondrians (1872-1944) "Composition No. III (Composition with Red, Blue, Yellow and Black)" wurde ein Rekordpreis von 50,6 Millionen Dollar bewilligt.

New YorkGanz kurzfristig hatte Christie’s die Mai-Auktion von Impressionisten und Moderne mitten in die von der zeitgenössischen Kunst dominierte Woche verlegt. Man wolle nicht mit der Eröffnung der Biennale in Venedig kollidieren, so die offizielle Erklärung. Aber diese Entscheidung zeigt auch, wo der Schwerpunkt des Hauses liegt: nämlich bei der Gegenwartskunst.

Laut Yussi Pylkkkänen, Christie’s Global President, kam dieses Arrangement den Sammlern zugute, die in beiden Kategorien einkaufen. Ihnen standen in der dritten Maiwoche Werke aus dem gesamten 20. Jahrhundert zur Auswahl.

Die Versteigerung am Abend des 14. Mai 2015 war mit 43 Losen zwar sehr schmal ausgefallen. Sie endete bei 202,6 Millionen Dollar jedoch weit über den Erwartungen. Nur drei Lose wurden nicht verkauft.

Sechs Interessenten für Mondrian

Raritäten und Meisterwerke wurden heftig beboten, so auch direkt Los Nummer Eins, Wassily Kandinskys wunderbarer „Entwurf zu „Improvisation mit rot-blauem Ring“. Um das frühe, sehr frisch erhaltene Aquarell aus dem Jahr 1913 kämpften sieben Bieter. Den Zuschlag erhielt ein Unbekannter am Telefon gegen die New Yorker Galerie Mitchell-Innes & Nash erst bei 4,53 Millionen Dollar mit Aufgeld. Die Taxe lag bei 1 bis 1,5 Millionen Dollar.

Einen wegweisenden Preis gab es auch für Piet Mondrians quadratische „Composition No. III mit Rot, Blau, Gelb und schwarz“ (1929). Sie zeigt die typische radikale Reduzierung auf gerade schwarze Linien und Primärfarben. Mindestens sechs Bieter, darunter auch kurz einer aus China, traten zum ausgedehnten Wettbewerb an, der erst beim neuen Rekord von 50,56 Millionen Dollar endete (Taxe 15 bis 25 Millionen Dollar). Es bot die New Yorker Kunstberaterin Amy Cappellazzo für ihren Kunden am Handy. Dieser Preis für Mondrian verdoppelte spielend den 2009 bei der Versteigerung der Sammlung von Yves Saint Laurent in Paris gesetzten Rekord.

Gefragte Gipse von Brancusi

Seine internationale Anziehungskraft bestätigte Claude Monet, von dem zwei Bilder angeboten wurden. Die frühen „Les meules à Giverny“  (1885), drei Heuhaufen vor Pappeln in hochsommerlicher Morgensonne, waren erst vor kurzem aus einer Schweizer Sammlung an die Erben des Pariser Händlers René Gimpel restituiert worden. Jetzt wechselten sie zu 16,4 Millionen Dollar die Hände, unterboten von Arno Verkade, Managing Direktor Germany. Geschätzt war das Bild auf 12 bis 18 Millionen.

Mit 9,12 Millionen Dollar gab es auch ein überraschend starkes Ergebnis für Constantin Brancusis auf 8 bis 12 Millionen Dollar geschätzten Gipskopf „La muse endormie I“  (1912). Es ist einer von drei Gipsabgüssen des zwei Jahre zuvor gemeißelten gleichnamigen Marmorkopfes. Er machte seine Debut auf der berühmten „Exhibition of Modern Art (The Armory Show)“, die das New Yorker Publikum im Frühjahr 1913 mit europäischen Zeitgenossen schockiert hatte. Brancusis Gipsarbeiten reichen preislich nicht an seine Skulpturen heran. Es gab nur eine einzige Bieterin, die New Yorker Kunstberaterin Kim Heirston. Sie konnte bei der unteren Taxe für ihren europäischen Kunden zugreifen.

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