Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.04.2015

10:06 Uhr

Kinos verzichten auf Avengers

Aufstand gegen Disney

Es ist ein Kampf David gegen Goliath: Rund 700 kleine Kinos in Deutschland machen mobil gegen den großen Disney-Konzern. Aus Protest gegen die Preispolitik der Amerikaner wollen sie den neuen „Avengers“-Film nicht zeigen.

Disney-Manager Dave Hollis präsentierte den Film am Mittwoch „Avengers: Age of Ultron“ in Las Vegas. ap

Ankündigung

Disney-Manager Dave Hollis präsentierte den Film am Mittwoch „Avengers: Age of Ultron“ in Las Vegas.

DüsseldorfSie sind das ultimative Traum-Team im bunten wie weiten Universum amerikanischer Superhelden: Die „Avengers“ aus dem Hause Marvel, die 2012 in einem eigenen Film die Welt vor dem Untergang bewahren durften. Fast auf den Tag genau drei Jahre nach diesem ersten „Avengers“-Spektakel kommt nun die Fortsetzung ins Kino: „Avengers: Age of Ultron“.

Das Stück hat weltweit eine große Fangemeinde. Selbst bei einem Budget von geschätzten 250 Millionen US-Dollar ist es keine Selbstverständlichkeit, dass eine Comic-Adaption über zweieinhalb Stunden unterhält. Die „Avengers“ haben bereits beim ersten Teil bewiesen, dass man mit Action, Humor, Spannung, Gefühl und intelligenten Dialogen auch 140 Minuten füllen kann.

Dennoch verzichten fast 700 Kinos in Deutschland darauf, den Film zu zeigen. Der Grund: Die Kinobetreiber wollen so gegen die Preispolitik des Disney-Konzerns protestieren, der die Verleihmiete für den Streifen für Kleinstadtkinos auf dem Land von 47,7 auf 53 Prozent pro verkaufter Eintrittskarte angehoben hat.

„Die Entscheidung ist getroffen, und dabei bleibt es“, sagte Kinobetreiber Karl-Heinz Meier aus dem niedersächsischen Quernheim bei Diepholz. Bundesweit beteiligen sich seinen Angaben zufolge 686 Kinos in 193 Orten an dem Boykott. Meier ist Sprecher der „I.G. Nord“, einem Zusammenschluss von Kinobetreibern aus Norddeutschland.

Worum es in dem Film geht

Die Handlung

Es soll das größte Superhelden-Treffen aller Zeiten sein. Mit dabei sind die legendären Superhelden Iron Man, Der unglaubliche Hulk, Thor, Captain America, Hawkeye und Black Widow. Als wie aus dem Nichts ein Feind auftaucht und die Sicherheit der ganzen Welt in Gefahr bringt, muss Nick Fury, Chef der internationalen Organisation zur Sicherung des Friedens, genannt S.H.I.E.L.D., ein Team zusammenstellen, um die Welt vor dem sicheren Untergang zu bewahren. Rund um den Globus läuft eine Suche nach Superhelden an.

Die Hauptdarsteller

Fast auf den Tag genau drei Jahre nach dem ersten „Avengers“-Spektakel kommt die Fortsetzung ins Kino. Die meisten Fans dürfte es freuen, dass sich weder am Regie-Pult (Joss Whedon), noch bei der Besetzung der Hauptdarsteller etwas getan hat: So schlüpft Scarlett Johansson erneut ins schwarze Kostüm der Black Widow, verwandelt sich Mark Ruffalo erneut in den grünen Riesen Hulk, darf Jeremy Renner ein weiteres Mal als Hawkeye seinen Bogen spannen.

Quelle: dpa

Talentierte Darsteller

Die „Avengers“ leben aber auch von den schauspielerischen Leistungen so talentierter Darsteller wie Samuel L. Jackson, Ruffalo oder Downey Jr., von gewitzten, tatsächlich originellen Dialogen und einem Zusammenspiel, das immer wieder für Lacher sorgt. So in einer Szene, in der fast alle Avengers der Reihe nach probieren, Thors mächtigen Hammer hochzuheben, um sämtlich daran zu scheitern.

Die Nebenrollen

Zum tollen Darsteller-Ensemble gesellen sich Elizabeth Olsen (als Scarlet Witch), Paul Bettany (als Superheld Vision) sowie, als Überraschung, in kurzen Szenen Andy Serkis („Planet der Affen“) und Julie Delpy („Before Sunrise“).

Einladung zum Philosophieren

In Rückblenden erfahren die Zuschauer einiges aus der Vergangenheit der Helden, und auch für rührende Momente ist gesorgt: Bruce Banner alias Hulk und Black Widow kommen sich näher. Wie jedes ambitionierte Superhelden-Stück lädt auch „Avengers: Age of Ultron“ zum Philosophieren ein. Über die Frage etwa, ob der Mensch dazu neigt, das zu erschaffen, was er am meisten fürchtet.

Das Budget

Selbst bei einem Budget von geschätzten 250 Millionen US-Dollar ist es keine Selbstverständlichkeit, dass eine Comic-Adaption über zweieinhalb Stunden unterhält. Vielen der unzähligen Superheldenspektakel der vergangenen Jahre gelang dies nicht einmal über 90 Minuten. Die „Avengers“ aber haben bereits beim ersten Teil bewiesen, dass man mit Action, Humor, Spannung, Gefühl und intelligenten Dialogen auch 140 Minuten füllen kann. Mit Einschränkungen gilt dies auch für die Fortsetzung

Die Fortsetzung

Auf eine weitere Fortsetzung müssen Fans nun wohl erneut drei Jahre warten, fürs Frühjahr 2018 ist ein dritter Teil, „Avengers: Infinity War Part 1“, angekündigt. Der vierte allerdings soll 2019 folgen.

Nach der Umrüstung auf digitale Projektionstechnik und der Einführung des Mindestlohnes befürchten die mittelständischen Kinobetreiber eine weitere Kostensteigerung durch die Verleiher. „Unser Angebot an Disney war: Bei 50 Prozent würden wir spielen“, sagte Meier. Das sei noch tragbar aus Sicht der Kinos in der Provinz.

Bei schlechteren Konditionen befürchte er ein Kinosterben in der Fläche. Er habe auch Unterstützung aus den großen Kinoketten bekommen. „Sie würden uns gerne unterstützen, können es aber nicht, aus vertraglichen Gründen“, sagte Meier.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Helmut Metz

23.04.2015, 10:48 Uhr

Panem et Circenses...
Die "Spiele"-Produzenten müssen halt selber immer mehr Gigantomanie aufbieten (die Kosten für die "Special Effects" mancher Hollywood -Filme werden vermutlich bald das BSP mancher Kleinstaaten übertreffen), um die Masse weiter ablenken zu können. Auch eine Folge der Reizüberflutung...
Das einzig Gute daran ist: irgendwann werden die Filme halt so teuer, dass die Dumpfmasse sich den Eintritt nicht mehr leisten kann.
Dabei gibt es jenseits von Hollywood wunderbare Filme, die bestens (und sogar anspruchsvoll) unterhalten - und die Produktionskosten betragen auch nur einen Bruchteil.
Aktueller Tipp: der österreichische Film "Das ewige Leben" mit Josef Hader. Spannend, brillant und urkomisch...

Herr Josef Schmidt

23.04.2015, 12:11 Uhr

Für solchen Müll aus Hollywood soll ich auch noch bezahlen ? Ich würde es mir nicht mal gratis in der Werbepause ansehen.

Da schaue ich lieber Schneewittchen und die sieben Zwerge aus 1937 an.

Herr Julius Ceasen

23.04.2015, 12:41 Uhr

Was für Kommentare... anscheinend gibt es aber eine Nachfrage für diese Filme. Das ist simple Unterhaltung und nichts aber auch rein gar nichts kritikwürdiges dran. Soll doch jeder selbst entscheiden, dafür ist der Markt doch da. Schließlich bietet er ja auch Produkte für paranoide Phrasenzitierer und Vorkriegsfetischisten. Der von 1937 ist übrigens auch Hollywood-Müll.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×