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20.10.2014

10:00 Uhr

Jüdische Sammler

Lebensläufe der Beraubten

VonLucas Elmenhorst

Unter welchen Umständen wurde jüdischen Sammlern in der NS-Zeit ihre Kunst weggenommen? Woran scheiterten ihre Bemühungen um Rückgabe nach dem Krieg? Melissa Müller und Monika Tatzkow beleuchten 15 beispielhafte Schicksale.

Ausschnitt aus dem Cover des Buches "Verlorene Bilder Verlorene Leben" von Melissa Müller und Monika Tatzkow.

Ausschnitt aus dem Cover des Buches "Verlorene Bilder Verlorene Leben" von Melissa Müller und Monika Tatzkow.

BerlinCornelius Gurlitt ist längst zum Thema für gesellschaftlichen Small Talk geworden. Fast 70 Jahre nach Kriegsende hat die Sammlung Gurlitt eine überfällige, jahrzehntelang vernachlässigte Diskussion über NS-Raubkunst und den Umgang mit ihr ins Rollen gebracht. Das überrascht. Denn dass Juden im NS-Staat systematisch drangsaliert und rücksichtslos um ihren Besitz gebracht wurden, ist nie ein Geheimnis gewesen. Es hat nur die längste Zeit weder die Öffentlichkeit noch Politiker oder Feuilletons interessiert.

Die fortgesetzten vielfältigen Demütigungen, denen Juden im „Dritten Reich“ ausgesetzt waren und die mit dessen Ende mitnichten aufhörten, sondern sich im Rahmen der so genannten Wiedergutmachungsverfahren im Deutschland der Nachkriegszeit fortsetzten, wird wohl kaum jemand nachvollziehen können, der ihnen nicht selbst ausgesetzt war.

Kunsthändler und Versteigerer profitierten

Überzeugend vermitteln die 15 von Melissa Müller und Monika Tatzkow, Gunnar Schnabel, Thomas Blubacher und Pieter den Hollander beschriebenen beispielhaften Schicksale jüdischer Sammler und ihrer Familien eine beklemmende Ahnung hiervon. Schätzungsweise 600.000 Kunstwerke aus jüdischen Sammlungen raubten die Nationalsozialisten. Von diesem „größten Kunstraub aller Zeiten“ profitierten vor allem Kunsthändler und Auktionshäuser, die von den Nationalsozialisten mit der „Überleitung des in jüdischem Besitz befindlichen Kunst- und Kulturguts in arischen Besitz“ beauftragt waren.

Für die Neuauflage ergänzten die Autorinnen das 2009 erstmals erschienene Werk daher um einen sehr instruktiven Überblick über den internationalen Kunsthandel seit 1933, ein unrühmliches Kapitel, das eine eigene Abhandlung wert wäre.

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