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07.09.2013

17:58 Uhr

Knoedler Gallery

Gespielte Ahnungslosigkeit  

VonBarbara Kutscher

In der Knoedler-Fälschungsaffaire um 63 Gemälde des Abstrakten Expressionismus sind die Strippenzieher und der fälschende Maler benannt geworden. Auch die Provenienzen waren gefälscht.

Glafira Rosales: Beschuldigt, die gefälschten abstrakten Expressionisten verkauft zu haben. www.artmarketmonitor.com

Glafira Rosales: Beschuldigt, die gefälschten abstrakten Expressionisten verkauft zu haben.

New YorkLangsam wird jetzt das gewaltige Ausmaß des im Dezember 2011 losgetretenen New Yorker Fälschungsskandals sichtbar. Es geht um Bilder so bekannter wie hoch bewerteter Helden des Abstrakten Expressionismus: Jackson Pollock, Willem de Kooning, Robert Motherwell, Mark Rothko und Clyfford Still (s. Handelsblatt online 19.12.2011). Laut der Anklageschrift der New Yorker Staatsanwaltschaft hatten die Kunsthändlerin Glafira Rosales, 55, und ihr spanischer Partner Jose Carlos Bergantiños Diaz von 1994 bis 2009 insgesamt um 63 gefälschte Bilder in Umlauf gebracht.

Inzwischen strengten bereits Käufer von acht Werken Klage an gegen die beteiligten Galerien — das sind die mittlerweile geschlossene Knoedler & Company, ihre Muttergesellschaft und Julian Weissman Fine Art. Da fragt man sich, wo ist der Rest der gefälschten Kunstwerke geblieben?

Auch die Dokumente waren gefälscht

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Rosales, gebürtige Mexikanerin mit US-Staatsbürgerschaft, über 15 Jahre etwa 40 Bilder an Knoedler & Co. und weitere 23 Gemälde an Julian Weissman vermittelt zu haben. Weissman ist ein ehemaliger Angestellter der Galerie Knoedler und betreibt seit 1997 seine eigene Galerie im New Yorker Finanzdistrikt. Weder die anonymen Quellen, von denen Rosales ihre „Entdeckungen” bezog, noch ihr weit unter Marktwert liegender Kaufpreis lösten bei den Galerien größeren Alarm aus. Angeblich habe sie ein anonymer Sammler mit Wohnsitzen in der Schweiz und Mexiko mit der Vermittlung von 50 Werken beauftragt, erklärte Rosales damals. Etwa 13 Bilder kämen aus einer spanischen Sammlung, das belegte sie mit gefälschten Kaufdokumenten einer spanischen Galerie.

Ahnungslose Händler

Diese Provenienzen entlarvte das FBI, das seit 2009 ermittelt, inzwischen als fiktiv. Knoedler & Co. bescherten sie jedenfalls angeblich einen saftigen Profit von mindestens 43 Millionen Dollar. Ihr Einstand für etwa 40 Bilder: nur circa 20,7 Millionen Dollar. „Ich hielt diese Gemälde für echt. Die Geschichte war glaubhaft“, verteidigt sich die damalige Knoedler-Präsidentin Ann Freedman jetzt in einem Interview im Wochenmagazin „New York“. „Händler kennen oft nicht die Einzelheiten der Herkunft oder den Hintergrund, oder wie ein Kunstwerk das Studio verlassen hat“.

Dem Staatsanwalt gelang im Mai 2013 ein erster Coup, als er Rosales wegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung verhaften ließ. Sie hätte den weitaus größten Teil ihrer allein zwischen 2006 bis 2008 erlösten Bruttoeinnahmen von 14,7 Millionen Dollar nie versteuert, sondern zum größten Teil auf drei spanische Bankkonten transferiert.

Gefälscht hat ein verkannter Chinese

Zwar kam sie im August gegen eine Kaution von 2,5 Millionen Dollar erst einmal frei. Die jüngste Klageschrift vom 14. August offenbart aber weitere Details des Betrugs: Rosales und Diaz hätten sämtliche Werke von einem namentlich nicht genannten Fälscher aus Queens anfertigen lassen. Diaz alterte sie dann künstlich. Die „New York Times” identifizierte den Maler als Pei-Shen Qian. Der 73-jährige Qian kam 1981 als hoffnungsvoller Künstler in die USA, war aber nie erfolgreich. Diaz entdeckte ihn in Downtown Manhattan, wo Qian seine eigenen Gemälde auf einem Bürgersteig verscherbelte. Wie die Klageschrift darlegt, wurde der Fälscher für seine Dienste jeweils nur mit einigen Tausend Dollar entlohnt. Qian wurde bisher nicht angeklagt und ist offenbar flüchtig. Auch Rosales‘ angeblicher Komplize Diaz hat sich abgesetzt.

Bezirksstaatsanwalt Preet Bharara kommentiert: „Die Anklage zeichnet einen kompletten Betrugszirkel — falsche Gemälde wurden im Auftrag von nicht-existierenden Kunden verkauft, das Geld auf einem versteckten Bankkonto deponiert. Der einzige wahre Teil der Geschichte ist, dass dieser angebliche Betrug verfolgt werden wird“.

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