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19.03.2012

08:06 Uhr

Jean Dubuffet

Neue Anstöße für die Vermarktung

VonMatthias Thibaut

Auf Auktionen und in Museumsausstellungen weltweit taucht Jean Dubuffet in den letzten Jahren wieder häufiger auf. Nun bricht die Londoner Galerie Waddington Custot eine Lanze für das noch unterbewertete Spätwerk des französischen Künstlers. Bekannt gemacht haben ihn seine wild gekritzelten Figuren.

Jean Dubuffet: Paysage avec 5 personnages (T 84), 14 août 1975. Aus der Serie "Lieux abrégés". (Ausschnitt) A.D.A.G.P/VG Bildkunst Bonn 2012

Jean Dubuffet: Paysage avec 5 personnages (T 84), 14 août 1975. Aus der Serie "Lieux abrégés". (Ausschnitt)

LondonJean Dubuffet (1901 bis 1985) war einer der produktivsten und einflussreichsten Künstler der Nachkriegszeit und, beharrt Stéphane Custot von der Londoner Galerie Waddington Custot, „der bedeutendste französische Künstler nach dem zweiten Weltkrieg“. Wenn er recht hat – und die starke Repräsentation Dubuffets in Museen und Sammlungen in aller Welt spricht dafür - kann Dubuffet mit Fug und Recht zu den derzeit unterbewerteten Künstlern gezählt werden.

Custot und der Londoner Galerie-Veteran Leslie Waddington glauben aber, dass der Dubuffet-Markt in Bewegung ist. Tatsächlich taucht Dubuffet seit dem Preiseinbruch 2007 wieder häufiger in den Auktionssälen auf. Der geltende Rekordpreis von 6,13 Millionen Dollar wurde 2009 in New York für das Leinwandgemälde „Trinité-Champs-Elysées“ von 1961 bezahlt, das zur „Paris Circus“ Serie gehört.

Der betagte Waddington war in den achtziger und neunziger Jahren eine wichtige Stütze des Marktes. „Leslie zeigt seit 50 Jahren Dubuffet und hat den Künstler noch selbst gekannt“, so bewundernd Custot, der junge Franzose, der im letzten Jahr seine Pariser Galerie Hopkins Custot aufgab, nach London umzog und durch Übernahme eines frei werdenden Anteils Mitgesellschafter der Waddington Galerie wurde.

Aversion gegen den Kulturbetrieb

Dubuffet war der Erfinder der „art brut“, wie er alle „Anti- oder Außenseiter Kunst“ von Naiven über urbane Graffitikünstler bis zu der von ihm geschätzten und gesammelten Kunst der Geisteskranken nannte und gegen die „arts culturels“ absetzte. Dubuffet war unermüdlich an Kunst, Literatur bis Jazz interessiert, aber seine Aversion gegen den Kulturbetrieb war so groß, dass er erst 1944 dem vom Vater geerbten Weinhandel den Rücken kehrte und sich ganz der Kunst verschrieb.

Dubuffet schuf eine post-figurative Kunst, in deren spontaner und magischer Energie die Figur in wilden Kritzelkürzeln dann doch wieder erscheint. Werke aus den vierziger Jahren und dann aus den frühen sechziger Jahren gehören heute zu den meist gesuchten Arbeiten, darunter die Serien "Hourloupe" und "Paris Circus".

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