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28.11.2011

07:59 Uhr

Ketterer

Pechstein im Doppelpack

Gemälde von Max Pechstein und Conrad Felixmüller sind die Spitzenlose von Ketterers Moderne-Auktion am 10. Dezember. Bei der Kunst nach 1945 tritt die Erfolgsgeneration der Jahrtausendwende an.

Hermann Max Pechstein: „Weib mit Inder auf Teppich“, 1910. (Ausschnitt) Ketterer, München

Hermann Max Pechstein: „Weib mit Inder auf Teppich“, 1910. (Ausschnitt)

MünchenMag sein, dass das „Weib mit Inder auf Teppich“ von Max Hermann Pechstein vielen bekannt vorkommt. Das Gemälde von 1910 war in zahlreichen Ausstellungen über den deutschen Expressionismus zu sehen, unter anderem in Paris, Madrid, Berlin und München. Laut Pechstein-Expertin Aya Soika stammt es aus einer Serie von fünf ähnlichen Motiven. Zwei davon gelten als verschollen, zwei befinden sich im St. Louis Art Museum. Am 10. Dezember wird die exotisch anmutende Szene bei Ketterer in München versteigert. Mit einer Taxe von 800.000 bis 1,2 Millionen Euro sind die Erwartungen hoch gesteckt, aber schließlich hatte Noldes „Nadja“ einst auch mehr als zwei Mio. Euro eingespielt. Zudem bekommt man einen Pechstein im Doppelpack. Auf der Rückseite befindet sich ein Stillleben aus dem selben Jahr. Es zeigt einen Hauch von der Weichheit eines Matisse.

Der Auktionator als Perlenfischer

Ketterers Angebot an Klassischer Moderne ist wiederum gespickt mit hochpotenten Namen von Max Beckmann über Feininger bis Emil Nolde. Als Perlenfischer hat sich der Auktionator im Falle der traumwandlerischen, leicht verloren wirkenden Paar-Szene „Herbst in Klotzsche“ von Conrad Felixmüller erwiesen. Ein expressiver Zauber geht von dem in Nachtblau getauchten Bild aus, das in Felixmüllers wichtigster Schaffenszeit zwischen den Weltkriegen entstand und nicht allein wegen seiner Marktfrische mit 250.000 bis 350.000 Euro taxiert ist. Es war seit Ende des Zweiten Weltkrieges im Osten Deutschlands in Privatbesitz.

Eberhard Havekost: "Benutzeroberfläche 5", gehörte zur Sammlung der Lehman Bank. (Ausschnitt) Ketterer, München

Eberhard Havekost: "Benutzeroberfläche 5", gehörte zur Sammlung der Lehman Bank. (Ausschnitt)

Nach dem großen Crash

Bei der Kunst nach 1945 dominieren Werke aus der Zeit um 1960. Eine der seltenen Arbeiten, die Horst Antes Schaffensphase zwischen Informel und ersten Kopffüßlern markiert, ist seine große  Leinwand „Figur Flora“ von 1960 zu einer Taxe von 70.000 bis 90.000 Euro. Einem Stresstest in Sachen Marktfähigkeit unterzieht Ketterer die Boomgeneration der Jahrtausendwende, deren Marktwerte im Zuge der Banken-Krise 2008 große Einbußen erlebte. Auf 20.000 bis 30.000 Euro etwa ist Jonathan Meeses Gemälde „Fischmammsell, der Erddebuty in gebratener Dillsauce…“ von 2005 geschätzt; mindesten 25.000 Euro erwartet man für ein Folien-Stück Anselm Reyles. Zur Sammlung der Lehmann Brothers-Bank gehörte übrigens einst das Gemälde „Benutzeroberfläche 5“ von Eberhard Havekost, dessen glatter Realismus oft als Metarealität von kalter Sachlichkeit bezeichnet wird. Mit einer Schätzung von 70.000 bis 90.000 Euro liebäugelt man zweifelsohne ein bisschen mit den Preisen vor dem großen Crash.

Von

Sabine Spindler

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