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01.08.2014

12:12 Uhr

Kinderbuchautor

Vor 40 Jahren starb Erich Kästner

Fliegendes Klassenzimmer, doppeltes Lottchen: Die Werke von Erich Kästner kennt jedes Kind. Doch Kästner schrieb auch für Erwachsene. 40 Jahre nach seinem Tod gibt es nun seinen „Gang vor die Hunde“.

Der Schriftsteller Erich Kästner, aufgenommen 1969 in München. Er schrieb auch für Erwachsene. ap

Der Schriftsteller Erich Kästner, aufgenommen 1969 in München. Er schrieb auch für Erwachsene.

BerlinWahr gewordener Alptraum eines Schriftstellers: „Im Jahre 1933 wurden meine Bücher in Berlin, auf dem großen Platz neben der Staatsoper, von einem gewissen Herrn Goebbels mit düster-feierlichem Pomp verbrannt“, erinnerte sich Erich Kästner später an die Untat der Nationalsozialisten vom 10. Mai '33. Zwei Dutzend deutsche Schriftsteller wollten die Nazis vor 81 Jahren symbolisch austilgen. „Ich war der Einzige der 24, der persönlich erschienen war“, schrieb Kästner, der vor 40 Jahren (am 29. Juli) im Alter von 75 Jahren in München gestorben ist.

„Plötzlich rief eine schrille Frauenstimme: „Dort steht ja der Kästner!““ Eine junge Kabarettistin, die sich mit einem Kollegen durch die Menge gezwängt habe, habe ihn stehen sehen und ihrer Verblüffung übertrieben laut Ausdruck verliehen. „Mir wurde unbehaglich zumute. Doch es geschah nichts. (Obwohl in diesen Tagen gerade sehr viel zu „geschehen“ pflegte.) Die Bücher flogen weiter ins Feuer.“

Nicht nur diese Zeilen hat Erich Kästner eindrucksvoll verfasst. So generationenübergreifend wie er haben nur wenige Autoren in der deutschsprachigen Literatur geschrieben. Der Durchbruch gelang ihm 1929 mit dem Kinderbuch „Emil und die Detektive“, das etliche Male verfilmt wurde, etwa im Jahr 2001 unter anderem mit Jürgen Vogel.

Kästner hatte für seine jungen Leser stets eine Sprache auf Augenhöhe parat, formulierte nie von oben herab. Auch mit „Pünktchen und Anton“ (1931), „Das fliegende Klassenzimmer“ (1933) oder „Das doppelte Lottchen“ (1949) bewies er diese Kunst. Ein Mann, der sein ganzes Leben lang selbst Kind blieb - neugierig auf Menschen und die Welt.

Die Popularität seiner Kinderbücher erreichte sein „Fabian“ zwar nicht, doch ist dieser Großstadt-Roman von 1931 mit dem Untertitel „Die Geschichte eines Moralisten“ sein Meisterwerk. Erzählt wird aus dem Leben des arbeitslosen Germanisten und Bohemien Jakob Fabian, der Ende der 20er Jahre durchs überhitzte Berlin streift. Eingefangen wird ein Zeitgeist zwischen Politik, Medien, Liebe und Sex, die dem Lebensgefühl von heute näher ist, als man glauben könnte.

Rechtzeitig zum 40. Todestag ist eine Urfassung des Buchs erschienen. Das Manuskript war damals vor Erscheinen gekürzt worden. Jetzt liegt der Roman zum ersten Mal so vor, wie Kästner es ursprünglich wollte - mit dem Titel, der eigentlich geplant war: „Der Gang vor die Hunde“.

Der Journalist und Dichter Kästner („Herz auf Taille“ (1928), „Ein Mann gibt Auskunft“ (1930), „Drei Männer im Schnee“ (1934)) hatte gerade seinen 30. Geburtstag gefeiert, als ihn „Emil und die Detektive“ zum Literatur-Star machten.

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