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29.05.2013

21:01 Uhr

John Bock

Schöpfer vereinsamter Geräusche

VonFrank Kurzhals

John Bock konfrontiert die Kunstwelt mit grotesken Performances und Abenteuer verheißenden Rauminstallationen. Dazu gehören unerhörte Worterfindungen, Geräusche und merkwürdige Düfte. Seine multimediale Kunst hat auch in renommierte Sammlungen wie die von Harald Falckenberg Eingang gefunden. Sein jüngstes Werk zeigt der Hamburger Kunstverein.

Blick auf John Bocks "Gelée Royal-Blase" im Hamburger Kunstverein 2013. (Ausschnitt) Fred Dott, HamburgHamburger Kunstverein

Blick auf John Bocks "Gelée Royal-Blase" im Hamburger Kunstverein 2013. (Ausschnitt)

HamburgJohn Bock, Jahrgang 1965, faszinierte die internationale Kunstwelt in den vergangenen Jahren mit opulenten Performance-Vorträgen und happeningähnlichen Aktionen. Wortgewaltig verbale Haken schlagend, immer auf der Hut vor dem Konkreten und voller Lust an scheinbar Wissenschaftlichem trat er in Kostümen auf, die geradezu abenteuerlich-grotesk waren. Mit dieser sinnlichen und multimedialen Kunst hat er auch Großsammler wie den Hamburg-Harburger Unternehmer Harald Falckenberg begeistern können.

Kein weiterer „Materialfusionskollaps“

In seiner Einzelausstellung im Kunstverein von Hamburg, dort, wo Bock bis 1979 Wirtschaftswissenschaft und Kunst studierte, gibt er sich, optisch betrachtet, vergleichsweise minimalistisch. Er beginnt sich zu konzentrieren. Dabei hat ihn, den Freund des Fabulierens und der strotzenden Wortfindungen seine bisherige Sprache deswegen nicht verlassen. So behauptet der Künstler etwa, dass er „keinen weiteren Materialfusionskollaps“ mehr möchte, sondern „die analoge Basis zum digital überbordenden Infocomputercrashkurs“ schaffen will. Insofern ist Bock eine Art romantischer Dadaist, dem das Fragment schon immer über alles ging und dem das abgeschlossen Fertige ein Garaus war.

Süßliches Luftgemisch

Nur wenige, nämlich nicht mehr als zehn Personen dürfen jeweils in den ersten Stock des Hamburger Kunstvereins, in dem er ein fast schon klaustrophobisch enges Wegesystem eingerichtet hat. Schmale Gänge, blendende weiße Decken und Wände, die von hell strahlenden Neonröhren ausgeleuchtet werden, alternieren mit ebenso hell strahlenden kammerartigen Räumen. Vorhänge aus breiten transparenten Kunststoffstreifen trennen schleusenartig die einzelnen Räume. In jedem Bereich des Parcours überraschen den Besucher kleine Erlebnisse. Es sind mal Geräusche, mal Bewegungen, mal Düfte. So umfängt ihn im ersten Raum ein kontinuierlich hineingepumptes Luftgemisch aus Mais und Weichspüler. „Schön süßlich“, stellt John Bock dazu erfreut fest.

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