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28.10.2013

20:06 Uhr

KMM & Nockherberg-Messe

Abstimmung mit den Füßen

Kunst- und Antiquitätensammler zeigen dem ersten von zwei Messeterminen in München die kalte Schulter. Sowohl die Kunst-Messe München wie die Messe am Nockherberg zählen weniger als 10.000 Besucher.

Zucker knabbernder Halsbandsittich, Kändler Modell von 1741, Ausformung um 1745, auf der Kunst-Messe München im Postpalast. (Ausschnitt) Langeloh Porcelain, Weinheim

Zucker knabbernder Halsbandsittich, Kändler Modell von 1741, Ausformung um 1745, auf der Kunst-Messe München im Postpalast. (Ausschnitt)

MünchenEs war erschreckend leise. Der übliche Geräuschpegel der Geschäftigkeit aus Kommen und Gehen, Plaudern und Lachen fehlte völlig. Die Abwesenheit von Kunstsammlern und Flaneuren prägte am Freitagnachmittag auf der 58. „Kunst-Messe München“ (KMM) im Postpalast den ersten Eindruck. Doch der sollte sich im Laufe von drei Stunden nicht mehr ändern. Tilman Bohm bringt es auf den Punkt: „Es kommen nur halb so viel Besucher wie letztes Jahr,“ sagt der Gemäldehändler bitter enttäuscht. Er hatte in den letzten drei Jahren an gleicher Stelle zusammen mit Albrecht Neuhaus (1936 - 2013) ausgestellt. Bohm vermisst zahlreiche Sammler  von auswärts, die nicht  im Oktober zur KMM und  89. „Kunst & Antiquitäten München“ anreisen möchten, um im November zu den „Highlights“ und der neuen „Classix“-Messe wiederzukommen. „Große Entscheidungen werden hinausgezögert,“ beobachte Bohm die Taktik jener Sammler, die Messen immer noch als Plattform für Vergleichsmöglichkeiten vor dem Ankauf verstehen. „Im Vergleich zu den letzten Jahren ist das ein deutlicher Einbruch, auch bei den anderen Händlern.“

Lange Bedenkzeiten

Die Abstimmung mit den Füßen bestätigt auch die am Montag ausgesendete Pressemitteilung der KMM, die die verheerend kleine Zahl von nur 8.500 Besuchern für den attraktiv bespielten Rundbau in zehn Tagen nennt. Beim Biedermeier-Händler Roatzsch war noch keine Transaktion getätigt, „Möbel brauchen Bedenkzeit“, lautete die Sprachregelung. Thomas Schneider hatte zwar schon zwei Bronzen und ein Gemälde des 19. Jahrhunderts abgegeben, hoffte aber auf weitere entschlossene Besucher, wie auch Frank Knothe von Augustus Rex, bei dem gewichtigere Stücke „noch in der Pipeline“ waren. Walter Senger betonte im Gespräch die Verkäufe vor der Messe.

Wenzel Hollar: "Neues, Blumen, Frucht und Thier Büchlein", 1676, Kupferstichserie auf der Messe "Kunst & Antiquitäten München". (Ausschnitt) Kunstkabinett Strehler

Wenzel Hollar: "Neues, Blumen, Frucht und Thier Büchlein", 1676, Kupferstichserie auf der Messe "Kunst & Antiquitäten München". (Ausschnitt)

Dreimal hätten die Mitarbeiter von De Eenhoorn aus dem holländischen Zaltbommel das im Katalog abgebildete spätgotische Holzrelief „Jesu mit Schriftgelehrten“ verkaufen können. Außer diesem Nussbaumrelief, einem Paar Armsessel und einer alpenländischen Madonna blieben aber zu viele der originellen Wunderkammerstücke zwischen 100 und 100.000 Euro ohne Nachfrage.

Verlässliche Stammkunden

Wie immer auf Messen gibt es Erfolgreiche und weniger glückliche Aussteller. Zu der Handvoll Händler  im Postpalast, die zufrieden auf die Verkäufe zurückschauen können, zählt Friedel Kirsch von Langeloh Porcelain. Die Weinheimerin macht nur eine Messe im Jahr und hat ein treues Publikum. Das erwarb nicht nur das attraktive Paar  Meissener Halsbandsittiche, sondern auch Koppchen vom ersten Meissener Wappenservice, dem zur Hochzeit des Grafen von Lagnasco, Fayencen, Geschirrteile, eine große Gärtner-Figur und eine kleine Augustus Rex-Vase.  Von Stammkunden zehrte nach eigenen Angaben auch der Kunsthandel Härtl. Die Bamberger verkauften ein Flora-Relief, Konsolen, ein Paar Capricci und eine Kommode. Eric Meletta traf mit ausgefallenen Exponaten den Geschmack seiner Kunden: mit einem US-Stahlschreibtisch, einer fabelhaften Giebelfigur vom Rathaus in Manchester und einem Spiegel in Form einer strahlenden Sonne. Petra Koch fand u.a. Abnehmer für frühe Piene-Arbeiten und ein Nagel-Relief von Günther Uecker.

Dass das Auseinanderdriften der Termine ein Fehler war, der dem früher gestarteten Messeduo schadete, war im Postpalast wie auch auf der Kunst & Antiquitäten auf dem Nockherberg zu hören. Einhelliger Tenor: 2014 müssen die Termine wieder überlappend zusammengelegt werden.

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