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13.02.2012

09:27 Uhr

„Keine passende Übersetzung“

„Shitstorm“ ist Anglizismus des Jahres

Wenn sich im Web ein Stürm der Entrüstung entlädt, spricht man von einem „Shitstorm“. Die Stürme ziehen immer öfter durch - so oft, dass Sprachwissenschaftler den Begriff zum Anglizismus des Jahres gekürt haben.

Einen Fingertipp vom „Shitstorm“? In sozialen Netzwerken trifft besagte Ausscheidung gerne mal den Ventilator. dpa

Einen Fingertipp vom „Shitstorm“? In sozialen Netzwerken trifft besagte Ausscheidung gerne mal den Ventilator.

Hamburg„Shitstorm“ ist der Anglizismus des Jahres 2011. Für das vor allem im Internet gebräuchliche Wort gebe es keine passende deutsche Übersetzung, begründete die Jury um den Hamburger Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch am Montag die Entscheidung. Als „Shitstorm“ wird die öffentliche Entrüstung im Netz bezeichnet, bei der sich Argumente mit Beleidigungen und Bedrohungen mischen, zuletzt etwa gegen Banken.

Auf den zweiten Platz wählte die Jury „Stresstest“, das im Dezember bereits zum „Wort des Jahres“ gekürt worden war. „Das Wort ist interessant, weil es auf den ersten Blick gar nicht so fremd aussieht“, sagte Jurymitglied Kristin Kopf. Auf Rang drei landete „circeln“. Der Begriff stammt aus dem sozialen Netzwerk Google+ und bedeutet, jemanden zu einer Kontaktliste hinzuzufügen.

Die Wissenschaftlergruppe kürt seit 2010 den Anglizismus des Jahres und will damit ein Zeichen für den positiven Einfluss der Worte englischen Ursprungs auf die deutsche Sprache setzen. Sie wählten diese aus knapp 60 Vorschlägen aus, darunter „Cyberkrieg“, „Tablet“, „Cloud“ und „Occupy“.

Das Wort „Shitstorm“ füllt für Stefanowitsch „eine Lücke im deutschen Wortschatz, die sich durch Veränderungen in der öffentlichen Diskussionskultur aufgetan hat“. Die deutschen Begriffe Kritik oder Sturm der Entrüstung griffen in diesem Zusammenhang zu kurz. Die Zusammensetzung von Shit (Scheiße) und Storm (Sturm) sei auch nicht vulgär. „Natürlich handelt es sich um einen gewollt derben Ausdruck, dem man seine Herkunft aus dem amerikanischen Slang ansieht“, sagte der Wissenschaftler. „Aber gerade der klare Lehnwortcharakter des Wortes federt diese Derbheit soweit ab, dass das Wort auch im öffentlichen Sprachgebrauch akzeptiert ist.“

In der Jury sitzen neben dem Hamburger Sprachwissenschaftler die Anglistin Susanne Flach aus Berlin, die Germanistin Kristin Kopf aus Mainz, Michael Mann von der Universität Erlangen-Nürnberg und der Leipziger Sprachwissenschaftler Jan Wolgemuth.

Von

dpa

Kommentare (9)

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carfinkel

13.02.2012, 14:49 Uhr

„Als ‚Shitstorm‘ wird die öffentliche Entrüstung im Netz bezeichnet, bei der sich Argumente mit Beleidigungen und Bedrohungen mischen.“ Daß sich dafür, wie behauptet, keine deutsche Entsprechung findet, möchte ich so nicht stehen lassen. In unserer Gegend sagt man dazu „Jaucheflut“, vermutlich schon seit Generationen.

lobster

13.02.2012, 14:57 Uhr

Diesen Ausdruck kenne ich auch. Bei uns sagt man aber auch "Jaucheschwall" - vonwegen "Redeschwall", denke ich.

FRIDA

13.02.2012, 15:17 Uhr

"Jaucheflut" und "Jaucheschwall" klingt aber schon sehr nach ländlichem Gasthaus. Was aber auch bedeutet, dass das einzig Neue an dem kommunikativen Phänomen "shitstorm" darin besteht, dass es im Internet in Erscheinung tritt.

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