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24.01.2013

16:44 Uhr

Ingvild Goetz

Substanz schonende Wohltätigkeit

VonMatthias Thibaut

Die Münchner Sammlerin Ingvild Goetz lässt 128 Werke bei Christie’s in London versteigern. Profitieren sollen Einrichtungen für Asylanten und Magersüchtige.

Die Münchner Sammlerin und Ex-Galeristin Ingvild Goetz. Christie's Images Ltd. 2013

Die Münchner Sammlerin und Ex-Galeristin Ingvild Goetz.

LondonWenn man über 5.000 Werke und ein eigenes Sammlungshaus hat, wie die Münchner Sammlerin und Ex-Galeristin Ingvild Goetz, kann man ohne Schaden etwas verfeinern und verschlanken. Kaum wurde bekannt, dass die Sammlerin 128 Werke bei Christie’s versteigern lässt, musste sie eine missverständlich formulierte Agenturmeldung korrigieren: Von einem Sammlungsausverkauf kann nicht die Rede sein. „Der Kernbestand der Sammlung ist keinesfalls betroffen und wir werden in gewohnter Weise weiterhin Projekte im eigenen Hause auf Kooperationsbasis weiterführen“, erklärte dazu die Sammlerin, die in den Top 200 der globalen Sammler geführt wird.

Asylanten und Magersüchtige profitieren

Goetz wird auch nicht Charles Saatchi nacheifern und wie das Londoner Vorbild vieler Sammler-Spekulanten ganze Künstlerblöcke auf den Markt werfen, um mit dem Erlös neue Spekulationen zu finanzieren. Alle 64 Künstler, von denen Werke verkauft werden, seien weiter in der Sammlung vertreten, versichert sie. Die Künstlerauswahl ist so breit, „weil ich von vielen unterschiedlichen Künstlern etwas geben wollte“.

Der Erlös kommt nicht der Kunstleidenschaft der Sammlerin, sondern ihrem Sozialengagement zu Gute und wird Einrichtungen für Asylsuchenden und Magersüchtigen zugute kommen, „die über keine Lobby verfügen“. Erwartet werden zwischen 3 bis 4.2 Millionen Pfund. Andeutungen in einem im Katalog abgedruckten Interview deuten darauf hin, dass sich die Sammlerin in ihrer jetzigen Lebensphase für das Sozialengagement mindestens so sehr interessiert wie für die Kunst.

Yayoi Kusama: "Pumpkin", Acryl, Graphit und Collage auf Leinwand. (Ausschnitt) Christie's Images Ltd. 2013

Yayoi Kusama: "Pumpkin", Acryl, Graphit und Collage auf Leinwand. (Ausschnitt)

Kein Loch in die Sammlung gerissen

Die Sammlung Goetz kann sich eine solche Auktion leisten, weil sie immer breit gesammelt hat: Auch die drei wertvollsten Einlieferungen, die am 13. Februar in der Abendauktion in der King Street versteigert werden, reißen nicht wirklich Löcher in die Sammlung.

Topstück ist Christopher Wools „Mad Cow“ von 1997, eine seiner malerischen, expressionistischen Arbeiten . Sie ist mit 700.000 bis 900,000 Pfund bewertet. Von Richard Prince, dessen Werk in der Sammlung Goetz breit dokumentiert ist, wird die frühe Auto-Skulptur „Untitled (SB Hood#1) angeboten. Für die graue Motorhaube eines Straßenkreuzers, die als Fetisch und Kultobjekt der amerikanischen Identität auf einen Sockel montiert ist, werden 200.000 bis 300.000 Pfund erwartet. Das Großformat von Urs Fischer, „Mr.Toobad“ von 2003 sieht auf den ersten Blick wie ein japanischer Holzschnitt mit Kirschblütenmotiv aus. Das 210 x 268 cm große Holzbild mit einer Materialcollage ist aber ein Schreckensbild, das den Roman „Nightmare Abbey“ illustriert. Der Schätzpreis beträgt 250.000 bis 350.000 Pfund.

Neon-Werk von Tracy Emin

Die Abendauktion wartet außerdem mit fünf Werken von Sherrie Levine, Matthias Weischer, Yayoi Kusame, Wade Guyton und einer großen, zweiteiligen Papierarbeit mit untergehenden Schiffen von Toba Khedori auf. Sie soll 40.000 bis 60.000 Pfund bringen. In der Tagauktion folgen am 14. Februar 63 Werke, darunter „Les Repos de Canards“ von Peter Fischli und David Weiss, 2009 bei Sotheby’s für 88.250 Pfund ersteigert und nun auf 100.000 bis 150.000 Pfunds geschätzt. Der letzte Block, 57 Arbeiten, wird am 17 April in South Kensington aufgerufen, darunter Tracey Emins Neonwerk „Just Love Me“. Es half in einer Wanderausstellung einst mit, die „postfeministischen Positionen“ in der Sammlung Goetz zu illustrieren.

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