Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.04.2014

12:13 Uhr

Kasimir Malewitsch

Geschichten aus der Welt der reinen Form

VonChristiane Fricke

Die Ausstellung über Kasimir Malewitsch und die russische Avantgarde hat in Amsterdam bereits 280.000 Besucher angezogen. Jetzt ist sie in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen. Eindrücke und Hintergründe einer fulminanten Schau.

1923 malte Ilja Tschaschnik dieses "Suprematistische Kreuz", zu einer Zeit, in der Malewitsch den Pinsel unter ideologischem Druck bereits weggelegt hatte. Foto: Henning Kaiser dpa

1923 malte Ilja Tschaschnik dieses "Suprematistische Kreuz", zu einer Zeit, in der Malewitsch den Pinsel unter ideologischem Druck bereits weggelegt hatte. Foto: Henning Kaiser

BonnSo ein Selbstporträt, auf dem nicht viel mehr als ein dominantes dunkles Quadrat und zwei kleine Gruppierungen geometrischer Flächen auf kalkweißem Grund zu sehen sind, ist zweifellos erklärungsbedürftig. Die Rede ist von Kasimir Malewitschs „Selbstporträt in zwei Dimensionen“ (1915), das erste Bild, mit dem die Besucher der großen Werkschau in der Bundeskunsthalle in Bonn konfrontiert werden. Warum der Künstler einfach behaupten konnte, dies wäre sein Selbstporträt, hat einen einfachen Grund: weil er die Übersetzung der Realität auf eine zweidimensionale Leinwand für eine Lüge hielt. „Die Essenz der Malerei besteht aus der Farbe und der Farbbeschaffenheit“, postulierte er 1916 und propagierte eine andere Art von Realität, eine Welt der reinen Form. Das Motivische oder Illusionistische hatten darin nach seinen Vorstellungen nichts zu suchen.

Wie alles zusammenhängt

Suprematismus nennt Malewitsch (1879-1935) sein Konzept gegenstandsloser Malerei. Nicht zu verwechseln mit der Abstraktion, bei der es darum geht, von der Gegenständlichkeit zu abstrahieren. Die Phase der suprematistischen Malerei, die in die Kunstgeschichte eingegangen ist, dauerte indes nur eine kurze Zeitspanne, von 1915 bis 1920. Was davor war und danach und eine überraschende Vielfalt an Stilformen abdeckt, hat nicht annähernd so viel Beachtung gefunden und ist – was das Spätwerk angeht – lange nicht verstanden worden. Die Bundeskunsthalle, die mit dem Stedelijk Museum Amsterdam, der ersten Station der Ausstellung, und mit der Tate in London kooperiert hat, zeigt nun anhand von über 300 Werken, wie alles zusammenhängt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×