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21.12.2012

08:59 Uhr

Italien Kunstauktionen

Radikaler Rückbau

VonEva Clausen

Christie’s und Sotheby’s haben in Italien fast alle Sparten eingestellt – mit Ausnahme der zeitgenössischen Kunst. Wer sich für Alte Meister, Kunstgewerbe und Möbel interessiert, kauft bei den einheimischen Auktionshäusern. Sie füllen die Lücke, die die internationalen Versteigerer hinterlassen haben.

Simone Cantarini (1612-1648):"Ruhe auf der Flucht nach Ägypten" wurde auf der letzten Auktion Christie's für Alte Kunst versteigert. CHRISTIE'S IMAGES LTD. 2012

Simone Cantarini (1612-1648):"Ruhe auf der Flucht nach Ägypten" wurde auf der letzten Auktion Christie's für Alte Kunst versteigert.

RomSparen, das gilt in Italien auch für die Auktionshäuser, vor allem dort, wo die Gewinnchancen schlecht stehen. Die internationalen Player, Christie´s und Sotheby´s, kündigten Ende 2011 bereits an, dass sie ihren Auktions-Einsatz in Italien reduzieren wollten. Da der Bereich der Gegenwartskunst in finanzieller Hinsicht der sicherste zu sein scheint, haben die Häuser im Laufe dieses Jahres nach und nach alle anderen Sparten abgestoßen.

Christie´s gab der Alten Kunst im Frühjahr noch eine letzte Chance. Doch da der Höchstzuschlag der Auktion bescheidene 233.900 Euro betrug, folgte es dem Beispiel Sotheby´s und schloss das Segment. Die Summe wurde in Mailand am 30. Mai 2012 auf Simone Cantarinis „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ geboten.

Gezielte Verschlankung

Doch auch bei der modernen und zeitgenössischen Kunst speckte Christie´s ab und beschränkte sich auf eine einzige Versteigerung zu Beginn der Saison. Die brachte allerdings den erhofften Erfolg. Die junge Kunst spielte am 29./30. Mai in Mailand 9, 7 Millionen Euro (inklusive Aufgeld) ein, womit Christie´s in dem Bereich sein bestes Ergebnis seit dem Krisenjahr 2008 erzielte. Knapp 1,5 Millionen Euro wurden allein für Alberto Burris reliefartige Collage „Plastica“ mit Leinenfetzen, Kunststoff und eingeschmolzener Plastik geboten, was dem italienischen Auktionsrekordpreis des 1995 verstorbenen Künstlers entspricht.

Auch Sotheby´s bekundet Zufriedenheit über seinen Wechsel zur Strategie des „Weniger-ist-mehr“. Im Frühjahr lieferte die moderne und zeitgenössische Kunst mit 9,9 Millionen Euro eine gute Performance; im Herbst spielte sie immerhin noch 5,3 Millionen Euro ein. Die sich aus den beiden Auktionen ergebende Jahresbilanz von 15,2 Millionen Euro beschert Sotheby´s zwar Platz Eins auf der Liste der in Italien tätigen Versteigerer, doch bedeutet sie einen Verlust von 2 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Spitzenreiter wurde bei Sotheby´s Lucio Fontana. Sein Bild des Typus „Concetto spaciale“ (Raumkonzept) in Messing mit Graffiti erzielte am 25. Mai in Mailand 1.2 Millionen Euro. Im Herbst hingegen machte das Rennen Giorgio Morandi. 420.750 Euro wurden am 28. November für ein 30 x 20 Zentimeter kleines Blumenstillleben geboten.

Die Rolle der inländischen Versteigerer

Beim Inländer Farsettiarte dagegen erreichte ein Gemälde von Morandi 736.150 Euro (Prato, 26. Mai). Es handelte sich um ein Gefäß-Stillleben in elegisch-sanften Grautönen. Die Bilanz des Hauses beläuft sich auf circa 11 Millionen Euro. Sie wird zwar zu 90 Prozent von der Gegenwartskunst bestritten. Dennoch hält das Haus an den Sparten Möbel, Kunst des 19. Jahrhunderts und Alten Meister fest, selbst wenn es sich hier mit niedrigeren Zuschlägen begnügen muss. So galt am 27. Oktober der Höchstpreis von 116.100 Euro einem Gold grundierten Gemälde des Meisters der Kapelle Manassei, das die Heiligen Johannes d. Täufer, Petrus und Lorenz sowie Jacob darstellt.

Auf ungefähr gleicher Höhe mit Farsettiarte liegt das Florentiner Auktionshaus Pandolfini, das eine Bilanz von 11,4 Millionen Euro aufweist. Zu dem Gesamtergebnis von beachtlichen 4,4 Millionen Euro trugen hier allerdings Alte Meister, Kunstgewerbe und Möbel bei. Der Anteil der Gegenwartskunst und des Design beläuft sich auf nur etwas über 10 Prozent. Auch bei Pandolfi wurde ein Gold grundiertes Tempera-Gemälde Spitzenreiter: ein Tabernakel, mit der Darstellung der Madonna mit Kind und Heiligen des  Pseudo Ambrogio di Baldese (1. Hälfte des 15. Jahrhunderts).

Pandolfini noch Farsetti können ganz sicher nicht mit den internationalen Versteigerern mithalten. Sie sind auch nicht in der Lage, Millionen schwere Gemälde aufrufen wie etwa Pompeo Batonis „Susanna und die Alten“, das Sotheby´s Ende Januar mit einem Schätzwert von 6 bis 9 Millionen Dollar an den Start schickt. Doch geben sie Sammlern der alten Kunst auch in Italien die Möglichkeit, weiter ihrer Leidenschaft zu frönen.

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