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28.01.2015

10:09 Uhr

Indische Gegenwartskunst

Zu politisch für einen Hype

VonChristiane Fricke

Zeitgenössische indische Künstler setzen sich bevorzugt mit gesellschaftlichen Themen auseinander und engagieren sich für die Umwelt. Julia Ritterskamp und Gérard A. Goodrow haben viele von ihnen besucht und ein Buch über sie geschrieben.

Doppelseite 16/17 aus „Passages. Indian Art Today“. Atul Dodiya wirft in seinen Werken auch einen sozialkritischen Blick auf die Rolle der Frau in Indien.

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Doppelseite 16/17 aus „Passages. Indian Art Today“. Atul Dodiya wirft in seinen Werken auch einen sozialkritischen Blick auf die Rolle der Frau in Indien.

BonnZeitgenössische indische Kunst ist für die meisten westlichen Beobachter noch immer eine rätselhafte Angelegenheit. Zwar hat der Hype nach der Jahrtausendwende bis zur globalen Finanzkrise 2008 einzelne Namen wie zum Beispiel Suboth Gupta

(Handelsblatt Printausgabe v. 26.9.2014) ins Bewusstein katapultiert. Aber mehr als eine Hand voll weiterer Namen dürfte den meisten nicht dazu einfallen.

Dabei hat Indien eine spannende Kunstszene, die offenbar selbst für Kenner unübersichtlich ist. Wie sie beschaffen ist und von welchen Persönlichkeiten sie geprägt wird, lässt sich nun in dem sehr ansprechend gestalteten und schön gedruckten Buch „Passages. Indian Art Today“ nachlesen. Geschrieben und herausgegeben wurde es von der Kunstberaterin Julia Ritterskamp und dem Kurator Gérard A. Goodrow, erschienen ist es im Verlag Daab Media Gmbh in Köln.

Keine Doktorarbeit

„Es soll ein Buch für jedermann sein und keine ‚Doktorarbeit’. Und es sollte erreichen, dass der Blick auf das hierzulande noch recht unbekannte breite Spektrum der zeitgenössischen Kunst in Indien gelenkt wird“, beschreibt Ritterskamp die Zielsetzung. Auf den ersten Blick hat der Band Ähnlichkeit mit einem Handbuch, das sich auch zum Nachschlagen eignet. Doch bereits im Vorwort weisen die beiden Autoren darauf hin, dass für die Auswahl der Künstler letztlich entscheidend war, ob es ihnen gelang, „einen persönlichen Zugang zu den einzelnen künstlerischen Positionen zu finden“. Als „Who’s who“ oder gar als Investitionsleitfaden“ sei das Buch sicher nicht zu verstehen.

Cover des im Kölner Daab Media Verlages erschienenen Buches „Passages. Indian Art Today“.

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Cover des im Kölner Daab Media Verlages erschienenen Buches „Passages. Indian Art Today“.

Künstler unter 60 Jahren

Die Künstler, auf die Ritterskamp und Goodrow mit mehr als nur wenigen Sätzen eingehen, sind fast alle unter 60 Jahre alt. Es sind internationale Positionen darunter, aber auch noch unbekannte – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Vergangenen Strömungen, beispielsweise dem Weg in die Abstraktion, sind kleinere Exkurse gewidmet, wenn sie wichtig für den Gesamtkontext waren.

Initiiert wurde die Veröffentlichung von Verleger Ralf Daab und Goodrow, der für den Daab Verlag bereits „Crossing China“ verfasst hatte. Ritterskamp hatte zwischen 2007 und 2009 immer wieder in Indien bereist, um die dortige zeitgenössische Kunstszene zu erkunden. 2009 kuratierte sie etwa die Ausstellung „Manish Nai“ für Karsten Greve in Köln und arbeitete in Indien für die Galerie Mirchandani & Steinrücke (Mumbai). Darüber lernte sie viele andere Galeristen und Künstler kennen. So kam Ritterskamp als zweite Herausgeberin und Autorin ins Boot. Gérard Goodrow wiederum kannte sich gut aus mit den sogenannten ‚Expatriots’, den hauptsächlich in der britischen und amerikanischen Diaspora lebenden indischen Künstlern und Galeristen.

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