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25.06.2011

13:11 Uhr

Klassische Moderne

Die Helden von London

VonMatthias Thibaut

Die Helden der Londoner Moderne-Auktionen sind Egon Schiele, Pablo Picasso, August Macke und Paul Klee. Die Impressionisten bleiben hinter den Geboten für die Werke dieser Künstler zurück.

24, 6 Millionen Pfund hat ein Bieter für Egon Schieles „Häuser mit bunter Wäsche“ gezahlt. Quelle: Sotheby's

24, 6 Millionen Pfund hat ein Bieter für Egon Schieles „Häuser mit bunter Wäsche“ gezahlt.

LondonEgon Schieles „Häuser mit bunter Wäsche“ wurde wie geplant das Los der Woche, als es bei Sotheby’s vielleicht ein oder zwei Schritte über dem geheimen, „unwiderruflichen Vorausgebot“ einem wohl russischen Telefonbieter zugeschlagen wurde. Der Preis lag bei 24,6 Millionen Pfund oder 27,6 Millionen Euro, ein Rekord. Vier dieser Landschaften kamen seit 2001 auf den Markt, und jedes Mal gab es einen Höchstpreis.

Dem einliefernden Wiener Leopold Museum bleibt also ein bisschen Geld in der Kasse, wenn die Restitutionskosten für Klimts Porträt „Wally“ bezahlt sind, für deren rechtmäßigen Rückkauf der Erlös bestimmt ist. Auktionsteilnehmer wurden mit Flugblättern der jüdischen Gemeinde Wien an den Streit um Schieles „Häuser am Meer“ erinnert. Erben der Wiener Sammlerin Jenny Steiner fordern diese Beutekunst seit einem Jahrzehnt von der Leopold Stiftung zurück. Aber anders als die Vorstadthäuser sind die „Häuser am Meer“ für die Stiftung offenbar „unverzichtbar“.

Sotheby’s Auktion war knapp bestückt und reibungslos. Man brachte 35 Lose unter den Hammer und nahm dafür mit drei verkraftbaren Rückgängen 96 Millionen Pfund ein. Christie’s hatte das Publikum am Abend zuvor mit 92 Losen malträtiert, von denen 80 Werke für 140 Millionen Pfund verkauft wurden, ein mit Sitzfleisch erkaufter, aber glänzender Erfolg.

Christie’s hatte die Sammlung des Kunsthändlers Ernst Beyeler auszurufen, die Marathonsitzung dann aber durch Arbeiten gestreckt, bei denen man darüber streiten kann, ob sie durch den festlichen Abendrahmen beflügelt wurden oder in der Tagauktion mehr Aufmerksamkeit gehabt hätten. Tatsache ist, dass der durchschnittliche Lospreis bei Christie’s 1,75 Millionen Pfund, bei Sotheby’s aber über 3 Millionen Pfund war.

Strahlkraft fehlte bei Christie’s aber nicht: Drei große Picassos und eine Reihe richtungsweisender Rekordpreise, unter denen ein Tunesien-Aquarell von August Macke mit 3,9 Millionen Pfund und der Rekord für Paul Klees Ölgemälde „Tänzerin“ mit 4,2 Millionen Pfund herausragten. Kunst ist begehrt und teuer. Über 50 Lose wurden für über eine Million Pfund verkauft.

Die Moderne überragt den Impressionismus haushoch, aber in allen Sparten gibt es Ausnahmewerke, bei denen die Bieter nicht lockerlassen. Spitzenkunst wird mit Augenmaß und Verstand gekauft. Angebot und Nachfrage scheinen in einem stabilen Verhältnis, und die Preise sind in einem reibungslos schnurrenden Markt berechenbar. Alle sind happy.

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