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08.10.2012

17:31 Uhr

Karin Kneffel

Neue Anhänger in Amerika

VonBarbara Kutscher

Mit realistischen Gemälden von schimmernden Früchten hat sich Karin Kneffel einen Namen gemacht. Europäischen Sammlern ist die Künstlerin schon lange ein Begriff. Mega-Galerist Larry Gagosian will nun dafür sorgen, dass sie amerikanischen Sammlern ans Herz wächst.

New YorkDie Münchener Akademieprofessorin Karin Kneffel, 55, hat es in einen elitären Zirkel geschafft. Das neue Hochglanzmagazin „Gagosian“, das vierteljährlich über die Aktivitäten der zwölf Niederlassungen der Galerie berichtet, stellt sie neben Cindy Sherman, Jeff Koons und Yayoi Kusama, um nur einige zu nennen. Kneffel gibt in der Niederlassung des Megadealers an der Madison Avenue gerade bis zum 20. Oktober ihr New Yorker Debüt. Wie hat sie das geschafft? Vor etwa zwei Jahren sah Larry Gagosian eine ihrer Arbeiten in einer deutschen Privatsammlung und wollte unbedingt ihre Bekanntschaft machen.

Kneffels Bilder sind aber auch zu verführerisch: Ganz nah zeigt sie uns appetitlich leuchtende Früchte, einen schimmernden Schokoladenpudding, samtige üppig gemusterte Teppiche oder auch Interieurs in ungewöhnlichen Ausschnitten, .in deren glänzend poliertem Parkett sich die Welt spiegelt. Sehr präzise vergrößert die Richter-Schülerin die Motive mit feinem Pinsel auf oft riesige Formate. Aber was Gagosian offenbar überzeugte, war ein Werk aus der Krefelder Werkserie „Haus am Stadtrand“ des Jahres 2009. Da machte sie einen wichtigen Sprung vorwärts in Richtung Abstraktion.

Blick durch eine nasse Scheibe

Kneffel nahm schwarzweiße Archivfotos von Zimmern in Mies van der Rohes berühmtem Haus Esters als Vorlage und addierte in einer verblüffenden Verflechtung von Vorder- und Hintergrund schillernde Tropfen und Schlieren: Wir blicken durch eine nasse Fensterscheibe. Viele der in New York gezeigten dreizehn Riesenformate variieren diese Idee. Neu sind gänzlich beschlagene Scheiben, in die jemand mit dem Finger schrieb und damit den Blick in eine dahinter liegende Realität freilegt.

Bisher war Kneffels sehr treue Anhängerschaft auf Europa beschränkt, Gagosian wird ihren Namen nun in Amerika und sehr wahrscheinlich darüber hinaus bekannt machen. Dabei produziert Kneffels fein detaillierte Malweise jährlich nur etwa 20 Bilder. „Es gibt Sammler, die wollen ihre Bilder um jeden Preis“, erklärt Ulla Gansfort von der Schönewald Fine Arts, wo Kneffel seit 1992 ausstellt. Der bewusst stetig gehaltenen Entwicklung ihrer Galeriepreise liefen in den letzten beiden Jahre die Auktionsergebnisse bereits davon. Im Mai erzielte das Kölner Kunsthaus Lempertz den bisherigen Höchstpreis: das ein Quadratmeter große Fruchtstillleben „Ohne Titel (Pflaumen)“ (1997) kletterte bei einer realistischen Taxe von 60.000 bis 80.000 Euro auf ganze 104.920 Euro. Bei Gagosian liegt das Niveau im Bereich von umgerechnet 50.000 Euro.

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