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12.10.2011

12:06 Uhr

Islamische Kunst

An zu hohen Schätzpreisen gescheitert

VonMatthias Thibaut

Enttäuschung herrscht in London nach den schwachen Auktionen für islamische Kunst. Ein zu großes und teures Angebot schreckt die Sammler.

Abbasidische Schale mit geometrischem Lüsterdekor aus dem 9. Jahrhundert. Christie's Images Ltd. 2011

Abbasidische Schale mit geometrischem Lüsterdekor aus dem 9. Jahrhundert.

London.Drückt die Angst nun doch auf den Kunstmarkt? Nach den nicht mehr ganz so rauschenden Ergebnissen der Auktionen in Hongkong waren die Auktionen für islamische Kunst in London enttäuschend. Dabei schlug nicht nur der veritable Flop von Sotheby’s Abendauktion mit hochbedeutender Keramik der Sammlung Harvey B. Plotnick zu Buche. Hier wurden von 44 Losen nur 13 verkauft. Nicht weniger durchwachsen war das Angebot in den Tagauktionen, wo Sotheby’s nur 44 Prozent, Christie’s 55 Prozent und Bonhams 51 Prozent der Lose verkauften.

So niedrige Absatzquoten sind im Islammarkt nicht ungewöhnlich, wo die Sammler als besonders unberechenbar gelten. Mal bieten sie mit Höchsteinsatz auf Lose, für die sie dann später, wenn etwas noch Besseres kommt, nicht das geringste Interesse mehr zeigen, erzählt Christie’s-Experte William Robinson. So geschah es bei den hoch taxierten Metallarbeiten. Robinson hatte, ermutigt von jüngsten Erfolgen, eine extrem rare Umayyadenbronze eines Rehs aus dem 8. Jahrhunderts auf 2 bis 3 Millionen Pfund taxiert.

Teure Metallarbeiten floppen

Nun floppten alle teuren Metallarbeiten. 1997 hatte ein vergleichbares Reh den Rekordpreis für islamische Kunst von 3,6 Millionen Pfund gebracht; ganz so exorbitant war die Schätzung für das extrem seltene und stark stilisierte Stück also nicht. Aber damals waren eben arabische Großsammler wie Scheich Nasser al-Sabah oder der katarische Museumseinkäufer Scheich Saud Al-Thani aktiv und trieben die Preise hoch.

Nie war die Diskrepanz zwischen hoch gespannten Erwartungen und der Wirklichkeit so groß. Die Sammlung Harvey Plotnick scheiterte an zu hohen Schätzungen für hochbedeutende, aber oft schlicht wirkende archaische Keramik. Die erfolgreichen Stücke waren dicht mit Ornamentik und Inschriften dekorierte Stücke wie eine Lusterflasche des 13. Jahrhunderts aus dem persischen Kaschan (181.250 Pfund, entsprechend Taxe) oder eine abbasidische Schale mit geometrischem Lüsterdekor des 9. Jahrhunderts (301.250 Pfund).

Karge, oft extrem formschöne und minimalistisch dekorierte früheste Keramik blieb bei Schätzungen oft weit über 200.000 Pfund ohne Interessenten. Zu teuer war auch der aus einer französischen Sammlung eingelieferte, mamlukische Glasleuchter, der bis 1939 dem berühmten Sammler George Eumorfopoulos gehörte (500.000 bis 700.000 Pfund).

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