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31.01.2013

10:39 Uhr

Klassische Moderne

Musen der Maler

VonMatthias Thibaut

London ist gut gerüstet für seine Moderne-Auktionen in der kommenden Woche. Das Angebot enthält viele marktfrische Werke – trotz der Verknappung der Ware. Sotheby’s und Christie’s erwarten allein für die Abendauktionen mindestens 200 Millionen Pfund.

Amedeo Modigliani: "Jeanne Hébuterne (Au chapeau)", 1919, Schätzpreis 16 bis 22 Millionen Pfund. (Ausschnitt) Christie's

Amedeo Modigliani: "Jeanne Hébuterne (Au chapeau)", 1919, Schätzpreis 16 bis 22 Millionen Pfund. (Ausschnitt)

LondonVier der zehn teuersten Gemälde Picassos stammen von 1932 und stellen seine geheime Liebe Marie Thérèse Walter dar, darunter das 2010 für 106 Millionen Dollar versteigerte Bildnis „Nude, green Leaves and Bust“, auf dem sie als liegender Akt und als Studioskulptur vorkommt. Diese erscheint auch im Stillleben „Nature morte aux tulip“, das im November für 41,5 Millionen Dollar verkauft wurde. Nächste Woche wird „Femme Assise près d’une fenêtre“ als Spitzenlos der Londoner Moderneauktionen zu der Gruppe stoßen. Es ist bei Sotheby’s mit einer Taxe von 25 bis 35 Millionen Pfund und einer Verkaufsgarantie versehen, wird also mit Sicherheit einen Hammerpreis über 40 Millionen Dollar einspielen.

Zuletzt war die „Sitzende Frau am Fenster“ bei Larry Gagosian in New York in einer Ausstellung zu sehen, die Picassos Beziehung mit Marie Thérèse unter dem Titel „L’amour Fou“ zelebrierte. Die Mythenschöpfer des Kunstmarkts vermögen viel. Als das Bild mit seinen schwungvollen Linien, klaren Farbflächen und den plumpen Armen Marie Thérèses 1997 zum letzten Mal versteigert wurde, brachte es 6,8 Millionen Dollar, weniger als die damalige Schätzung.

Marktfrisches Angebot

Marie Thérèse ist nicht die einzige Künstlermuse, die in den Londoner Auktionen bezaubern wird. Bei Christie’s ist Amedeo Modiglianis Porträt von „Jean Hébuterne (au chapeau)“ das Spitzenlos. Modigliani hat die viel geplagte Jeanne mit ähnlich dauerhafter Hingabe gemalt wie Picasso Marie Thérèse. Das Bild ging durch die Hände großer Sammler, angefangen mit Modiglianis erstem Händler Léopold Zborowski. Bei seinem letzten Auktionsauftritt  2005 bei Sotheby’s spielte es 16,3 Millionen Pfund ein. Daran knüpft Christie’s Schätzung nun mit 16 bis 22 Millionen Pfund an.

Auch sonst sind die Londoner Moderne Auktionen stärker besetzt denn je. Es dürfte eine großartige Woche geben. Die Auswahl ist noch mehr auf die Heroen der Moderne konzentriert, auf das Teuerste vom Teuren, ergänzt durch eingesprengte Impressionisten und einen beachtlichen Auftritt surrealistischer Kunst.

Viele Arbeiten sind marktfrisch, keine Selbstverständlichkeit, denn die Verknappung der Ware ist längst zu spüren. Sotheby’s versteigert allein in der Abendauktion 61 Lose für eine untere Gesamtschätzung von 103 Millionen Pfund; Christie’s hat für 78 Lose mindestens 93 Millionen Pfund angesetzt. Zusammen mit den Tagauktionen soll der Wochenumsatz für Moderne Kunst nach der unteren Schätzung beachtliche 235 Millionen Pfund betragen.

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