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15.12.2012

17:34 Uhr

Ketterer

Gut abgesetzt

VonSabine Spindler

Mit bekannten und mit wiederentdeckten Avantgardisten nimmt das Münchener Auktionshaus Ketterer zwölf Millionen Euro ein. Die Höchstpreise bleiben sechsstellig.

Blick in die Ketterer-Versteigerung. Quelle: Ketterer

Blick in die Ketterer-Versteigerung.

Quelle: Ketterer

MünchenWenn man wie bei Filmfestivals auch bei Auktionen einen Publikumsliebling küren könnte, dann wäre es bei Ketterers 400. Auktion am vergangenen Samstag Dorothea Maetzel-Johannsons „Katze mit Kakteenblüte I“ geworden. Das reizvolle expressionistische Gemälde von 1921 mit seiner Zimmerpflanzenexotik rief Händler wie Privatsammler auf den Plan. Die obere Taxe von 30.000 Euro war sofort überschritten. Für brutto 73.200 Euro bekam ein norddeutscher Sammler eines der schönsten Tierbilder der Moderne.

Das Bild der Hamburger Avantgarde-Künstlerin war einer der Höhepunkte der Sektion Moderne Kunst. Wenn auch längst nicht das teuerste. Platz eins nimmt mit 537.000 Euro Heinrich Campendonks Gemälde „Zwei Pferde“ von 1913 ein. Das ist mehr als das Doppelte der unteren Taxe. Doch Robert Ketterer sieht in diesem Resultat den giftigen Nachklang der Beltracchi-Affäre und von dessen Campendonk-Fälschung. „Vor drei Jahren“, so der Auktionator, „hätten sich die Gebote wahrscheinlich um die Millionengrenze bewegt.“

Denn das Bild war marktfrisch, durchwebt vom Geist der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ und mit dem Maler Georg Tappert als ehemaligem Besitzer mit einer wasserdichten Provenienz ausgestattet. Jetzt ging es in die Sammlung eines Schweizer Unternehmers. Campendonks Gouache „Mariä Verkündigung“, die bis 1959 in der Sammlung des Emailfabrikanten Max Glaeser nachweisbar war, später aber durch die mit dem Fälscher-Fall Jägers verstrickte Galerie Cazeau-Béraudière in Paris verkauft wurde, konnte nicht abgesetzt werden.

Wenngleich keine Millionenzuschläge realisiert wurden, Grund zum Lamentieren hat Ketterer nicht. Nur etwa zehn von 122 Losen der Moderne-Offerte wurden gar nicht beboten, zehn unter Vorbehalt zugeschlagen. Mit Werken wie Gabriele Münters spätem Gemälde „Kirche an der Ramsach“, das von 150.000 auf 378.000 Euro gehoben wurde, oder Alexej von Jawlenskys „Wasserburg“ von 1906, das etwas unterhalb der Taxe für 219.000 Euro wegging, glänzte sein Haus letztlich mit 15 Erlösen im sechsstelligen Bereich.

Schwerer absetzbar als expressionistische Gemälde war jedoch Max Pechsteins Frauenakt „Die Quelle“. Für Pechstein-Sammler scheint ein Werk des Brücke-Künstlers, das im Secessionsstil gemalt ist, tabu zu sein. Ein russischer Sammler erwarb es zum Rufpreis von 280.000 Euro - mit Aufgeld: 341.600 Euro.

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