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20.02.2013

11:54 Uhr

Kinderbuch-Autor

Otfried Preußler ist tot

Er hat 32 Bücher geschrieben, die in 55 Sprachen übersetzt wurden. „Die kleine Hexe“ und „Räuber Hotzenplotz“ wurden Klassiker der Kinderbuch-Literatur. Nun ist Otfried Preußler mit 89 Jahren gestorben.

Der Kinderbuchautor starb am 18.2.2013 im Alter von 89 Jahren in Prien am Chiemsee. dpa

Der Kinderbuchautor starb am 18.2.2013 im Alter von 89 Jahren in Prien am Chiemsee.

MünchenGenerationen von Kindern und Erwachsenen haben seine Bücher verschlungen. Noch ehe die Kleinen die Buchstaben kannten, lasen die Eltern ihnen „Die kleine Hexe“ vor. Als Grundschüler waren sie dem „Räuber Hotzenplotz“ wissbegierig auf der Spur, der Jung-Gymnasiast vertiefte sich in „Krabat“ und dessen düstere Welt verzauberter Raben. Otfried Preußler schuf mit seinem märchenhaft-beseelten Ton eine Literatur, die alle Altersklassen fesselt und nun schon Jahrzehnte Klassiker-Status hat. Am Montag starb Preußler im Alter von 89 Jahren in Prien am Chiemsee, wie der Stuttgarter Thienemann Verlag am Mittwoch mitteilte.

Der Herr der Raben, Hexen und Räuber schrieb 32 Bücher, die in 55 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als 50 Millionen Mal verkauft wurden. Für sein literarisches Schaffen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen.

Am 20. Oktober 1923 im böhmischen Reichenberg in eine Lehrerfamilie hineingeboren, erlebte Otfried Preußler einen Vater, der als leidenschaftlicher Heimatforscher die Sagen des Isergebirges sammelte, und eine Großmutter, die ihn unermüdlich mit Geschichten fütterte. „Das Geschichtenbuch meiner Großmutter, das es in Wirklichkeit überhaupt nicht gegeben hat, ist das wichtigste aller Bücher für mich, mit denen ich je im Leben Bekanntschaft gemacht habe“, bekannte Preußler einmal.

Die bekanntesten Kinderbücher von Otfried Preußler

Der kleine Wassermann

Veröffentlichung: 1956

Auszeichnungen: Sonderpreis beim Deutschen Jugendbuchpreis für Text und Illustration

In dem Buch erzählt Autor Otfried Preußlers von den Abenteuern des kleinen Wassermanns im Mühlenweiher. 2011 erschien ein Bilderbuch als Fortsetzung.

Die kleine Hexe

Veröffentlichung: 1957

Auszeichnungen: Deutscher Jugendbuchpreis 1958

Die kleine Hexe will unbedingt an der Walpurgisnacht teilnehmen. Doch dazu muss sie beweisen, dass sie eine gute Hexe ist – nur versteht sie darunter etwas anderes als die großen Hexe. Das Buch wurde in 47 Sprachen übersetzt.

Kater Mikesch

Veröffentlichung: 1963

Auszeichnungen: Deutscher Jugendbuchpreis für die Nacherzählung

Die Geschichte vom Kater Mikesch, der das Sprechen lernt, ist eigentlich von dem tschechischen Autor Josef Lada. Otfried Preußler hat die Geschichte lediglich nacherzählt – mit Erfolg. Die Augsburger Puppenkiste verfilmte die Geschichte 1964 sogar.

Der Räuber Hotzenplotz

Veröffentlichung: 1962

Auszeichnungen: auf der Auswahlliste des Deutschen Jugendbuchpreises 1963

In seinem Buch „Räuber Hotzenplotz“ greift Preußler die Charaktere eines normalen Kasperltheaters auf: Kasper, Seppel, Polizist, Zauberer – und natürlich Räuber. Die Geschichte um die gestohlene Kaffeemühle von Kaspers Großmutter kam bei den Kindern so gut an, dass der Autor noch zwei Fortsetzungen – „Neues vom Räuber Hotzenplotz“ (1969) und „Hotzenplotz 3“ (1973) – verfasste.

Das kleine Gespenst

Veröffentlichung: 1966

Auszeichnungen: auf der Auswahlliste des Deutschen Jugendbuchpreises 1967

Das kleine Gespenst will unbedingt einmal die Welt bei Tageslicht sehen. Das sorgt für großen Wirbel in der Stadt, in der das kleine Gespenst wohnt – besonders, als aus dem weißen ein schwarzes Gespenst wird. Die Geschichte wurde in 32 Sprachen übersetzt.

Krabat

Veröffentlichung: 1971

Auszeichnungen: u.a. Deutscher Jugendbuchpreis , Polnischer Jugendbuchpreis 1972, Silberner Griffel von Rotterdam 1973, Europäischer Jugendbuchpreis der Universität Padua

Der Lehrling eines Zaubermeisters muss sich gegen eben jenen behaupten. Preußlers Geschichte basiert auf einer sorbischen Volkssage und wurde zwei Mal verfilmt, zuletzt 2008 mit David Kross in der Hauptrolle.

Die dumme Augustine

Veröffentlichung: 1972

In der Geschichte über eine Hausfrau, die viel lieber als Clown im Zirkus arbeiten würde, nahm sich Otfried Preußler dem Thema Emanzipation an. Die Verfilmung der Geschichte 1993 wurde mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.

Mein Rübezahlbuch

Veröffentlichung: 1993

Die Geschichte beruht auf den Sagen und Märchen um den Berggeist des Riesengebirges. Preußlers Version ist eine von vielen Adaptionen.

Schon mit zwölf Jahren schrieb er selbst erste Geschichten und wünschte sich, später einmal als Schriftsteller in Prag zu leben. Doch der Zweite Weltkrieg durchkreuzte alle Pläne: Nach dem Abitur 1942 wurde Preußler einberufen und landete schließlich nach fünf Jahren russischer Gefangenschaft 1949 im oberbayerischen Rosenheim, wo er mit Glück seine Familie und seine Verlobte wiederfand. Um sich eine Existenz aufzubauen, fing er noch während des Lehrerstudiums mit dem Schreiben an - zunächst als radelnder Lokalreporter, dann als Autor für den Kinderfunk.

Sein erster großer Erfolg gelang Preußler 1956 mit dem versponnen- lustigen „Kleinen Wassermann“. Und als eine seiner drei in den 1950er Jahren geborenen Töchter aus Angst vor bösen Hexen nicht einschlafen konnte, erfand er ein Jahr darauf kurzerhand „Die kleine Hexe“, die mit Hilfe des redseligen Raben Abraxas alles dafür tut, eine gute Hexe zu werden.

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