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23.04.2014

09:19 Uhr

Johann Gottfried Schadow

Zu wenig Marmor

VonChristian Herchenröder

Die Jubiläumsschau zum 250. Geburtstag des Bildhauers Johann Gottfried Schadow würdigt vor allem den klassizistischen Zeichner, bleibt aber insgesamt halbherzig. Wichtige Hauptwerke fehlen in der Berliner Ausstellung.

Johann Gottfried Schadows Version von "Bacchus und Ariadne" © Stadtmuseum Berlin Oliver Ziebe

Johann Gottfried Schadows Version von "Bacchus und Ariadne"

BerlinDiese Ausstellung ist eine Notlösung. Der 250. Geburtstag von Johann Gottfried Schadow war der Alten Nationalgalerie keine Ausstellung wert. Sie besitzt nicht weniger als 130 skulpturale Werke dieses Protagonisten des preußischen Klassizismus.

So sprang nun die Schadow Gesellschaft Berlin in die Bresche und arrangierte im Obergeschoss des Ephraim Palais in Kooperation mit dem Berliner Stadtmuseum (www.stadtmuseum.de) eine Geburtstagsschau, in der Skulpturen Mangelware sind und das Gesamtwerk sich vorwiegend in Arbeiten auf Papier manifestiert.

Das ist zunächst spannend, weil hier der passionierte Zeichner zu entdecken ist und auch der Arbeitsprozess des Bildhauers auf ein akribisches Anatomiestudium zurückgeführt werden kann. Die freie Bewegung, die in vielen Zeichnungen und Graphiken („Das Tänzerpaar Vigano“, 1796/97) antike Allüre in tänzerische Grazie auflöst, ist auch in einigen hier nicht präsenten Skulpturen nachzuvollziehen. Hier hat Schadow für die gesamte Berliner Bildhauerkunst der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine verbindliche Norm geschaffen: das klassische Ideal mit dem Prinzip der Naturwahrheit zu verbinden.

Gezeichnetes Selbstporträt des Bildhauers. © Stadtmuseum Berlin Oliver Ziebe

Gezeichnetes Selbstporträt des Bildhauers.

Vor diesem Hintergrund gewinnt das abgegriffene Bonmot, Schadow habe sich schon zu Lebzeiten in Rauch aufgelöst, eine subtile Note. Denn der Nachfolger Christian Daniel Rauch, der in der Gunst der preußischen Könige ungleich höher stand, beherzigte in seinem Gesamtwerk gerade die obige Maxime.

Von Schadows berührend menschlichem Marmorrelief „Bacchus tröstet Ariadne“, das als eines der wenigen skulpturalen Werke in der Ausstellung vertreten ist, führt eine direkte Linie zu den Liegefiguren Rauchs, die privat und weltentrückt zugleich erscheinen.

Sie sind ohne das epochale Vorbild Schadows, das Grabmal des Grafen von der Mark (Nationalgalerie Berlin), nicht zu denken. Schadows Idee des schlafenden Knaben wurde von Rauch romantisierend in das 1810 entstandene Grabmal der Königin Luise übertragen.

Solche Aspekte sind in der Geburtstagsausstellung, die sich ganz auf den Jubilar konzentriert und gezeichnete Huldigungen des Berliner Malers Grützke einstreut, ausgespart. Beim Abschreiten der vielen Zeichnungen, die leider nicht alle Originale sind (die berühmten Blätter aus dem Besitz der Akademie der Künste sind nur in Faksimiles greifbar) stellt sich Ermüdung ein, zumal hier mehr das Prinzip der Häufung als das der Qualität regiert.

Über das Schicksal der von Schadow entworfenen Berliner Quadriga gibt es zahllose Publikationen. Der in dieser Sektion abgelegte Pferdekopf, ein Originalguss aus dem Jahr 1793, gilt als Paradestück der Ausstellung. Zeigt er doch mit all seinen Korrosionen die antikisierende Ausprägung der bildhauerischen Leistung. Und zwar in einer Dimension und Feinarbeit, die nur im Nahblick zu würdigen sind, und die sich an Vorbildern der griechischen Hochklassik orientieren.

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