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02.09.2012

18:55 Uhr

Jürgen Hall

Das Beste fürs Museum

Jürgen Hall gehört zu den führenden deutschen Großhändlern für Tabakwaren. Seit einigen Jahren ist er auch als Mäzen und Leihgeber tätig. Nutznießer ist das Kunstmuseum Bonn, das er mit Leihgaben und Geschenken versorgt.

Sein Werk „Schwestern“ hängt jetzt im Kunstmuseum Bonn: der Maler Gerhard Richter.

Sein Werk „Schwestern“ hängt jetzt im Kunstmuseum Bonn: der Maler Gerhard Richter.

BonnDas Bild des großen deutschen Malers Gerhard Richter ist überraschend kleinformatig. Man muss schon zweimal hinschauen: ein grau in grau gehaltenes Querformat, das aussieht wie ein abgemaltes, unscharfes Amateurfoto aus den 1960er-Jahren. Zwei Schwestern mit blondem Haar posieren da in teilbekleidetem Zustand auf einem Stuhl und auf dem Boden sitzend. Ein Motiv, das zwischen erotischer Anmutung und einem Hauch von Pornografie hin und her schwankt.

Als im letzten Jahr die 1967 gemalten "Schwestern" im Kunstmuseum Bonn Einzug hielten, stand neben ihnen ihr Besitzer, der Mönchengladbacher Tabakwarengroßhändler Jürgen Hall. Der schlanke, unprätentiös gekleidete Mann Anfang 70 war es erkennbar nicht gewohnt, in so einem Rahmen im Mittelpunkt zu stehen. Vorsichtig lächelte er in die motorbetriebene Kamera des Fotografen, während sie ohne Unterlass Salven auf ihn abschoss.

„Nadja“ von Emil Nolde

„Nadja“ von Emil Nolde

Für Jürgen Hall war es ein Coup, der ihm da gelungen war, weit entfernt Routine zu sein. Telefonisch hatte er bei Sotheby's in London mitgeboten, als am 29. Juni 2011 die Sammlung des deutschen Finanziers Christian Graf Dürckheim-Ketelhodt zum Aufruf kam (siehe handelsblatt.com). Richters "Schwestern" trugen die Losnummer 5. Hall bot mit, bis er bei umgerechnet 2,8 Millionen Euro (inklusive Aufgeld) seine Konkurrenten aus dem Feld geschlagen hatte. Das ging sehr schnell.

Dann setzte er umgehend eine Mail von sehr kurzem Inhalt ab. "Auftrag ausgeführt" schrieb er der in Bonn mitfiebernden Mannschaft des Kunstmuseums, die sein Bild als zehnjährige Dauerleihgabe erhalten sollten. Der Mönchengladbacher Unternehmer ist auf dem internationalen Auktionsparkett wohl eher eine Ausnahmeerscheinung. Er gehört nicht zum "Jetset" jener wohl betuchten Klientel, für die ein Trip zu den Prestigeauktionen in London oder New York zum Lebensstil gehört. Die Versteigerung bei Sotheby's war erst Halls fünfte Auktion. Zuvor hatte er sich vergewissert, welches Bild von welchem Künstler als Leihgabe im Kunstmuseum Bonn sinnvoll sein würde.

So hatte es der Geschäftsmann schon bei zwei weiteren spektakulären Kunstkäufen gehalten: mit Emil Noldes Frauenporträt "Nadja", das er 2007 für 2,6 Millionen Euro bei Ketterer in München ersteigerte und mit August Mackes "Stillleben mit Apfelschale und japanischem Fächer", erworben 2008 für umgerechnet 1,8 Millionen Euro bei Sotheby's in London. "Diese Arbeit wurde dem Kunstmuseum tatsächlich geschenkt", freut sich Museumschef Stephan Berg noch heute.

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