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06.05.2011

09:21 Uhr

Impressionisten und Moderne

Vier Zuschläge über 20 Millionen Dollar

VonBarbara Kutscher

Für Werke der Impressionisten und der Avantgarde ist Geld da. Neben den traditionellen Käufern aus Europa und Amerika, engagieren sich auch Russen und Chinesen für die Meisterwerke der Moderne.

Alexej von Jawlensky: Das Gemäde (Ausschnitt) "Frau mit grünem Fächer" kostete 11,3 Millionen Dollar. Quelle: Sotheby´s / VG Bild-Kunst

Alexej von Jawlensky: Das Gemäde (Ausschnitt) "Frau mit grünem Fächer" kostete 11,3 Millionen Dollar.

New YorkDer amerikanische Milliardär Steven Cohen hat ein Händchen für Hedge Fonds und für Kunst. Zentrale Werke von Munch und Manet, Pollock und Damien Hirst gehören ihm. Cohen kauft für hohe Millionenbeträge und verkauft im richtigen Moment. Bei Christie’s hatte er die in wilden Farben gemalte Landschaft „Paysage de Banlieue“ von Maurice de Vlaminck (Schätzung 18 bis 25 Millionen Dollar) in die Auktion mit Impressionisten und Moderne eingeliefert. Am 4. Mai bot der New Yorker Privathändler Guy Bennett im Kundenauftrag lange der Acquavella Gallery Paroli. Bennett gab sich aber bei 22,5 Millionen Dollar geschlagen. Beim letzten Auktionsauftritt im Mai 1994 hatte das Bild noch 6,8 Millionen Dollar gekostet.

Schön, der satte Kursgewinn, pikant, dass Cohen Akteinanteile von Sotheby’s hält und bei Christie’s einliefert. Vlaminck zählt mit Monet und Picasso zu jenen Künstlern, die die 20-Millionen-Dollar-Hürde nahmen. Es hätten noch mehr sein können, wenn das Angebot besser gewesen wäre. Die Akquise stellte Christie’s und Sotheby’s wieder vor ein Dilemma. Kaum jemand trennt sich derzeit freiwillig von wertvoller Kunst. „Was kann man sich heute für den Erlös kaufen?“ lautet der Einwand. Sehr gute marktfrische Ware machte sich rar, gleichzeitig schraubten aber Einlieferer nach jüngsten Markterfolgen ihre finanziellen Erwartungen unrealistisch hoch. So gab es bei Christie’s und bei Sotheby’s ein paar Traumpreise aber auch zahlreiche besonnene Bieter.

Auch der weltweit umworbene Vielmaler Pablo Picasso, den ein Angebot von 15 Werken zum Schutzengel der Woche erklärte, war nicht gefeit. Sotheby’s Toplos, Picassos frühlingshaft gefärbtes Bild seiner jungen Geliebten Marie-Thérèse bei der Lektüre (1934), war mit 25 bis 35 Millionen Dollar zu stramm taxiert, und erhoffte Bietfeuerwerke blieben aus.

Der einzige Interessent, ein chinesischer Händler im Saal, konnte so den Picasso für seinen Kunden zu 21,4 Millionen Dollar an Land ziehen. Dazu ließ er sich auch noch relativ preisgünstig zu 4,3 Millionen Dollar die Sommerlandschaft „L’Hermitage en été, Pontoise“ (1877) von Camille Pissarro, einem wichtigen Mitbegründer des Impressionismus, einpacken. Insgesamt brachten bei Sotheby’s allein acht verkaufte Picasso-Arbeiten 58,6 Millionen Dollar in die Abendkasse, Christie’s nahm für vier Werke des Spaniers 40 Millionen Dollar ein.

Das stetig wachsende Angebot an vergleichsweise leicht erschwinglichen Bildern des Surrealismus wurde dagegen oft gut über den Taxen abgesetzt. Dieses Segment wird vor allem von neuen Sammlern mit Interesse an Figurativem gestützt. Bei Sotheby’s löste Paul Delvaux’ monumentales Bild auf Holzfaserplatte „Les Cariatides“ (1946) eines der wenigen Bietgefechte aus. Patti Wong, Sotheby’s Chairman Asia, und Alina Davey, die in der Londoner Filiale russische Kunden berät, fügten sich schließlich einer Mitarbeiterin der Gagosian Gallery, die im Auftrag eines ebenfalls russischen Kunden neun Millionen Rekorddollar bewilligte. Die Schätzung hatte bei drei bis fünf Millionen Dollar gelegen.

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