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04.01.2007

15:23 Uhr

Kinofilm „Mein Führer“

„Vom Hitler-Quatsch nix mehr hören“

Die Hitler-Satire „Mein Führer“ sorgt schon Tage vor ihrer Uraufführung für Aufregung: Komiker Helge Schneider, der in dem Kinofilm den Diktator mimt, hat einer Schweizer Zeitung ein bizarres Interview gegeben. Seinen Produzenten lässt das jedoch völlig kalt: Er weigert sich, „Helge“ für voll zu nehmen.

Helge Schneider als Adolf Hitler im Dany-Levy-Film "Mein Führer". Foto: dpa

Helge Schneider als Adolf Hitler im Dany-Levy-Film "Mein Führer". Foto: dpa

HB ESSEN. Helge Schneider hasst es, Erwartungen zu erfüllen: Dann mache er genau das Gegenteil oder gar nichts, weiß ein langjähriger Wegbegleiter des Komikers und Musikers. So setzte es bei einigen Konzerten 90 Minuten lang „Straf-Jazz“ völlig ohne Faxen, wenn das Publikum zu sehr nach dem Komiker Helge verlangte. Genau so verfährt der 51-Jährige nun auch im Vorfeld der Uraufführung der Hitler-Satire „Mein Führer“ am kommenden Dienstag in Essen, in der er die Hauptrolle spielt. Zwei Tage später startet der Film bundesweit mit 250 Kopien, darunter auch in großen Kinos.

Während Kulturschaffende hitzig darüber diskutieren, ob man über Hitler lachen und ihn damit möglicherweise verharmlosen darf, schwimmt Schneider wieder gegen den Strom. Er hätte sich in dem Film „mehr Adolf Hitler gewünscht“, erzählt er einer Schweizer Journalistin beim Interview zur Jahreswende an seinem Stammplatz an der Bar des Mülheimer Hotels „Handelshof“. Durch einen neuen Schnitt liege der Fokus nun „mit aller Gewalt auf der jüdischen Geschichte“. Es gehe nur noch darum, wie Hitler gesehen werden solle: Nämlich als Schwächling. „Das ist mir zu profan“ polterte Schneider. „Jetzt gefällt mir der Film nicht mehr, weil er nichts mehr aufreißt.“

Produzent gelassen

Ein Paukenschlag, mit denen der Entertainer Schneider womöglich nur die lästigen Fragen beenden wollte, die sich seit Wochen nur noch um seine Schauspiel-Rolle als Adolf Hitler drehten. Selbst bei der Vorstellung seines neuen Bühnenprogramms „I brake together“ hörten die ihm immer lästiger fallenden Fragen nicht auf. „Jetzt soll ich für den Film als einziger Reklame laufen, hab ich das Gefühl“, beschwerte sich Schneider in der Schweizer Boulevardzeitung „Sonntagsblick“. Da macht er doch lieber das Gegenteil: „Und außerdem will ich von dem Hitler-Quatsch nix mehr hören. Ich bin froh wieder zu Hause zu sein, auf der Bühne.“

Dabei hätte er nur vor der Zusage an Regisseur Dani Levy, die Rolle des Hitler zu übernehmen, auf sich selbst hören müssen. „Musik ja, Buch ja - Theater nein, Film nein“, hatte das Multitalent zu seinem 50. Geburtstag künftige Selbstbeschränkung auf zwei künstlerische Felder gelobt. Doch dann war das Angebot Levys doch zu verlockend. „Die Rolle ist mir nun mal auf den Leib geschrieben. Kann ich auch nix für“, lautet seine lapidare Erklärung.

Den Produzenten Stefan Arndt von X Filme kann Schneider mit seiner derben Provokation jedenfalls nicht schocken. Schneider habe „nach anstrengenden Arbeiten an seiner neuen Bühnenshow, neuen Platte und neuem Buch, und nach unglaublich vielen Interviews und Presseterminen, in denen es immer zuerst um seine Rolle in „Mein Führer“ ging, offensichtlich ein wenig Abstand von seiner Kinorolle“ gebraucht. Er zeigte dafür „vollstes Verständnis“. „Wir sind sicher, dass Helge Schneider seine großartige Leistung in diesem Film inzwischen wieder entspannter sieht.“ Arndt meinte, Schneider spiele in der Komödie eine Rolle - und das unglaublich gut. „Trotzdem ist „Mein Führer“ kein Helge-Schneider-Film im bisherigen Sinne, sondern ein Dani Levy Film.“

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