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18.03.2014

13:49 Uhr

Interview

Hoffnung auf Revival von Kurzfilmen

Die Kurzfilmtage ziehen Besucher zum 60. Mal an. Doch welchen Stellenwert haben Kurzfilme in Zeiten von YouTube? Die Kölner Professorin für Filmgeschichte Lisa Gotto sieht in der Digitalisierung eine Chance.

Die Professorin für Filmwissenschaft an der Internationalen Filmschule in Köln, Lisa Gotto, meint: Kurzfilme verfügen über eine enorme Variationsvielfalt. dpa

Die Professorin für Filmwissenschaft an der Internationalen Filmschule in Köln, Lisa Gotto, meint: Kurzfilme verfügen über eine enorme Variationsvielfalt.

Köln/ OberhausenZum 60. Mal locken die Kurzfilmtage in diesem Jahr das Publikum nach Oberhausen. Doch wie zeitgemäß ist das Festival? In einem Interview der Nachrichtenagentur dpa spricht die Kölner Filmexpertin Lisa Gotto über aktuelle Trends und die Zukunft von Kurzfilmen.

Frau Gotto, Anfang Mai finden zum 60. Mal die Oberhausener Kurzfilmtage statt. Warum sind solche Festivals in Zeiten von YouTube, Facebook und Co. überhaupt noch wichtig?
Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen ist die große Leinwand ein Präsentationsraum, den nur das Kino anbieten kann, das Netz nicht. Der zweite Grund ist das kollektive Erleben. Das Publikum rezipiert den Film gemeinsam im Moment seiner Projektion, nicht zeitlich flexibel und verteilt wie auf Web-Plattformen.

Sind denn Clips bei YouTube eine Konkurrenz zum Kurzfilm?
Kurzfilme verfügen über eine enorme Variationsvielfalt. Im Zeitalter der Digitalisierung kann jeder zum Filmemacher werden, da der technische Aufwand gering ist und die Produktionsmittel für alle verfügbar sind. YouTube ist damit zu einer grandiosen Experimentierfläche für diverse filmische Ausdrucksformen geworden. Aber es gibt auch weiterhin Kurzfilme, die für die große Leinwand gemacht sind, und das kann man ihnen auch ansehen. Sie agieren mit anderen Technologien. Als Beispiel könnte man 3D-Kurzfilme nennen.

Wo sehen Sie denn die Zukunft des Kurzfilms?
Kurzfilme haben - anders als der Langfilm - schon früh den Weg in den Ausstellungsraum des Museums gefunden. Videokunst, experimentelle Kurzfilme oder auch Musikvideoclips sind Beispiele dafür, etwa in der Dauerausstellung des Museum of Modern Art in New York oder jüngst in der Ausstellung „The Art of Pop Video“ im Museum für Angewandte Kunst Köln. Auch webbasierte Präsentationsformen und die mobile Verbreitung über Handybildschirme sind neue Chancen für den Kurzfilm.

Kehrt der Kurzfilm ins Kino zurück?
Es gab eine Zeit, da war der Kurzfilm ein Vorfilm des langen Films. Die Vorfilmfunktion können wir heute noch bei Pixar sehen, wo regelmäßig Kurzfilme produziert und im Kino vorgeführt werden. Es gibt also durchaus Anlass zu der Hoffnung, dass der kurze Film wieder verstärkt ins Kino zurückkommt und dort ein Revival erlebt. Wir sind inzwischen viel vertrauter mit der kurzen Form - auch dank Plattformen wie YouTube. Warum sollte das also nicht wieder zurück ins Kino geraten?

Welchen Stellenwert haben denn die Internationalen Oberhausener Kurzfilmtage?
Sie gehören zu den ältesten Kurzfilmfestivals der Welt. Oberhausen verfügt über ein enormes Kurzfilm-Archiv und einen nicht-kommerziellen Kurzfilm-Verleih. Die Kurzfilmtage stehen in der Tradition eines kultur- und bildungspolitischen Auftrags. Von dort gingen wichtige Impulse für den Film als förderungswürdiges Kulturgut und als künstlerisch innovative Ausdrucksform aus. Bis heute ist das sichtbar.

Lisa Gotto (38) ist Professorin für Filmgeschichte und Filmanalyse an der Internationalen Filmschule Köln. Dort unterrichtet sie seit 2010. Gotto studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Germanistik und Anglistik in Bochum, Warwick (Großbritannien) und Köln.

Von

dpa

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