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29.11.2013

17:09 Uhr

Klassische Moderne

Ertragreiche Seitenwege, neue Strategien

VonSabine Spindler

Ketterer setzt hohe Erwartungen in eine Strandszene von Hermann Max Pechstein. Den Sammlernachwuchs spricht das Münchner Auktionshaus mit einem Extra-Katalog für die jüngere Malergeneration an. Robert Ketterer möchte in Deutschland die Adresse für den Zweitmarkt der Gegenwartskunst werden.

Willy Robert Huths Pastell "Straßenszene" aus den 1920er-Jahren ist geschätzt auf 5.000 bis 7.000 Euro. (Ausschnitt) Ketterer Kunst, München

Willy Robert Huths Pastell "Straßenszene" aus den 1920er-Jahren ist geschätzt auf 5.000 bis 7.000 Euro. (Ausschnitt)

MünchenMit Gemälden von Hermann Max Pechstein hat man bei Ketterer gute Erfahrungen gemacht. Erst vor zwei Jahren setzte der Münchner Versteigerer eine Rekordmarke für diesen Expressionisten, als für das „Weib mit Inder auf Teppich“ (1910) 3,5 Millionen Euro (inkl. Aufgeld) erlöst wurden. Für seine Auktion mit klassischer Moderne am 6. Dezember kündigt Ketterer wieder ein exzeptionelles Pechstein-Werk an, eine kantige, expressionistische Badeszene mit seiner Frau. Die letzten zehn Jahre hing das 1919 gemalte Bild als Leihgabe eines Berliner Sammlers im Kunstmuseum Bonn. Nun ist ein Millionenerlös anvisiert. Die Schätzung liegt bei 800.000 bis 1,2 Millionen Euro.

Ketterers Angebot an Klassischer Moderne ist wie gewohnt gespickt mit Werken großer Namen; unter ihnen Gabriele Münter, Max Klinger, Karl Hofer und Hans Purrmann. Unter den knapp 100 ausgewählten Werken findet sich auch manche Seltenheit auf dem Markt. Etwa ein 1915 entstandenes, zartes Aquarell Wassily Kandinskys, in dem sich seine Affinität zu Musik und Rhythmus widerspiegelt. Die untere Taxe liegt bei 180.000 Euro.

Keine Dutzendware

Auch Schlemmer-Gemälde muss man gewöhnlich suchen. 1929, im letzten Jahr seiner Bauhaus-Zeit, malte er die biomorph reduzierte „Figur auf grauem Grund“. Sie ist mit 240.00 bis 280.000 Euro bewertet. Ebenfalls keine Dutzendware sind die großen Papierarbeiten „Presseball in Berlin“ von George Grosz (Taxe 50.000 bis 70.000 Euro) und die collagenhafte, groteske Reflexion „Börsenspekulanten“ von Otto Dix (100.000 bis 150.000 Euro), exemplarische Sittenbilder der Weimarer Republik.

Wie sehr der Auktionsmarkt nach immer neuen Strategien sucht, verdeutlichen ein Jubiläum und der Extra-Katalog für die aktuelle Kunstszene. Zum zehnten Mal offeriert Ketterer die Spezialauktion „Seitenwege der deutschen Avantgarde“. Glanzstücke sind diesmal Max Schwimmers explosives Aquarell „Kopf“ von 1919 mit einer unteren Taxe von 4.000 Euro und eine vom starken Kolorit lebende New Yorker Straßenszene von Ernst Geitlinger (Taxe 7.000 Euro).

Ziel der „Seitenwege“-Auktion ist es, vergessene und zu Unrecht unterbewertete Moderne-Künstler auf angemessene Marktpositionen zu heben. Bei manchen ist das gelungen. Walter Gramatté, Willy Jaeckel, aber auch Christian Arnold spielen heute mit ihren besten Werken in der fünfstelligen Preisliga mit. „Mission erfüllt“, resümierte Robert Ketterer im Gespräch mit dem Handelsblatt.

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