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12.08.2015

21:20 Uhr

Kino-Debakel „Fantastic Four“

Wie man ein Film-Projekt gegen die Wand fährt

VonMarcel Reich

Große Fortsetzungen sind das letzte Versprechen auf einen Kassenschlager für die Filmstudios. Unsummen werden in „Avengers“ oder „Jurassic World“ gepumpt. Fatal, wenn so eine Millionen-Investition böse baden geht.

Die fantastischen Vier: Das Ding, Johnny Storm, Reed Richards und Susan. Der Film ist in den USA zum Start böse gefloppt. ap

Kino-Helden ohne Publikum

Die fantastischen Vier: Das Ding, Johnny Storm, Reed Richards und Susan. Der Film ist in den USA zum Start böse gefloppt.

DüsseldorfFranchises gelten im Film-Business heute als der einzig sichere Weg zum Erfolg. Während die großen Studios bis in die 80er-Jahre noch auf neue Ideen setzten, sind die großen Blockbuster im Jahr 2015 fast ausschließlich Fortsetzungen erfolgreicher Marken: „Fast and Furious“, „Avengers“, oder zuletz „Mission: Impossible“. Auf diesen Siegeszug wollte auch das Studio 20th Century Fox mit einem Neustart Superhelden-Reihe „Fantastic Four“ aufspringen – das Vorhaben ist schon vor dem Deutschland-Start schwer gescheitert.

Bis Freitag spielte der Film nach dem US-Start nur 11,3 Millionen Dollar ein, nach dem ersten Wochenende waren es deutlich unter 30 Millionen. Zum Vergleich: Marvels „Die Avengers“ spielten am ersten Wochenende 191 Millionen Dollar ein. Eigentlich wollte Fox mit den „Fantastic Four“ eine neue Reihe starten, eine Fortsetzung für 2017 war eigentlich bereits fest eingeplant. Nun steht das Studio vor einem Scherbenhaufen.

Alle Infos zu „Fantastic Four“

Budget

Fox veranschlagte ein Budget von 120 Millionen Dollar für den Film. Nun dürften die Studio-Bosse zittern, ob dieses Geld wieder eingenommen werden kann.

Der Regisseur

Josh Trank (Jahrgang 1985) feierte mit dem Independet-Film „Chronicle“ im Jahr 2012 seinen Durchbruch. Inhalt: Zwei Jugendliche, die plötzlich über übersinnliche Fähigkeiten verfügen und damit klarkommen müssen. Klingt eigentlich nach einer guten Vorbereitugn auf „Fantastic Four“...

Die Stars

Obwohl die Schauspieler alle noch recht jung sind, waren sie bereits in starken Filmen zu sehen. Teller war im Oscar-Hit „Whiplash“ dabei, Mara spielte in der US-Hitserie „House of Cards“, Jordan in dem Drama „Fruitvale Station“ und Bell in „Billy Elliot“. Teller und Jordan standen bereits im Film „Für immer Single?“ gemeinsam vor der Kamera.

Streit um die Besetzung

Die Bekanntgabe der Besetzung der Hauptrollen löste heftige Diskussionen aus, weil Johnny Storm mit dem Afroamerikaner Michael B. Jordan und Das Ding mit dem eher klein geratenen Jamie Bell besetzt wurde und dies unter Comic-Fans als unpassend betrachtet wird. Regisseur Josh Trank entgegnete, dass Fans, Comic-Schaffende und Filmemacher neuen Interpretationen gegenüber offen sein sollten.

Die Dreharbeiten

Die Dreharbeiten zu Fantastic Four begannen am 21. April 2014 und endeten am 3. August 2014. Schnell galt Regisseur Trank jedoch als unentschlossen und beratungsresistent – eine fatale Mischung. Ihm wurden drei neue Autoren zur Seite gestellt, eine Wahl hatte er nicht.

Laufzeit

Der Film dauert 100 Minuten – dennoch wirkt alles wie eine Exposition für einen eigentlich geplanten zweiten Teil.

Filmmusik

Musikalisch unterlegte den Film Komponist Philip Glass in Zusammenarbeit mit Marco Beltrami.

Die großen Filmstudios streuen ihre Investitionen heute nicht mehr, sie setzen häufig alles auf eine Karte. Blockbuster werden mit teuren Stars und noch teureren Spezialeffekten aufgepumpt, kaum ein großer Film kostet noch unter 100 Millionen US-Dollar.

Es muss ordentlich krachen auf der Leinwand, damit auch in Deutschland noch mehrere Millionen Zuschauer in die Kinos strömen. Doch diese Praxis birgt auch ein großes Risiko: Was, wenn solch eine Investition scheitert? „Too big to fail“ könnte man das fast nennen, „zu groß, um zu scheitern“. Geht ein teurer Blockbuster baden, gerät ein Studio zwangsläufig in Geldnot. Selbst die aktuellen Glücksritter des Filmgeschäfts, die Marvel-Studios, wären schnell am Ende, wenn eine Riesenproduktion wie die „Avengers“ an den Kinokassen floppen würde.

Doch genau das könnte nun 20th Century Fox passieren. Bereits in den 90er-Jahren kaufte das amerikanische Studio die Filmrechte für die Superhelden-Reihe vom Comic-Giganten Marvel, der Ende des vergangenen Jahrtausends in argen Geldnöten steckte. Nur durch Verkäufe konnte Stan Lee damals sein Unternehmen retten. So gingen auch die Rechte an „Spiderman“ und den „X-Men“ an 20th Century Fox.

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