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12.06.2011

10:04 Uhr

Ketterer

Entspannte Akte am See

VonSabine Spindler

Bei Ketterer fuhr ein Pechstein-Aquarell einen Weltrekordpreis ein. Die Auktion moderner und zeitgenössischer Kunst verlief routiniert und brachte ein paar sechsstellige Preise.

Max Pechstein: "Zwei Mädchen in der Hängematte". Quelle: Ketterer Kunst

Max Pechstein: "Zwei Mädchen in der Hängematte".

MünchenNacktheit steht bei den Malern der Künstlervereinigung „Brücke“ für die Befreiung von inneren Zwängen. Völlig gelöst genießen „Zwei Mädchen in der Hängematte“ einen Sommertag. Max Pechstein hat in dem so betitelten Aquarell von 1910 für die entspannte Atmosphäre an den Moritzburger Seen den expressiven Gestus überzeugend reduziert.

Dass es eines seiner schönsten Blätter ist, war allen Bietern der Ketterer-Auktion am 4. Juni klar. Erst bei 164.700 Euro (mit Aufgeld) fiel es an einen Kunstfreund, der noch Noldes Landschafts-Aquarell erwerben sollte. Rekord! Die höchste Summe, die je für eine Arbeit auf Papier von Max Pechstein auf einer Auktion gezahlt wurde. Der Schätzpreis hatte bei nur 60.000 bis 80.000 Euro gelegen.

Es gab noch zwei weitere herausragende Zuschläge. Teuerstes Gemälde der Moderne-Auktion wurde Franz Radziwills „Gespräch über einen Paragraphen“ von 1929, das hier vor genau zwei Jahren schon einmal versteigert wurde. Dem griechischen Reeder und Sammler Georgu Economou kam damals die bittere Rolle des Unterbieters zu. Diesmal hat der „Verismus“-Sammler das suggestiv verstörende Gemälde über den Abtreibungsparagraphen 218 für 344.040 Euro (Taxe 250.000 bis 350.000 Euro) ergattert. Ironie der Geschichte: Der Preis entspricht exakt dem Untergebot von 2009.

Auch Otto Dix sorgte für eine Überraschung. Sie könnte dafür sorgen, dass die Mundwinkel im Museum nicht mehr nach unten gehen, wenn es um das Spätwerk des Künstlers geht. Private Sammler jedenfalls haben seine Arbeiten aus der Zeit der inneren Emigration, gemalt in altmeisterlicher Manier und mit symbolischen Überhöhungen, schon seit längerem für sich entdeckt.

Sechsstellige Zuschläge auf Auktionen mehren sich. Zwei Bieter im Saal und einer am Telefon katapultierten die Taxe von 60.000 bis 80.000 Euro schnell über das Doppelte hinaus. Die Holztafel „Alte Birnbäume in Hemmenhofen“ von 1940 sicherte sich bei 274.500 Euro ein Sammler aus dem Brandenburgischen.

Preissteigerungen wie beim Dix’schen Gemälde waren dennoch nicht die Regel. Lediglich 14 von insgesamt 355 Losen erzielten bei Ketterer sechsstellige Ergebnisse – darunter Edward Cucuels duftiges Frauenporträt „Herbstzauber“, das bei 140.300 Euro die untere Taxe von 60.000 Euro verdoppelte.

Bei der „Kunst nach 1945“ tat Rupprecht Geigers von tiefem Rot in warmes Gelb übergehende Leinwand „318/61“ denselben Sprung nach oben. Die meisten Lose aber blieben im unteren fünfstelligen Bereich. Der im Spitzensegment florierende Markt scheint die Erwartungen vieler Einlieferer und damit die Schätzungen sehr weit nach oben geschraubt zu haben. Mit dem Ergebnis, dass die Bieterlust nicht angefeuert wurde.

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