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07.09.2012

11:35 Uhr

Koller Auktionen

Goya in Zürich

VonChristian von Faber-Castell

Mit einer Sensation startet das Auktionshaus Koller in die Saison. Ein marktfrisches Frühwerk von Goya ist das Hauptlos der Gemälde. Eine Kommode mit Blumenmarketerie der Roentgen-Nachfolge dürfte für Deutsche interessant sein.

27886029 Goya, Lot und seine Töchter (Ausschnitt) Koler Auktionen

27886029 Goya, Lot und seine Töchter (Ausschnitt)

ZürichDie Geschichte wirkt tatsächlich wie eines jener Kunstmarktmärchen, die jeder kennt aber die kaum jemand selbst erlebt hat - mit dem entscheidenden Unterschied, dass es sich hier eben nicht um ein Märchen, sondern um erlebte Wirklichkeit handelt: Als Koller-Chef Cyril Koller und seine Mitarbeiterin Karoline Weser in der ersten Jahreshälfte eine ihnen längst gut bekannte Familie besuchten, um einen Nachlass zu sehen und zu schätzen, war dies noch ganz normale Routine. Manche der Gemälde und anderen Gegenstände kannten sie ja bereits. Doch dann setzte bei beiden das ein, was man gemeinhin als Instinkt oder genauer als erfahrenes, geschultes Auge beschreibt.

Ein Frühwerk von Goya

Das große, qualitätvolle Ölgemälde mit einer typischen alttestamentarischen Szene war den beiden Altmeisterexperten inhaltlich wie stilistisch seltsam vertraut. Um eine spannende, sich langsam vom Verdacht zur Gewissheit entwickelnde Geschichte abzukürzen: Literaturrecherchen machten bald einmal klar, dass es sich dabei um ein bekanntes, aber seit etwa 80 Jahren nicht mehr aufgetauchtes Frühwerk von Francisco de Goya handeln könnte, das der eben erst 25-jährige Künstler nach seiner Rückkehr von einer ersten Italienreise geschaffen hatte. Nach gezielter Suche fand die Besitzerfamilie sogar den Brief eines Experten, der dem Erblasser seinerzeit die Identität des von ihm in den 1920er-Jahren aus einer Privatsammlung in Bilbao erworbenen Meisterwerkes bestätigte.

Was nun folgte war tatsächlich Auktionsroutine und nach weiteren Abklärungen erhielt Koller von der für solche Werke massgebenden spanischen Museumsinstanz schließlich die erlösende Bestätigung, dass es sich sehr wohl um Francisco de Goyas Meisterwerk „Lot und seine Töchter“ handelt. Es zeugt von einem sympathischen Vertrauensverhältnis zwischen der Einliefererfamilie und dem Auktionshaus, dass dieses Werk nicht nur in der Schweiz versteigert wird, sondern dass es dabei sogar mit einer für eine solche Rarität geradezu absurd anmutenden Schätzung von lediglich 600.000 bis 800.000 Schweizer Franken zum Ausruf kommen soll: So kreiert man Aufmerksamkeit und Sensationen!.

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