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03.12.2011

08:18 Uhr

Interview Ingrid Dudek

„Kunst reagiert auf Umwälzung“

VonMatthias Thibaut , Matthias Thibaut

Man könne chinesische Kunst der achtziger und neunziger Jahre mit Andy Warhol vergleichen, sagt Ingrid Dudek, Expertin für zeitgenössische Kunst aus China. Auch Warhol wurde erst schlecht verstanden und dann zur Ikone.

Ingrid Dudek ist Christie's Expertin für zeitgenössische Kunst aus China. Pressebild

Ingrid Dudek ist Christie's Expertin für zeitgenössische Kunst aus China.

Handelsblatt: Vor Jahren galt der China-Markt als riesige Spekulationsblase. Wird sie nun platzen?

Ingrid Dudek: Nein, die Wahrnehmung ist falsch, viele Leute glauben, der Aufschwung der chinesischen Kunst sei quasi über Nacht gekommen. In Wahrheit haben diese Künstler eine lange Ausstellungsgeschichte, auch international. Man hat auch nicht richtig verstanden, wie wichtig diese Kunst für eine neue Generation von Sammlern heute ist. Denn Kunst reagiert auf riesige Umwälzungen in Wirtschaft, Kultur, Politik und Macht. Man kann die chinesische Kunst der achtziger und neunziger Jahre mit Andy Warhol vergleichen, der erst schlecht verstanden und dann zur Ikone des amerikanischen 20. Jahrhunderts wurde.

Ikone? Bei Kunst, die wie am Fließband produziert wird?

Überhaupt nicht. Jedenfalls nicht im negativen Sinne. Wir hatten ein sehr wichtiges Werk von Cia Guo Qiang von 1983. Aus diesem Jahr gibt es nur sechs Gemälde. Ein Warhol sieht aus wie ein Warhol. Genau so haben auch die chinesischen Künstler Identitäten für sich geschaffen.

Warum hat chinesische Kunst für uns im Westen einen besonderen Kitzel?

Sie wirkt vertraut und gleichzeitig anders. Die Maler wuchsen alle unter Mao auf, wurden als Künstler des sozialistischen Realismus rigoros in der Malerei ausgebildet. Dann kam unter Deng Xiaoping eine Flut von Informationen über westliche Avantgarde, Philosophie, Kunst, das hat einen intellektuellen Schmelztiegel geschaffen, der die Kunst antrieb.

Wer sammelt heute diese Kunst?

Diplomaten, Journalisten, Unternehmer, die in den achtziger Jahren früh Zugang hatten, verstanden schnell, wie besonders diese Kunst war. Aber es ist heute auch ein breit und tief aufgestellter asiatischer Sammlermarkt.

Welche Künstler haben Zukunft?

Zeng Fanzhi, etwa mit seiner Maskenserie. Cai Guo-Qiang ist einer der innovativsten konzeptuellen Künstler überhaupt. Liu Wei ist sehr kritisch. Er beschreibt, wie sich Korruption und Dekadenz im Körper der Menschen abbilden.

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