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24.10.2011

09:45 Uhr

Klassische Moderne

Schrankenlose Freiheit

VonChristiane Fricke

Hannah Höch und Sophie Taeuber-Arp spielen bedeutende Rollen als Impulsgeber der europäischen Avantgarde. Auf dem Kunstmarkt fallen sie nicht so ins Gewicht. Karriere haben sie vor allem als Netzwerkerinnen gemacht.

Hannah Höch, Siebenmeilenstiefel, um 1934, Photomontage, Leihgabe der Hamburger Kunsthalle. Quelle: "obs/Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen". (Ausschnitt) obs

Hannah Höch, Siebenmeilenstiefel, um 1934, Photomontage, Leihgabe der Hamburger Kunsthalle. Quelle: "obs/Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen". (Ausschnitt)

Düsseldorf.Hannah Höch hat an den wichtigen Ausstellungen der Avantgarde zwischen 1919 und 1936 teilgenommen. Aber sie stand nicht auf der Liste der Nazis, die 1937 die öffentlichen Sammlungen für ihre Ausstellung „Entartete Kunst“ durchforsteten. Warum? Die Antwort enthüllt das Dilemma, das mit ihr eine ganze Generation von Künstlerinnen teilte. Sie waren erfolgreich, auch gegen den Widerstand männlicher Kollegen, und schafften es dennoch nicht in die Museen.

Künstlerinnen wie Höch (1889-1978) oder Sophie Taeuber-Arp (1889-1943) sind auch in der an Hauptwerken der Moderne so reichen Düsseldorfer Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen nicht vertreten. Und sie sind kein Einzelfall. „Wie war es dazu gekommen, dass die weibliche Moderne aus dem Kanon verschwand“, fragt nun die renommierte Landessammlung in ihrer soeben anlaufenden Ausstellung „Die andere Seite des Mondes“.

Medienübergreifende Arbeit

Auf acht erstaunlich gut vernetzte Pionierinnen der Avantgarde im Europa der 1920er- und 1930er-Jahre lenkt die Kunstsammlung ihren Blick, und auf Oeuvres, die eines vor allem auszeichnet: den Mut, von Männern noch nicht besetzte neue Medien und Ausdrucksformen wie die Fotocollage und den Tanz auszuloten, kunsthandwerkliches Know-how zu nutzen und medienübergreifend zu arbeiten.

Das Lebenswerk von Höch und Taeuber-Arp ist für diese offene, experimentierfreudige Haltung beispielhaft. Ihre Parallelen findet sie in der weiblichen Avantgarde der siebziger Jahre, in Künstlerinnen, die wie Katharina Sieverding mit der Fotografie oder mit Video arbeiten wie Ulrike Rosenbach oder Friederike Pezold. Ein halbes Jahrhundert früher spielt Hannah Höch den Ingenieur, greift zu Schere statt zum Pinsel, um aus dem Zerschnittenen neue Bildwelten zu montieren. Taeuber-Arp arbeitet wie ein Architekt mit Raum und Proportion, indem sie monochrome quadratische und rechteckige Farbfelder aufeinander stoßen lässt.

Nicht festgelegt auf einen Stil

Höch legt sich früh fest. Aber eben nicht auf einen Stil. Der Kunsthistoriker Ralf Burmeister, Leiter der Künstlerarchive in der Berlinischen Galerie, bezeichnet sie deshalb auch als eine „Stilpluralistin“ und erinnert an ihr früh formuliertes Motto, das sie auf eine ihrer ersten Fotocollagen schrieb: „Schrankenlose Freiheit für Hannah Höch“. Aus marktstrategischer Sicht wird ihr diese Haltung zum Verhängnis und sie weiß das. „Ich habe alles gemacht und mich um Handschrift und Merkmal nie gekümmert“, äußert Höch gegenüber dem Kunstkritiker Heinz Ohff, der 1968 die erste Monographie über sie verfasste.

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