Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.08.2012

10:41 Uhr

John Green

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

VonThorsten Giersch

„Krebsbücher sind doof“, schreibt John Green selbst und wiederlegt diese Aussage mit seinem neuen Werk. Dem Shootingstar der Branche ist ein phantastisches Buch gelungen – zum Weinen und zum Ja-Sagen gleichermaßen.

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“: Leiden in der Ich-Perspektive. Hanser Verlag

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“: Leiden in der Ich-Perspektive.

DüsseldorfKaum etwas ist schwieriger als ein Buch über krebskranke Jugendliche zu schreiben. John Green ist diese gewaltige Aufgabe geglückt. Sein neues Buch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist gleichermaßen bemerkenswert, herzzerreißend, im positiven Sinn melancholisch und im negativen aufrüttelnd.

Seit Jahren geht der Trend der Jugendbuchliteratur in Richtung Schmalz-Romantik à la Stephenie Meyers „Twilight“. Doch in diesem Jahr reüssieren Bücher wie Suzanne Collins „Die Tribute von Panem“ und eben John Green. Dieses Buch hat das „Zeug zum Klassiker“, wie Star-Rezensent Lev Grossman vom Time Magazine schrieb. Es sei ein gutes Beispiel dafür, warum „Erwachsene zu Jugendromanen greifen, um das Lesevergnügen und den Trost zu suchen, den sie früher in konventioneller Literatur gefunden haben".

Green hat unter anderem mit „Margos Spuren“, „Die erste Liebe nach 19 vergeblichen Versuchen“ oder „Eine wie Alaska“ für Aufsehen gesorgt. Er wird von Rezensenten über den grünen Klee gelobt. Seine Jugendbücher sind auch für erwachsene Leser ein absoluter Gewinn. Denn der US-Amerikaner entwickelt Figuren, in denen sich die Leser  aus allen Altersklassen wiederfinden können. Die Geschichten könnten theoretisch auch schon vor vielen Jahren gespielt haben. Zeitbezüge spielen also kaum eine Rolle, auch wenn das Handy in „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ eine gewisse Rolle spielt.

Wie üblich schreibt Green, derzeit einer der Superstars unter den Gegenwarts-Literaten in den USA, aus der Ich-Perspektive. Nur dass sie diesmal kein Junge, sondern die 16-jährige Hazel einnimmt. Das Mädchen hat Lungenkrebs und muss ständig eine Sauerstoffflasche auf dem Rollwagen hinter sich herziehen.

Hazels Leben ändert sich vollkommen, als sie bei dem an sich so verhassten Treffen der Selbsthilfegruppe Augustus kennenlernt. Ihn stört die Saustoffflasche genauso wenig wie die Schläuche in ihrer Nase oder die kurze Lebenserwartung, die Hazel nur noch hat.

Der 17-Jährige sprüht vor Optimismus, obwohl er nur noch ein Bein hat. Die beiden Teenager finden zahlreiche Gemeinsamkeiten. Dazu gehört neben ihrer Krebs-Krankheit die Fähigkeit, die Lebenslügen vieler anderer Menschen und ihre Heuchelei zu entdecken. Zudem teilt Hazel ihre Liebe für ein Buch mit Augustus. Sie gibt es ihm und nimmt erstaunt-befriedigt zur Kenntnis, wie schnell er es durch hat und die aus ihrer Sicht richtigen Fragen stellt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×