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15.01.2010

10:24 Uhr

Jeffrey Deitch

Ein bunter Vogel wird zum Museumsdirektor

VonSusanne Schreiber

Mit Jeffrey Deitch wird erstmals in den USA ein Galerist zum Museumsdirektor ernannt. Das hat das Museum of Contemporary Art in Los Angeles Anfang der Woche bestätigt. Der Wechsel des abenteuerlichen Privatunternehmers ohne akademisch-kunsthistorische Ausbildung in die heiligen Museumshallen kommt einem Tabubruch gleich.

DÜSSELDORF. Deitch ist einer der buntesten Vögel in der Kunstszene von Down- town Manhattan. Obwohl der 57-Jährige mit der lustigen runden Hornbrille immer strenge Anzüge trägt, liebt er die Provokation. Vor der finanziell wenig lukrativen Street Art oder drastischen Sexbildern von Terry Richardson schreckt der trendbewusste Galerist genauso wenig zurück wie vor Casting-Shows.

Dass er kommende Künstler erkennen und aufbauen kann, beweisen seine Bindung an Keith Haring und Jean Michel Basquiat, zwei (bereits verstorbene) Künstler, die sich von der Straße inspirieren ließen, sowie Vanessa Beecroft, die mit Foto- und Videoaufnahmen von nackten oder spärlich bekleideten Freiwilligen für Schlagzeilen sorgte. Gemeinsamer Nenner seiner langen Künstlerliste ist die Lust, die Grenzen der Kunst und des guten Geschmacks lustvoll zu überschreiten.

Der Findungskommission um den milliardenschweren Bauunternehmer und Großsammler Eli Broard ging es vor allem um die Erdhaftung ihres neuen Direktors. Denn das Museum of Contemporary Art in Los Angeles (MOCA) ist 2008 an der Pleite vorbeigeschrammt und bedarf finanzieller Hilfe von neuen Sponsoren und Mäzenen. Da kann Deitch, der einen MBA von Harvard in der Tasche hat und Vice President der Citibank war, auftrumpfen: "Effektives Fundraising beruht auf Kontakten", gab er der latimes.com zu Protokoll.

Dass das MOCA einen Direktor mit Geschäftssinn suchte, zeigen auch die Namen, die sonst noch in Kunstblogs kursierten: etwa Tobias Meyer, Sotheby?s Starauktionator und Chef der Abteilung für zeitgenössische Kunst. Auch Sam Keller, der die Art Basel nach Miami Beach gebracht hat und heute Direktor der Fondation Beyeler in Basel/Riehen ist, war im Gespräch.

Kritiker des umtriebigen Multitalents argwöhnen, Museumsshows würden vor allem jenen Künstlern zu Wertsteigerungen verhelfen, die Deitch in seiner Privatsammlung hat. Bis zum Amtsantritt am 1.6. will Deitch diese jedoch beschränken und seine Galerie Deitch Projects an Mitarbeiter abgeben.

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