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18.06.2015

13:24 Uhr

Karl & Faber, Quittenbaum

Kunst nach 1945 zieht weiter an

VonBettina Beckert

Teile der Moderne-Offerte von Karl & Faber wird aufgrund zu hoher Schätzpreise zurückgereicht. Sehr gute Ergebnisse erzielen Werke von Max Pechstein und Wassily Kandinsky. Vermehrtes Interesse zeichnet sich für die Nachkriegskunst ab. Bei Quittenbaum verdoppelt ein marktfrisches Bild von Alfons Walde seine Taxe.

Ernst Ludwig Kirchners aquarellierter Farbholzschnitt „Müggelsee“ von 1912 sicherte sich ein süddeutscher Sammler für 175.000 Euro (Taxe: 100.000 bis 120.000 Euro). Es ist der einzige Abzug des ersten Zustands (Gesamtauflage 5 Exemplare) und befand sich in der Sammlung Ahlers. Quelle: Karl & Faber Karl & Faber Kunstauktionen GmbH

Rare Papierarbeit

Ernst Ludwig Kirchners aquarellierter Farbholzschnitt „Müggelsee“ von 1912 sicherte sich ein süddeutscher Sammler für 175.000 Euro (Taxe: 100.000 bis 120.000 Euro). Es ist der einzige Abzug des ersten Zustands (Gesamtauflage 5 Exemplare) und befand sich in der Sammlung Ahlers. Quelle: Karl & Faber

MünchenAuf Max Pechsteins Gemälde „Vor dem Bad“ hüllt die flirrende Hitze der warmen Sonnenstrahlen die Landschaft am Meer in kräftige Farben. Es entstand im Sommer 1919 am Ostseestrand in Nidden. Pechsteins Frau Lotte und Sohn Frank sind die bevorzugten Modelle dieser produktiven Zeit. Das Gemälde, für das 600.000 bis 800.000 Euro erwartet wurden, erzielte bei Karl & Fabers Auktion „Moderne Kunst“ am 12. Juni 2015 den höchsten Zuschlag. Mit 25 Prozent Aufgeld bewilligte ein Schweizer Sammler 625.000 Euro.

Ein Berliner Bieter erwarb Kandinskys ikonographische Graphikmappe „Kleine Welten“ für 162.500 Euro (130.000 bis 180.000) und ein „Mystischer Frauenkopf“ von Jawlensky wechselt für 106.250 Euro in eine Sammlung aus Baden-Württemberg (80.000 bis 100.000).

Zurück wegen zu hoher Schätzpreise

Dennoch sind die Käufer durchaus selektiv. Trotz florierendem Markt und genug Geld in den Taschen der Käufer werden zu hohe Erwartungen abgestraft. So fand die gesellschaftskritische Tuschezeichnung „Emigranten in Berlin“ von George Grosz keinen Abnehmer (50.000 bis 70.000 Euro). Es stammte, wie zahlreiche andere Werke, darunter auch die „Kleine Welten“ von Kandinsky aus der Sammlung des Herforder Textilunternehmers Jan Ahlers. Auch Emil Noldes Aquarell „Abendstimmung am Ruttebüller See“ löste die Erwartungen von 90.000 bis 120.000 Euro nicht ein.

Rund 85 bis 90 Prozent der Schätzpreissumme wurde im Verhältnis zum Erlös (Zuschlagspreis plus Aufgeld) bei der gesamten Auktion erzielt. Die Beteiligung war international und so umfassend wie nie, so Rupert Keim. 800 Bieter nahmen an der Auktion teil, auch zunehmend Live-Bieter über das Internet. Die Topzuschläge erhielten überwiegend private Sammler.

24 Telefonbieter für Piero Dorazio

Rege Nachfrage herrschte bei der Kunst nach 1945. 30 Bieter, darunter 24 Telefonbieter, ließen den Preis für das frühe Ölgemälde „Modesto B“ (1962) von Piero Dorazio von 10.000 auf 65.000 Euro hochschnellen. Den Zuschlag erhielt ein italienischer Sammler. In deutschen Privatbesitz wechselten die kleine Metallskulptur von John Chamberlain und die „Oxido“ Skulptur von Eduardo Chillida. Chamberlain erzielte den Erwartungen entsprechend 250.000 Euro. Für Chillida wurden 200.0000 Euro geboten.

Emil Schumachers typische Leinwand „Ankh“ erwarb ein rheinischer Sammler für 97.500 Euro. „Die Dynamik der Klassischen Moderne wandert in die Nachkriegskunst“, stellt Rupert Keim fest. Entsprechend stiegen günstig taxierte Werke. Kuno Gonschiors Leinwand aus den 1960er-Jahren kletterte etwa von 3.000 auf 15.000 Euro, die vier Linienkonstruktionen auf Karton von François Morellet von 3.500 auf 27.500 Euro. Roni Horns Aluminiuminstallation „Doubt byWater“ spielte 75.000 Euro ein.

Guter Preis für marktfrischen Walde

Der expressionistischen Druckgraphik war ein Sonderkatalog gewidmet. Ein Teil stammte ebenfalls aus der Ahlers Collection. Auch Ernst Ludwig Kirchners Farbholzschnitt „Müggelsee“, den ein süddeutscher Sammler für 175.000 Euro erwarb (100.000 bis 120.000). Die Verkaufsquote von 83 Prozent (Schätzpreissumme zu Zuschlagssumme ohne Aufgeld) zeigt die gute Nachfrage.

Beim Auktionshaus Quittenbaum kamen vom 9. bis 11. Juni neben Design und afrikanischer Kunst auch rund 190 Lose moderner Kunst zum Aufruf. Hier reüssierte das marktfrische, frühe Gemälde „Fastnacht aus Tirol“ von Alfons Walde. Das aus einer oberitalienischen Sammlung stammende Bild verdoppelte mit 120.000 Euro seine Erwartungen. Bei Waldes „Kirchenstiege“ (55.000 bis 65.000) und Philipp Francks „Lindenallee im Sommer“ (8.000 bis 10.000) laufen die Nachverhandlungen noch.

Gunter Sachs ist in Deutschland spätestens mit seiner Ausstellung im Leipziger Museum 2008 auch als Künstler angekommen. Sein Mappenwerk „Hommage à BB et Andy“ mit acht Fotografien auf Leinwand wurde zur unteren Taxe von 70.000 Euro verkauft.

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