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06.10.2012

09:00 Uhr

Keine Experimente

ZDF hält sein Zugpferd fest am Zügel

Für das ZDF hat „Wetten, dass..?“ allen Unkenrufen zum Trotz nach wie vor eine existenzielle Bedeutung. Es ist Zugpferd, Flaggschiff – und Brückenbauer. Denn auch das Zweite muss um seine Zuschauer kämpfen.

Tradition verpflichtet: Seit den Anfängen vor 30 Jahren hat sich die Show zu einem echten Zugpferd entwickelt. dpa

Tradition verpflichtet: Seit den Anfängen vor 30 Jahren hat sich die Show zu einem echten Zugpferd entwickelt.

DüsseldorfLanz talkt. Lanz moderiert. Lanz ist in aller Munde, obwohl Markus Lanz nicht mehr kocht – nicht einmal sein eigenes Süppchen. Der gebürtige Südtiroler übernimm am Samstag eine Institution des öffentlich-rechtlichen Fernsehens: Er tritt die Nachfolge Thomas Gottschalks als Kapitän des ZDF-Flaggschiffs „Wetten, dass..?“ an.

Doch der Schatten seines Vorgängers ist lang. Die Vermarktung des Show-Giganten hat das ZDF bereits 2009 aus der Hand gegeben, es übernahm die Agentur Dolce Media. Eigentümer: Thomas Gottschalks Bruder Christoph.

Zwar bringt Lanz genau wie Gottschalk seine eigene TV-Produktionsfirma mit, in diesem Fall „Mhoch2“. Doch die soll sich, wie die Vorgängergesellschaft, auf eine Beratertätigkeit beschränken. Das erklärte ein ZDF-Sprecher schon im März. Wie schon unter Gottschalk wird die Show im Wesentlichen eine Eigenproduktion der Öffentlich-Rechtlichen bleiben. Die Mainzer wissen gut, dass bei „Wetten, dass..?“ eine Menge auf dem Spiel steht. Zumindest auf der ausführenden Seite bleibt der Daumen auf dem Quoten-Fixpunkt.

Für das ZDF geht es um eines der letzten großen Zugpferde. Bei der bisher letzten Ausgabe der Samstagabend-Show schalteten 14,73 Millionen Zuschauer ein. Markus Lanz soll das TV-Urgestein wieder auf diesem Niveau etablieren. Zuvor war der Quotenschnitt pro Jahresstaffel von 13,01 Millionen (2005/06) auf 9,54 Millionen (2010/11) gefallen. Selbst wenn Medienexperten langfristig nicht an die Zukunft der generationsübergreifenden Show am Samstag glauben, erreichen die Mainzer mit „Wetten, dass..?“ immerhin noch etwa 25 Prozent Marktanteil in der wichtigen Gruppe der 14 bis 49-Jährigen. Der Gesamtmarktanteil liegt noch einmal deutlich höher.

Was heißt das für einen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender? Der ist zwar nicht in erster Linie an Werbeeinnahmen und damit an Quoten gebunden. Doch auch das ZDF hat im erlaubten Zeitfenster Werbekunden und die interessieren sich generell für das Publikum, welches ein Sender anzieht. Ein Flaggschiff wie „Wetten, dass..?“ sorgt auch für Peripherie-Effekte, das heißt, es strahlt in die Sendungen davor und danach ab, holt und setzt die Zuschauer im Idealfall dort ab. Nicht zuletzt sind anständige Quoten die beste Rechtfertigung für Programmchefs und Aufsichtsräte.

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