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07.03.2013

20:00 Uhr

Interview

„Ich wollte den Kontrast zur Hysterie der Bundesliga“

VonAlexander Möthe

Was ist Macht? Wer hat sie? Wie fühlt sie sich an? Die Ex-HSV-Vorstand Katja Kraus spricht über ihr erstes Buch, die Tragik der Macht und darüber, warum einflussreiche Menschen ihren Einfluss selten genießen können.

Die Autorin Katja Kraus. PR

Die Autorin Katja Kraus.

Handelsblatt Online: Frau Kraus, wie fühlt sich diese Rückkehr in den öffentlichen Fokus an?

Katja Kraus: Sehr aufregend. Vieles ist mir auf eine Weise vertraut und doch ist es komplett anders als das, was ich kenne. Ich trete nicht in einer Funktion auf, das Buch ist sehr persönlich.

Sie haben sich knapp zwei Jahre relativ rar gemacht…

Ich habe diese zwei Jahre unter dem Radar sehr genossen. Auch wenn es davor natürlich ohnehin eine relativ überschaubare Öffentlichkeit war, die zu meiner Funktion gehörte, nicht zu mir. Ich wollte mich ganz und gar auf mein Buchprojekt, die Menschen und auf das Schreiben einlassen.
Waren die Gespräche und das Schreiben auch Verarbeitung?

Die einzelnen Gespräche empfand ich in erster Linie als unglaublich spannend. Ich habe viel Vertrautes gehört, wurde aber auch an Punkten berührt, die mir selbst gar nicht so bewusst waren. Das Schreiben war eine Reise, auch eine Innenreise. Das Buch jetzt herzugeben und jeder Interpretation zu überlassen, ist ein bisschen schwer.

Vita Katja Kraus

Fußball

1970 geboren, absolvierte sie als Torhüterin des FSV Frankfurt 220 Bundesligaspiele. Sie gewann drei deutsche Meisterschaften, holte viermal den DFB-Pokal, nahm mit der Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen 1996 teil und wurde mit dem Team Europameister.

Pressearbeit

Nach dem Ende ihrer aktiven Karriere arbeitete sie für Adidas im PR-Bereich und als Pressesprecherin für Eintracht Frankfurt.

Hamburger SV

2003 wurde sie als erste Frau in Deutschland in den Vorstand eines Bundesligisten berufen. Beim Hamburger SV leitete sie den Bereich Kommunikation und Marketing. 2010 wurde sie schließlich zweite Vorstandsvorsitzende.

Arbeitsverhältnis aufgelöst

Im März 2011 wurde das Arbeitsverhältnis mit dem HSV in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst.

Wie kamen Sie auf die Idee für das Buch?

Das war eher eine Entwicklung als eine spontane Eingebung. Ich habe dieses Buch schon länger im Kopf gehabt. Einer der faszinierenden Aspekte meiner beruflichen Laufbahn war es, viele unterschiedliche Menschen zu sehen und auch kennenzulernen. Mich hat interessiert, was sie antreibt, wie sie sich selbst wahrnehmen in Erfolg und Misserfolg, wie sich das Umfeld verändert, wo Zweifel und Unsicherheiten bleiben, wohin man geht nach dem Abschied von einer Lebensaufgabe. Diese und viele Fragen mehr haben mich lange schon beschäftigt.

Wie haben Sie den richtigen Zeitpunkt für diese Rückkehr gewählt?

Das Buch ist für mich keine Rückkehr, sondern ein Schritt in eine andere Richtung. Es war eine bewusste Entscheidung für einen ganz anderen Fokus. Für den absoluten Kontrast zur Hochgeschwindigkeit und Hysterie des Bundesligageschäfts. Schreiben ist still. Ich habe unmittelbar nach meinem Ausscheiden beim HSV mit der Recherche begonnen, ohne klare Vorstellung, was an deren Ende steht. Ich hatte eine Idee, bin es angegangen und dann ist alles den üblichen Zyklen gefolgt.

Gab es Impulse von außen?

Es gab Menschen in meinem Umfeld, die viel früher eine Autorin in mir gesehen haben als ich selbst. Den entscheidenden Schubs bekam ich von einer Lektorin, die mich nach einem Radiointerview ansprach und mit erheblicher Hartnäckigkeit vom Schreiben überzeugte. Dann hatte ich mit S.Fischer einen Verlag, bei dem es Leute gibt, die sehr an dieses Buch geglaubt haben.

Zitate aus „Macht“

„Keine nasse Füße zu bekommen und auf Dauer lieber Auto fahren als U-Bahn.“

Ron Sommer über die ersten Zielsetzungen seiner Karriere.

„Mein Anspruch war immer viel höher als mein Leistungsvermögen.“

Primaballerina Heather Jurgensen über den Leistungsdruck.

„Der Job ist großartig, wenn alles gut läuft.“

Thomas Hitzlsperger über den Alltag als Fußballprofi.

„Macht macht einsam und schafft Distanz.“

Ron Sommer über die Zeit an der Spitze.

„Der Erfolg musste jeden Tag errungen werden, genossen habe ich ihn eigentlich nie.“

Peter Kabel über den steilen Aufstieg seines Unternehmens während der „New Economy“.

„Ich wäre überzeugt, Hessen wäre heute ein besseres Land.“

Andrea Ypsilanti über den Wahlausgang 2008.

„Falls Deutschland Mal eine Monarchie einführt, dann würde ich es gerne machen. Als Monarch.“

Roland Koch über ein mögliches Comeback als Elder Statesman.

„Chef von Porsche zu sein, das wäre noch mal was.“

Hartmut Mehdorn über den Status seiner beruflichen Umtriebigkeit.

Haben Ihnen den die eigenen Erfahrungen im Umgang mit den Gesprächspartnern geholfen?

Vor fünf Jahren hätte ich dieses Buch nicht schreiben können. Meine eigene Erfahrung hat mir sehr geholfen, die Gespräche zu führen und bei dem ein oder anderen hat das Gefühl der geteilten Geschichte sicher die Bereitschaft erhöht mit mir zu sprechen.

Wie definieren Sie denn diese Sache, Macht?

Keiner meiner Gesprächspartner sagte ganz frei heraus, er habe sich mächtig gefühlt. Macht fühlt sich nicht im Inneren an, sie wird vor allem von außen zugeschrieben. Zudem ist der Machtbegriff so negativ besetzt, wird oft mit Machtmissbrauch assoziiert, dass jeder versucht, diese Etikette zu vermeiden. Dabei braucht es die Aspekte der Macht, Verantwortungsbereitschaft, Entscheidungsstärke, auch Durchsetzungsvermögen, um Ziele zu erreichen. Ansonsten bleibt auch das beste Vorhaben Träumerei.

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