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25.05.2014

10:44 Uhr

Komikerin Carolin Kebekus

„Die Papst-Nummer war ein harmloser Kindergartenscherz“

VonCaroline Lindekamp

Carolin Kebekus ist eine der bekanntesten weiblichen Comedians. Im Fernsehen wurde sogar einer ihrer Clips abgesetzt - aus Angst vor Fanatikern. Im Handelsblatt-Online-Interview redet sie über Kirche, Kritik und Kinder.

„Pussy Terror“: Auf der Bühne fühlt sie sich wie zuhause, sagt Carolin Kebekus. Manchmal schieße sie dabei etwas übers Ziel hinaus.  Quelle: RTL

„Pussy Terror“: Auf der Bühne fühlt sie sich wie zuhause, sagt Carolin Kebekus. Manchmal schieße sie dabei etwas übers Ziel hinaus.

Quelle: RTL

KölnMit Parodien auf die Pop-Gruppe Tokio Hotel schaffte Carolin Kebekus 2006 den Durchbruch in der Comedy-Szene. Mittlerweile ist die 34-jährige Kölnerin feste Größe in der männerdominierten Branche. Schon seit fast drei Jahren ist Kebekus mit ihrem Soloprogramm „Pussy Terror“ unterwegs; seit 2013 arbeitet sie regelmäßig in der wöchentlichen ZDF-Satire „heute-show“ mit.

„Jesus Christus / So riesig wie ein Airbus /Geb‘ mich nur ihm hin / weil ich seine Bitch bin / Er ist ne Bank / Nur für ihn zieh ich blank / Hier kommt Gottes Wille / Keiner frisst die Pille“. Zeilen aus dem Kirchen-Song, der für reichlich Diskussionsstoff gesorgt hat. Fehlt es in Deutschland an einer mutigen Kritikkultur?
Nein. Ich habe das Gefühl, wir leben in einem Land, wo man sehr viel sagen kann. Dafür bin ich auch sehr dankbar. Bei mir wurde die ganze Kirchengeschichte eigentlich nur von den Medien so aufgebauscht. Von der Kirche hat sich niemand aufgeregt. Das war vorauseilender Gehorsam, weil die Leute Angst hatten, dass sich eventuell jemand beschwert. Von Seiten der Kirche war das einzige, was ich zu dem Video gehört habe, ein Interview mit einem Pastor, der gesagt hat, der Jesus hat schon so viel ausgehalten, dann hält er es auch aus, wenn die Kebekus mal an ihm leckt. Also, ich habe das Gefühl, ich lebe in einem Land, wo ich viel machen kann, was die künstlerische Freiheit angeht. Meine Kunst ist hier geschützt.

Die ganze Debatte brachte natürlich viel Aufmerksamkeit. Wenn er auch nicht im WDR lief, war der Clip im Internet umso mehr ein Klick-Erfolg. Hat es auch genützt?
Das sagen jetzt immer viele. Klar, es hatte natürlich eine Riesenaufmerksamkeit, aber das war nie von mir so gewollt. Im Endeffekt war ich sehr froh, als das wieder abgeebbt ist, denn es gibt natürlich ein paar sehr fanatische Menschen und auch fanatische Christen. Mit denen zu tun zu haben, ist irgendwann nicht mehr lustig gewesen. Auch die Nummer mit Meißner und dem Papst: Das war wirklich ein harmloser Kindergartenscherz. Überleg mal, ich habe ihm eine Bewerbung gegeben als Päpstin. Mehr habe ich nicht gemacht. Ich habe nicht gefragt, was er für Unterwäsche trägt oder so. Das war ja völlig harmlos, da darf man sich dann nicht zu viel Gedanken drüber machen. Dass das so ein Aufreger war, habe ich nicht verstanden.

Der WDR hat den Clip „Dunk den Herrn!“ auf jeden Fall kurzfristig aus der Sendung gestrichen. Hätte das auch bei einem privaten Sender passieren können?
Ich kann nicht ausschließen, dass das bei einem privaten Sender nicht passiert wäre, aber es ist schon sehr ungewöhnlich, wie es gelaufen ist.

Beispielsweise die Premiere Ihres Bühnenprogramms wurde mit RTL von einem privaten Sender übertragen. Wo sehen Sie sich fernsehmäßig in der Zukunft?
Das ist eine gute Frage. Ich will mit einem Sender zusammenarbeiten, der mich als Künstlerin wertschätzt und der Bock hat, mit mir meine Sachen zu machen. Ich muss nicht mehr sagen „Bitte, bitte sendet mich!“, sondern ich brauche jemanden, der meinen Weg mit mir mitgeht. Wenn das keiner machen will, ist das eben keiner. Ich muss nicht nur um stattzufinden Kompromisse mit einem Sender eingehen, der mich nicht möchte und der Schiss hat, meine Sache zu senden.

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