Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.07.2011

11:44 Uhr

Interview

"Funktionalität ist das Mindeste"

Quelle:WirtschaftsWoche

Designer haben die heiligsten Orte einer Wohnung - Küche und Badezimmer - erreicht. Paul Flowers, Designer des Armaturenherstellers Grohe über Formen bei Wasserhähnen und deutsches Design.

Flowers findet nach unten oder gerade verlaufende Ausläufe unpraktisch. Im Bild ist ein Wasserhahn von Grohe. Quelle: Pressefoto Grohe

Flowers findet nach unten oder gerade verlaufende Ausläufe unpraktisch. Im Bild ist ein Wasserhahn von Grohe.

Herr Flowers, wozu braucht der Mensch das Design von Wasserhähnen und Duschköpfen. Reicht es nicht, wenn die Hähne dicht sind und beim Öffnen das Wasser fließt?

Das hätte vielleicht noch in den Vierzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts gereicht. Da ging es oft nur darum, in der Küche satt und im Bad sauber zu werden. Doch die Bedürfnisse der Verbraucher haben sich verändert. Die Küche, früher eine Art Werkraum, ist zu einem Ort geworden, an dem sich die Menschen treffen und gemeinsam Kochen und Essen genießen. Funktionalität ist das Mindeste, was die Nutzer erwarten, weil sie die Zubereitung der Speisen nicht mehr als lästige Arbeit erleben wollen. Hinzu kommt: Die Menschen wollen das Kochen heute häufig in der Gemeinschaft zelebrieren. Das kann man in einer gut gestalteten Küche einfach besser.

Im Bad gelten andere Regeln?

Dort ist es genau anders herum. Das Bad ist der privateste Bereich für moderne Menschen. Hier wollen sie sich nicht nur reinigen, sondern erholen, Kraft tanken für den aufreibenden Alltag. Und die neue Technik gibt uns Designern völlig neue Möglichkeiten, diese Erwartung zu bedienen.

Welche Techniken?

Es gibt jetzt digitale Bedienelemente, die kinderleicht zu handhaben sind. Mit einem leichten Knopfdruck starten und stoppen Sie den Wasserstrahl, das Einstellen der gewünschten Temperatur ist kein Drahtseilakt zwischen zu heiß und zu kalt. Und die Steuerung lässt sich überall – also unabhängig von der Armatur – anbringen. Für uns Designer ist dabei allerdings wichtig, dass wir uns von der Vielfalt der neuen Techniken nicht verführen lassen, dass wir sie simpel halten und keine überflüssigen Spielereien einbauen. Niemand will sich im Bad über unverständliche Technik ärgern.

Gibt es so etwas wie einen Grohe-Stil?

Sie werden bei den neu entwickelten Produkten immer wieder den Winkel von sieben Grad finden. Vor allem bei den Armaturen. Das ist praktischer als ein steil nach unten oder gerade nach vorn verlaufender Auslauf, weil sie mehr Platz unter dem Wasserstrahl haben. Und es ist einladender, weil die Konstruktion zum Benutzer hin offen ist.

Reicht das denn zur Wiedererkennung der Marke?

Dazu kommen der Ring und das Rundoval. Vor allem Letzteres sehen Sie bei den neuen Produkten immer wieder – sei es beim Querschnitt der Ausläufe, bei den Griffen oder bei Handtuchhaltern. Dieses Element erfüllt bei uns die Funktion wie die Nieren auf der Front eines BMW.

Sie sind Engländer und Designer für ein deutsches Unternehmen. Was bedeutet Ihnen deutsches Design?

Viel. Man denkt natürlich gleich an das Bauhaus und die Ulmer Schule. Mir kommt der deutsche Stil sehr entgegen. Ich liebe den Minimalismus. Ich musste während meines Studiums an der Hochschule von Newcastle jede Designentscheidung begründen. Dabei lernte ich, Überflüssiges wegzulassen.

Ist das Design von Grohe deutsch?

Zum einen ist unser Team international und arbeitet für eine globale Marke. Die andere Frage ist: Kann man deutsches, britisches oder japanisches Design noch genau voneinander abgrenzen? Wir leben in einer kosmopolitischen Welt und im Zeitalter des Internets verbreiten sich Trends schneller über den Erdball als je zuvor. Ich selbst habe in England studiert und, bevor ich hierhin kam, jeweils mehrere Jahre in Italien und Holland gearbeitet – immer in internationalen Teams. Dabei habe ich erlebt, wie fruchtbar sich beispielsweise italienische Leidenschaft für das Schöne und deutsche Sachlichkeit ergänzen können. Diese kosmopolitische Arbeitsweise verfolgen wir im Grohe-Team.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

PaterEberhard

12.07.2011, 14:06 Uhr

Was für ein geschraubtes Geschwafel. Grohe hatte vor 20 Jahren schöneres und funktionelleres Design.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×