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16.06.2011

15:51 Uhr

Klassische Moderne

Marathon der Spitzenwerke

VonMatthias Thibaut

Seit Jahren waren die Sommerauktionen in London nicht mehr so durchgehend qualitätvoll bestückt. Im Zentrum der Moderne-Offerte stehen Bilder aus dem Nachlass Beyeler.

Claude Monets "Nymphéas" (1916 bis 1919) aus dem Nachlass Beyeler hat Christie's auf 17 bis 24 Millionen Pfund geschätzt. (Ausschnitt) Quelle: Pressefoto Christie's

Claude Monets "Nymphéas" (1916 bis 1919) aus dem Nachlass Beyeler hat Christie's auf 17 bis 24 Millionen Pfund geschätzt. (Ausschnitt)

LondonMit dem spanischen Landhaustisch des Kunsthändlers Ernst Beyelers eröffnet Christie’s am 21. Juni die Abendauktion moderner Kunst und gleichzeitig eine dreiwöchige Auktionssaison, die es in sich hat. „Es ist die außergewöhnlichste Ansammlung von Meisterwerken, die ich in meiner 25-jährigen Laufbahn bei Christie’s gesehen habe“, schwärmte Christie’s Europa- und Asien-Präsident Jussi Pylkännen, als er eine Ausstellung der Highlights in der King Street eröffnete.
In der kontrastreichen Ausstellung zeigte Christie’s u.a. eine frühe Studie Michelangelos aus den Vorzeichnungen der Schlacht von Cascina, die auf drei bis fünf Millionen Pfund geschätzt ist. Bemerkenswert sind auch die in einem deutschen Schlossgarten entdeckte Brunnenskulptur des Adrian de Vries (Taxe fünf bis acht Millionen Pfund) und der silberne Deckenlüster „Hanover Chandelier“, den der Silbersammler Muhammed Mahdi al Tajir 1993 für 2,3 Millionen Pfund aus der Sammlung Givenchy kaufte. Der Lüster wird in der neuen Sonderauktion „Außergewöhnliche Meisterwerke 2011“ im Juli versteigert. Herausragend sind außerdem ein auf 20 Millionen Pfund geschätztes Pferdebild von George Stubbs und, als Höhepunkt der Sammlung Beyeler, Monets großes Seerosenbild von 1917 mit einer Schätzung von 17 bis 24 Millionen Pfund.

Kommt am 6. Juli bei Sotheby's in London unter den Hammer: Francesco Guardis Venedig-Vedute. '(Ausschnitt) Quelle: Sotheby's

Kommt am 6. Juli bei Sotheby's in London unter den Hammer: Francesco Guardis Venedig-Vedute. '(Ausschnitt)

Sotheby's Zugpferd ist ein Schiele aus der Sammlung Leopold

Auch Sotheby’s hat starkes Material. So wird hier Anfang Juli eine zwei Meter breite Venedigvedute von Francesco Guardi zum Schätzwert von 15 bis 25 Millionen Pfund versteigert. Bei den Contemporary-Auktionen Ende Juni steht als Höhepunkt die Sammlung des Finanziers Christian Graf Dürckheim mit deutscher Kunst der sechziger Jahre an. Sie enthält wichtige Baselitz-Gemälde und Polkes bisher größtes und wichtigstes Rasterbild der Auktionsgeschichte, „Dschungel“ von 1967 (drei bis vier Millionen Pfund) . Bei den Moderne-Auktionen der nächsten Woche ist Egon Schieles Landschaftsbild „Häuser mit bunter Wäsche“ aus dem Leopold Museum mit 22 bis 30 Millionen Pfund Sotheby’s Zugpferd. Das Volumen der gesamten Serie wird 500 Millionen Pfund deutlich übersteigen.

Der Beyeler-Nachlass ist maßvoll geschätzt
Kern der Moderneauktionen ist der private und berufliche Nachlass des Baseler Starhändlers Beyeler, verkauft zugunsten seiner Fondation. Die wichtigsten 40 Lose werden in Christie’s Abendauktion angeboten, einem Marathon von 92 Losen. Die Beyeler-Gesamtschätzung von 50 Millionen Pfund ist maßvoll, auch weil es sich letztlich um Händlerware handelt. Der riskanteste Posten ist das Seerosenbild von Monet aus den Jahren 1914 bis 1917, das mit einer Schätzung von 17 bis 24 Millionen Pfund schon die Hälfte des Gesamtvolumens hat. Beyeler kaufte das Bild 1981, als Monets Spätwerk in seiner wegweisenden Modernität gerade entdeckt wurde. Seither spielte es bei zahllosen Monet-Ausstellungen, zuletzt 2010 in der Kommerzgalerie Larry Gagosian, eine tragende Rolle. Unverkauft blieb es auch deshalb wohl, weil Beyeler sich nicht gerne von ihm trennnen wollte.

Sotheby's hat am 22. Juni Tamara de Lempickas "La Dormeuse" in der Auktion. (Ausschnitt) Quelle: VG Bild-Kunst / Sotheby's

Sotheby's hat am 22. Juni Tamara de Lempickas "La Dormeuse" in der Auktion. (Ausschnitt)

Eines der besten Kokoschka-Porträts

Andere Beyeler-Bilder sind klar auf Verkauf taxiert: Gleich nach dem Monet etwa kommt eines der besten Kokoschka-Porträts seit langem auf den Markt, das 1944 bis 1947 im expressionistischen Spätstil gemalte Porträt von Kathleen, der Gräfin von Drogheda. Es ist auf nur 200.000 bis 300.000 Pfund geschätzt. Zum Vergleich: Kokoschkas Porträt Rachel Bondi, das letzte Los der Auktion aus anderer Einlieferung und schon 1930 gemalt, kostet 350.000 bis 450.000 Pfund.
Von den zehn Spitzenlosen der Abendauktikon stammt die Hälfte von Beyeler, darunter Picassos Gemälde „Buste de Françoise“ (sieben bis zehn Millionen Pfund) und eine Landschaft von Paul Gauguins erster Tahitireise, „Le Vallon“, die auf 5,5 bis 8,5 Millionen Pfund taxiert ist. Aus anderer Quelle stammt Christie’s zweites Spitzenlos, Picassos Darstellung von Marie Thérèse, „Jeune fille endormie“ (1935), 2010 der Universität Sydney vermacht, die neun bis zwölf Millionen Pfund haben will. Die Schätzung ist vor allem dadurch begründet, dass das Werk in die von „Le Réve“ und „Le Miróir“ angeführte Gruppe der zurzeit beliebtesten und teuersten Picasso-Werke gehört. Picassos auf vier bis acht Millionen Pfund geschätzte „Femme assise, robe bleue“ hat eine indirekte Beyeler-Provenienz: Der Händler hatte es 1966 der Familie der Einlieferer verkauft.

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